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Erdogan wittert eine Verschwörung

Präsident Recep Tayyip Erdogan vergleicht die US-Sanktionen mit dem Putschversuch von 2016. Nun sollen die Bürger dabei helfen, die Landeswährung zu retten.

Erdogan rief die Türken dazu auf, ihre Dollar und Euro in Lira umzutauschen. Foto: Murat Kula (AFP)
Erdogan rief die Türken dazu auf, ihre Dollar und Euro in Lira umzutauschen. Foto: Murat Kula (AFP)

In der türkisch-amerikanischen Krise zeichnet sich bislang keine Entspannung ab. Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte mit einer wirtschaftlichen und politischen Abkehr seines Landes vom Westen und kündigte eine stärkere Hinwendung zu Russland, China und der Ukraine an. Die Türkei habe Alternativen, schrieb Präsident Erdogan in einem Gastbeitrag für die «New York Times», der schon am Freitag erschien und am Wochenende von türkischen Blättern breit zitiert wurde.

Erdogan: «USA verstösst gegen Regeln der WTO». (Video: Tamedia/Reuters)

Ende Woche hatte US-Präsident Donald Trump hohe Strafzölle auf Stahl und Aluminium für die Türkei angekündigt, die schon heute Montag in Kraft treten sollen. Hintergrund ist der Streit um die Haft eines US-Priesters in der Türkei, der von der türkischen Justiz wegen Terrorismus angeklagt ist, die Vorwürfe aber bestreitet. «Es ist schade, dass ihr einen Pastor eurem strategischen Nato-Partner vorzieht», sagte Erdogan mit Blick auf die USA vor Anhängern in der Provinz Ordu.

Den starken Kursverfall der Lira gegenüber dem Dollar vom vergangenen Freitag bezeichnete Erdogan als «Raketen» in einem «Wirtschaftskrieg» gegen sein Land. Der Weg aus der «Währungsverschwörung» bestehe darin, die Produktion zu steigern und die Zinsen zu senken. Finanzminister Berat Albayrak hatte dagegen zuvor die Unabhängigkeit der Notenbank betont. Albayrak ist Erdogans Schwiegersohn.

Streit um Syrien

Bereits nach Ankündigung der höheren Zölle hatte Erdogan mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Dabei sei es unter anderem um strategische Projekte im Energiesektor gegangen, teilte das russische Präsidialamt mit. Aus Ankara hiess es, man habe über Syrien gesprochen. Auch in der Syrien-Politik gibt es Streit zwischen den USA und der Türkei, die unterschiedliche Kriegsparteien unterstützen. Russland steht aufseiten des syrischen Diktators Bashar al-Assad.

Bildstrecke: Türkische Währung stürzt auf historischen Tiefpunkt

Inmitten eines Streits um die Inhaftierung eines US-Pastors und des dramatischen Absturzes der türkischen Lira hat US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle gegen die Türkei verhängt.
Inmitten eines Streits um die Inhaftierung eines US-Pastors und des dramatischen Absturzes der türkischen Lira hat US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle gegen die Türkei verhängt.
Brendan Smialowski, AFP
«Unsere Beziehungen zur Türkei sind derzeit nicht gut»: Unter Verweis auf die schlechten Beziehungen zur Türkei verkündete Trump auf Twitter eine Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium.
«Unsere Beziehungen zur Türkei sind derzeit nicht gut»: Unter Verweis auf die schlechten Beziehungen zur Türkei verkündete Trump auf Twitter eine Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium.
Twitter/Donald J. Trump
Finanz- und Wirtschaftsminister Berat Albayrak, der zugleich der Schwiegersohn Erdogans ist, betonte bei der Vorstellung eines «neuen Wirtschaftsmodells» für die Türkei die Bedeutung der Unabhängigkeit der Zentralbank. Seine Äusserungen hatten jedoch keine Auswirkungen auf den Lirakurs.
Finanz- und Wirtschaftsminister Berat Albayrak, der zugleich der Schwiegersohn Erdogans ist, betonte bei der Vorstellung eines «neuen Wirtschaftsmodells» für die Türkei die Bedeutung der Unabhängigkeit der Zentralbank. Seine Äusserungen hatten jedoch keine Auswirkungen auf den Lirakurs.
Murad Sezer, Reuters
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Die türkische Währung hat seit Jahresbeginn etwa 40 Prozent an Wert verloren, den grössten Kursrutsch erlebte sie am Freitag. Auch am Wochenende gab es für einen Dollar fast sechs Lira und für einen Euro fast sieben. Erdogan rief die Türken dazu auf, «in diesem Krieg um Unabhängigkeit und Zukunft» ihre Dollar und Euro in Lira zu tauschen und auch Gold unter den Kopfkissen hervorzuholen. «Denn das ist die Sprache, die sie verstehen», sagte er. Die Regierungszeitung «Sabah» zeigte Geschäftsleute in Ankara, die Schmuckstücke zu einem Händler zum Tausch brachten.

Zuspruch aus Teheran

Vor Istanbuler Devisenläden war am Sonntag aber kein Andrang zu bemerken. Die Stadt Usak im Westen des Landes kündigte über Twitter an, sie werde keine Werbung mehr auf Google, Facebook und anderen US-Netzwerken schalten.

Zuspruch erhielt Erdogan aus Teheran: Der iranische Aussenminister Mohammed Jawad Sarif kritisierte Trumps unverhohlenen «Jubel» darüber, die Türkei wirtschaftlich in Bedrängnis zu bringen. Die USA litten unter einer «Sucht nach Sanktionen und Schikane», schrieb Sarif.

Wenn sich das nicht ändere, werde sich die ganze Welt zusammenschliessen und die USA zu einer Kursänderung zwingen. Auch der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier warnte wegen der US-Strafzölle gegen die Türkei und gegen China vor gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft. «Dieser Handelskrieg verlangsamt und zerstört Wirtschaftswachstum und produziert neue Unsicherheiten», sagte er am Wochenende in einem Interview.

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