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Eine Schicksalswoche für Theresa May

Laut britischen Medien gibt es Pläne, wonach die Premierministerin gestürzt werden soll.

Schwierige Tage: Theresa May wird von allen Seiten angefeindet. (21. März 2019)
Schwierige Tage: Theresa May wird von allen Seiten angefeindet. (21. März 2019)
Stéphanie Lecoco, Keystone

Theresa Mays Position ist längst nicht mehr sicher. Die Premierministerin könnte schon bald von ihrem Kabinett zum Rücktritt gezwungen werden, wie britische Medien am Sonntag berichteten. Demnach steht die Regierungschefin vor einer Schicksalswoche.

Eine Regierungssprecherin sprach am Sonntag von «Spekulationen». Der «Times» zufolge gibt es Überlegungen, dass der EU-freundliche Vize-Premier David Lidington als Interimsregierungschef einspringen könnte.

Interimistischer Nachfolger von May? Vize-Premier David Lidington. (Bild: Keystone)
Interimistischer Nachfolger von May? Vize-Premier David Lidington. (Bild: Keystone)

Er soll demnach einen neuen Kurs für den EU-Austritt ausloten und im Herbst für einen dauerhaften Premierminister Platz machen. Die Zeitung berief sich auf elf ungenannte Regierungsmitglieder, die May stürzen wollen. Für Montag will May ihr Kabinett einberufen.

Lidington und Hunt

Lidington ist seit Januar 2018 Mays Kabinettschef. Zuvor war er unter anderem Justizminister und Staatssekretär im Aussenministerium. Er agierte unauffällig und zeigte sich May gegenüber loyal.

Britischen Medien zufolge hat er wegen seiner Haltung zum Brexit auch den Spitznamen «Mr Europa»; er gelte als «Mann ohne Feinde im Unterhaus». Der 62-jährige Vater von vier Kinder ist sehr religiös. Er studierte Geschichte an der renommierten Universität Cambridge.

Der «Daily Mail» zufolge hat auch der gut vernetzte Umweltminister Michael Gove seinen Hut als Nachfolger von May in den Ring geworfen. Nach dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 unterstützte er zunächst Boris Johnson bei seiner Kandidatur für das Amt des Premierministers.

Im letzten Moment entschied sich der Brexit-Anhänger, selbst zu kandidieren – damals hatte es nicht geklappt. Der frühere Journalist gilt als ehrgeizig. Er war unter anderem Justizminister.

Für den EU-Austritt ist der Ausgang des politischen Bebens in London von entscheidender Bedeutung. Die EU hatte vorige Woche einem Aufschub des Brexits bis mindestens 12. April zugestimmt.

Krisensitzung auf dem Lande

May indessen hat am Sonntag in einer Krisensitzung mit Parteikollegen über das weitere Vorgehen beraten. Die Regierungschefin traf sich mit «ihren Kollegen» auf dem Landsitz Chequers, wie ein Regierungssprecher bestätigte.

Anwesend bei dem Treffen waren britischen Medienberichten zufolge unter anderen die Brexit-Hardliner Boris Johnson, ehemals Aussenminister, sowie Jacob Rees-Mogg, der einen Brexit ohne Abkommen mit der Europäischen Union befürwortet.

Dritter Anlauf

Sollte im Machtkampf ein harter Brexit-Befürworter May stürzen, würde ein baldiger chaotischer Austritt ohne Vertrag wahrscheinlich – womöglich doch schon Ende dieser Woche. Denn das Unterhaus muss die Abmachung mit der EU, das bisherige Austrittsdatum 29. März zu verschieben, in den nächsten Tagen noch formal in britischem Recht verankern.

Die Premierministerin steht nur Tage vor dem eigentlich geplanten Brexit-Termin vor einer dritten Abstimmungsniederlage im Parlamentmit. Zwei Mal, Mitte Januar und Mitte März, war sie mit ihrem ausgehandelten Austrittsabkommen bereits krachend gescheitert.

Die EU stimmte einer Verschiebung des EU-Austritts zwar zu, doch in London scheint die Geduld mit der Premierministerin weitgehend am Ende zu sein.

sda/afp/fal

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