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Eine schrecklich erfolgreiche Familie

«Das zeigt, dass wir eine gute Rasse sind», kommentierte Jean Marie Le Pen den Wahlerfolg seiner Enkelin Marion Maréchal-Le Pen. Die schmale Blondine soll den Front National entdämonisieren.

Erste FN-Abgeordnete seit 1998: Jean-Marie Le Pen feiert seine Enkelin Marion Maréchal-Le Pen.
Erste FN-Abgeordnete seit 1998: Jean-Marie Le Pen feiert seine Enkelin Marion Maréchal-Le Pen.
Keystone

Drei Kinder und neun Enkelkinder hat der Gründer der rechtsextremen Front National (FN), Jean-Marie Le Pen. Doch über ein Mitglied seiner Familie freute sich der bald 84-Jährige, der mehrmals wegen Leugnung des Holocaust verurteilt wurde, am Sonntag besonders: Seine Enkelin Marion vertritt als erste FN-Abgeordnete seit 1998 die Rechtsextremen wieder im französischen Parlament. «Sie ist noch besser, als ich gedacht habe», sagte der Grossvater, der eigens ins südfranzösische Carpentras gereist war, um dort den Sieg der erst 22-jährigen Marion Maréchal-Le Pen zu feiern.

Der Patriarch, der die FN vor 40 Jahren gründete, ist stolz auf seine Politdynastie: «Das zeigt, dass wir eine gute Rasse sind», rühmte sich der für seine derbe Ausländerfeindlichkeit bekannte Grossvater im Parlamentswahlkampf. Die Jurastudentin gewann die Stichwahl in Carpentras in der südfranzösischen Provence vor dem UMP-Kandidaten Jean-Michel Ferrand. Ihr kam zugute, dass sich die sozialistische Kandidatin Catherine Arkilovitch als Drittplatzierte der ersten Runde geweigert hatte, sich zurückzuziehen.

Die schmale, blonde Marion trat im Wahlkampf nicht so aggressiv auf wie ihr Grossvater, der 1956 mit 27 Jahren sein erstes Abgeordnetenmandat errungen hatte. Doch inhaltlich unterscheidet sich Marion, die Tochter von Le Pens zweiter Tochter Yann, nicht vom Rest des Clans: «Die Ideen sind dieselben», sagt die Kandidatin selbst.

Der Grossvater hat noch Grosses mit ihr vor

Bereits mit 17 Jahren trat Marion in die Front National ein, vor zwei Jahren kandidierte sie bei den Regionalwahlen im Département Yvelines im Grossraum Paris. «Ich mache das nicht, um meinem Grossvater einen Gefallen zu tun», sagte sie damals.

Die Entscheidung für den Wahlkreis Carpentras, wo die FN traditionell stark ist, fiel dann aber doch mit Blick auf den Opa. Der Parteigründer hatte ursprünglich selbst erwogen, sich dort zu bewerben, um die «Kränkung» auszugleichen, welche die FN nach der Schändung 34 jüdischer Gräber 1990 in Carpentras erlitten habe. Damals waren Anhänger von Le Pen für die Tat verantwortlich gemacht worden, die weltweit für Aufsehen sorgte. Jahre später wurden dann Skinheads dafür verurteilt.

Nachdem sie im Mai ihre Kandidatur in Carpentras bekanntgegeben hatte, setzte Marion Maréchal-Le Pen inhaltlich kaum eigene Akzente. Als eher schüchtern wirkendes junges Mädchen passt sie aber gut in die Strategie ihrer Tante, die die islamfeindliche FN «entdämonisieren» will.

Die 43-jährige Marine Le Pen, die den Parteivorsitz erst vor anderthalb Jahren von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen übernommen hatte, verpasste den Einzug ins Parlament selbst ganz knapp. Die FN-Chefin freute sich jedoch über den Erfolg ihrer Nichte, die sie nach den Vorstellungen des alten Le Pen auch einmal beerben könnte. Grossvater Jean-Marie hat mit der Studentin ohnehin noch Grosses vor. Auf die Frage, ob Marion die Partei einmal führen werde, antwortete der 83-Jährige: «Vielleicht sogar das ganze Land - warum nicht?»

(AFP)

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