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«Er wollte schon als Junge zur Armee gehen»

Die britische Polizei steht in der Kritik, seit klar ist, dass sie die Londoner Attentäter auf dem Radar hatte. Inzwischen haben sich die Angehörigen des getöteten Lee Rigby geäussert.

Die Anteilnahme am Tode des jungen Soldaten Lee Rigby ist in London gross. (28. Mai 2013)
Die Anteilnahme am Tode des jungen Soldaten Lee Rigby ist in London gross. (28. Mai 2013)
Keystone
Der Attentäter von London fiel der Polizei schon früher auf: Michael Adebolajo bei einer Demonstration in London. (27. April 2013)
Der Attentäter von London fiel der Polizei schon früher auf: Michael Adebolajo bei einer Demonstration in London. (27. April 2013)
Keystone
Hier geschah die Tat: Woolwich im Südosten von London.
Hier geschah die Tat: Woolwich im Südosten von London.
Keystone
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Die britische Regierung hat nach der brutalen Tötung eines Soldaten in London die Arbeit der Polizei und der Geheimdienste verteidigt. Diese waren in die Kritik geraten, weil ihnen die beiden Hauptverdächtigen bereits vor der Tat bekannt gewesen waren.

In einer freien Gesellschaft könne man nicht «jeden Einzelnen ständig kontrollieren», sagte der für die Kommunen zuständige Minister Eric Pickles am Freitag dem Sender BBC. Angriffe wie der mutmassliche Terroranschlag auf den 25-jährigen Soldaten könnten niemals ganz ausgeschlossen werden.

Der frühere Chef des Inlandgeheimdienstes MI5, Richard Barrett, erklärte, es sei ungeheuer schwer vorherzusagen, wann genau lange Zeit eher harmlos wirkende Radikale plötzlich gewalttätig werden könnten. Ein Untersuchungsausschuss des britischen Unterhauses soll die genauen Abläufe aufschlüsseln.

Zwei Frauen wieder auf freiem Fuss

Die Polizei versuchte unterdessen weiter, die genauen Hintergründe der Tat zu klären. Neben den beiden Hauptverdächtigen, die am Tatort im südöstlichen Londoner Stadtteil Woolwich festgenommen wurden, hatte die Polizei am Donnerstag drei weitere Verdächtige in Haft genommen.

Am Freitag wurden zwei Frauen im Alter von 29 und 31 Jahren wieder freigelassen. Gegen sie werde es keine Anklage geben, hiess es von der Polizei. Ein 29-Jähriger bleibt wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord in Gewahrsam.

Neues Video von der Festnahme

Die Hauptverdächtigen – ein 22-Jähriger und ein 28-Jähriger – blieben weiterhin unter Bewachung im Spital. Sie waren von der Polizei am Tatort angeschossen worden. Die beiden Männer sollen den Soldaten auf offener Strasse mit einem Messer und einem Fleischerbeil zu Tode gehackt und dabei islamistische Parolen gerufen haben.

Auf einem von der Zeitung «Daily Mirror» veröffentlichten Video waren Aufnahmen zu sehen, die die Ankunft der Polizei am Tatort am Mittwoch zeigen soll. Darin rennt einer der Männer mit einem Messer in der Hand auf die im Auto sitzenden Polizisten los; diese schiessen, der Mann fällt zu Boden.

Ein zweiter Mann zielt etwas weiter entfernt mit einer Waffe in Richtung der Polizisten und fällt nach Schüssen ebenfalls auf den Asphalt.

Gedenkgottesdienst für getöteten Soldaten

Die Familie des getöteten Soldaten, der verheiratet war und einen zweijährigen Sohn hatte, gab am Freitag in einer Medienkonferenz ihrer Trauer Ausdruck. Der 25-Jährige war 2009 in Afghanistan und danach auch im deutschen Celle stationiert gewesen.

Nachdem ihr Mann aus Afghanistan zurückgekommen sei, habe sie gedacht, er sei in Sicherheit, sagte seine Ehefrau: «Man erwartet nicht, dass das in Grossbritannien passiert.» Schon als Junge habe sein Sohn davon geträumt, zur Armee zu gehen, sagte sein Vater, «und er hat es geschafft. Danke, Lee. Du hast für dein Land gekämpft.»

Im Heimatort des Soldaten in Middleton bei Manchester fand ein Gedenkgottesdienst statt. Auch britische Muslim-Organisationen kündigten Gebete für den getöteten Soldaten an. Sie hatten sich von der Attacke distanziert.

Polizisten sollen Präsenz zeigen

In London sind seit Donnerstag 1200 zusätzliche Polizisten im Einsatz. Sie sollen laut Scotland Yard vor allem dort Präsenz zeigen, wo sich Menschenmassen versammeln, und den Menschen ein Gefühl der Sicherheit geben.

Die Polizei sah aber weiterhin kein erhöhtes Sicherheitsrisiko. «Zu diesem Zeitpunkt gibt es keinerlei Anhaltspunkte für eine erhöhte Bedrohung», sagte ein Sprecher von Scotland Yard am Freitag.

SDA/fko

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