Erbitterte Kämpfe in Donezk, Trauer in Kiew

Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben grosse Teile des Donezker Flughafens von den Separatisten zurückerobert. In der Hauptstadt forderten derweil Tausende Frieden für die Ukraine.

  • loading indicator

Ungeachtet des erst im Dezember vereinbarten Waffenstillstands haben sich die ukrainische Armee und prorussische Rebellen am Wochenende erneut erbitterte Kämpfe um den Flughafen von Donezk geliefert. Der ukrainischen Armee gelang es nach eigenen Angaben mit massivem Panzereinsatz, grosse Teile des Flughafens zurückzuerobern. Nach Angaben von Armee und Rebellen starben mindestens sieben Menschen. In Kiew demonstrierten derweil Tausende für Frieden.

Nach mehrtägigen heftigen Kämpfen hatten die prorussischen Rebellen verkündet, den Flughafen der ostukrainischen Stadt unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Die ukrainische Armee rückte daraufhin mit mindestens zehn Panzern auf das völlig zerstörte Gelände vor, wie auf Bildern örtlicher TV-Sender zu sehen war. Bei den Gefechten starben nach Armeeangaben vier Soldaten, mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Die Rebellen sprachen von zwei getöteten Zivilisten, ein weiterer wurde in Krasnogoriwka in der Nähe von Donezk getötet.

Es sei gelungen, das Gelände um den Flughafen «fast vollständig zu säubern», sagte der ukrainische Armeesprecher Andrej Lysenko. Der «massive» Einsatz sei beschlossen worden, um Soldaten mit Munition und Ausrüstung zu versorgen sowie Verletzte in Sicherheit zu bringen. Von unabhängiger Seite gab es keine Bestätigung dafür, dass die prorussischen Rebellen zurückgedrängt seien. Journalisten konnten sich dem Gelände nicht nähern.

Drohnenflug über den zerstörten Flughafen, aufgenommen am 15. Januar 2015 von der Gruppe Army SOS, die Geld für die ukrainische Armee sammelt. (Video: Youtube/Yury Kasyanov/Army SOS)

Gewalt nimmt seit Tagen zu

Unter Beschuss waren auch mehrere Stadtteile von Donezk. Nach Behördenangaben gab es massive Schäden: Häuser wurden zerstört, viele Gebäude waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Öffentliche Verkehrsmittel stellten den Betrieb ein, Geschäfte blieben geschlossen. Bewohner berichteten von Schüssen im Nordwesten der Stadt.

Die Ukraine und die prorussischen Rebellen hatten sich am 9. Dezember auf eine Feuerpause geeinigt, doch nimmt die Gewalt seit Tagen zu. Ein angekündigtes Gipfeltreffen der Staatschefs der Ukraine, Russlands, Frankreichs und Deutschlands ist bereits verschoben worden. Angela Merkel hatte jüngst betont, dass ein solches Treffen keinen Sinn mache, solange die Kämpfe andauerten. In dem Anfang vergangenen Jahres eskalierten Konflikt in der Ostukraine wurden bislang mehr als 4800 Menschen getötet.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew gingen mehrere tausend Menschen zu einem Friedensmarsch auf die Strasse. «Wir werden siegen in unserem Kampf für den Frieden», sagte Präsident Petro Poroschenko in einer Rede auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum der Stadt. «Wir werden nicht aufgeben und keine Zerstückelung unseres Landes zulassen», fügte er mit Blick auf die Abspaltungsbestrebungen der Rebellen im Osten der Ukraine hinzu. Poroschenkos Regierung wirft Russland vor, die Separatisten militärisch zu unterstützen.

Poroschenko lehnt Lösungsvorschlag ab

Der ukrainische Präsident soll unterdessen einen Friedensvorschlag des russischen Staatschefs Wladimir Putin abgelehnt haben. Russland unternahm nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen Versuche, in dem Konflikt zu vermitteln.

Donnerstagnacht habe Putin Poroschenko sogar einen Brief geschickt mit einem «konkreten Vorschlag», zitierte die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass Putin-Sprecher Dmitri Peskow. Der russische Fernsehsender NTV zeigte eine Kopie dieses Schreibens.

Darin schlägt Putin «dringende Massnahmen zur Beendigung des gegenseitigen Beschusses» vor. Ausserdem sollen die Konfliktparteien Waffen mit einem Kaliber grösser als 100 Millimeter rasch abziehen. Von ukrainischer Seite gab es keine Angaben dazu.

ajk/AFP/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt