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Eine der tolerantesten Grossstädte Englands

Keine britische Stadt charakterisiert ein so entspannter Bürgerstolz wie Manchester. Dabei hat sie schon mehrere Bombenanschläge erlebt.

Stolz auf die Vergangenheit und entspannt in der Gegenwart: Besucher der restaurierten Victoria Baths in Manchester können nach über 20 Jahren wieder in dieses Becken springen (14. Mai 2017).
Stolz auf die Vergangenheit und entspannt in der Gegenwart: Besucher der restaurierten Victoria Baths in Manchester können nach über 20 Jahren wieder in dieses Becken springen (14. Mai 2017).
Phil Noble, Reuters

Mehrere Städte in England, darunter Birmingham und Liverpool, beanspruchen den Titel der «zweiten Metropole» nach London. In Manchester hätte man nichts dagegen, sogenannt zu werden, aber die Mancunians schauen lieber auf das, was sie selbst zu bieten haben, als sich mit anderen zu vergleichen.

Keine britische Stadt charakterisiert ein so entspannter Bürgerstolz wie Manchester, das ehemalige industrielle Zentrum des britischen Empire. Der Kontrast zur gedrückten Atmosphäre machte sich deshalb am Tag nach dem Selbstmordanschlag in der Manchester Arena besonders bemerkbar: Abgesperrte Strassen, nervöse Passanten, Gerüchte über Festnahmen.

Bilder: Anschlag auf Konzert von Ariana Grande

Das Konzert findet auf dem Cricketgelände von Old Trafford statt: Die Vorbereitungen sind im Gange. (1. Juni 2017)
Das Konzert findet auf dem Cricketgelände von Old Trafford statt: Die Vorbereitungen sind im Gange. (1. Juni 2017)
Danny Lawson, Keystone
Will für die Opfer Geld sammeln: Ariana Grande tritt am Sonntag erneut in Manchester auf. (Archiv)
Will für die Opfer Geld sammeln: Ariana Grande tritt am Sonntag erneut in Manchester auf. (Archiv)
Keystone
Letztes Foto: Dieses Bild, das die Polizei veröffentlicht hat, zeigt Abedi kurz vor dem Anschlag.
Letztes Foto: Dieses Bild, das die Polizei veröffentlicht hat, zeigt Abedi kurz vor dem Anschlag.
Keystone
Solidarität: Das Tattoo soll den Opfern auch finanzielle Hilfe sichern. (26. Mai 2017)
Solidarität: Das Tattoo soll den Opfern auch finanzielle Hilfe sichern. (26. Mai 2017)
Screenshot www.ibtimes.co.uk
Die Leute seien Schlange gestanden, um ein Tattoo stechen zu lassen, erklärt ein Künstler aus Wigan (Greater Manchester).
Die Leute seien Schlange gestanden, um ein Tattoo stechen zu lassen, erklärt ein Künstler aus Wigan (Greater Manchester).
Keystone
Königlicher Besuch bei den verletzten Kindern: Queen Elizabeth II (r.) spricht mit der 12-jährigen Amy Barlow und ihrer Mutter im Kinderspital von Manchester. (25. Mai 2017)
Königlicher Besuch bei den verletzten Kindern: Queen Elizabeth II (r.) spricht mit der 12-jährigen Amy Barlow und ihrer Mutter im Kinderspital von Manchester. (25. Mai 2017)
Peter Byrne/WPA/Getty
Auch der 14-jährigen Evie Mills und ihren Eltern stattete die Königin von England einen Besuch ab.
Auch der 14-jährigen Evie Mills und ihren Eltern stattete die Königin von England einen Besuch ab.
Peter Byrne/WPA/Getty, Keystone
Ebenso der 15-jährigen Millie Robson und deren Mutter.
Ebenso der 15-jährigen Millie Robson und deren Mutter.
Peter Byrne/WPA/Getty, Keystone
60 Sekunden Stille: Um 11 Uhr wurde in ganz Grossbritannien eine Schweigeminute eingelegt.
60 Sekunden Stille: Um 11 Uhr wurde in ganz Grossbritannien eine Schweigeminute eingelegt.
Kirsty Wigglesworth, Keystone
Menschen versammeln sich auf dem St Ann's Square im Zentrum von Manchester.
Menschen versammeln sich auf dem St Ann's Square im Zentrum von Manchester.
Ben Stansall, AFP
Aufnahmen einer Sicherheitskamera sollen den mutmasslichen Selbstmordattentäter von Manchester beim Kauf eines Rucksacks zeigen. (19. Mai 2017)
Aufnahmen einer Sicherheitskamera sollen den mutmasslichen Selbstmordattentäter von Manchester beim Kauf eines Rucksacks zeigen. (19. Mai 2017)
Sky News Exclusive, Keystone
Nach dem Anschlag in Manchester: Ariana Grande sagt ihr Konzert in Zürich am 5. Juni ab.
Nach dem Anschlag in Manchester: Ariana Grande sagt ihr Konzert in Zürich am 5. Juni ab.
Jewel Samad, AFP
Die Bewohner der Stadt rücken zusammen: Trauernde bei einer Kundgebung im Zentrum von Manchester. (23. Mai 2017)
Die Bewohner der Stadt rücken zusammen: Trauernde bei einer Kundgebung im Zentrum von Manchester. (23. Mai 2017)
Andy Rain, Keystone
Kerzen und Botschaften in Manchester zum Gedenken an die Opfer.
Kerzen und Botschaften in Manchester zum Gedenken an die Opfer.
Jeff J Mitchell/Getty Images, Keystone
Ein Mann legt eine Rose nieder.
Ein Mann legt eine Rose nieder.
Ben Stansall, AFP
Täter identifiziert: Forensiker durchsuchen das Gelände um das Haus, in dem Salmon Abedi gewohnt hat. (23. Mai 2017)
Täter identifiziert: Forensiker durchsuchen das Gelände um das Haus, in dem Salmon Abedi gewohnt hat. (23. Mai 2017)
Danny Lawson/AP, Keystone
«Wir haben einen Job zu erledigen»: Der Trainer von Manchester United, José Mourinho, in Stockholm. (23. Mai 2017)
«Wir haben einen Job zu erledigen»: Der Trainer von Manchester United, José Mourinho, in Stockholm. (23. Mai 2017)
Steve Bardens, Keystone
Offenbar handelt es sich bei Abedis Haus um den Ort, wo die Polizei am Morgen eine kontrollierte Explosion vorgenommen hat.
Offenbar handelt es sich bei Abedis Haus um den Ort, wo die Polizei am Morgen eine kontrollierte Explosion vorgenommen hat.
Danny Lawson/AP, Keystone
Einkaufszentrum evakuiert: Menschen vor dem Arndale Shopping Center in Manchester am Tag nach dem Anschlag am Konzert von Ariana Grande. (23. Mai 2017)
Einkaufszentrum evakuiert: Menschen vor dem Arndale Shopping Center in Manchester am Tag nach dem Anschlag am Konzert von Ariana Grande. (23. Mai 2017)
Rui Vieira/AP, Keystone
Gerüchten zufolge war der Evakuierung eine Bombendrohung vorausgegangen.
Gerüchten zufolge war der Evakuierung eine Bombendrohung vorausgegangen.
Rui Vieira, Keystone
Polizisten auf einer Brücke am Victoria-Bahnhof in Manchester.
Polizisten auf einer Brücke am Victoria-Bahnhof in Manchester.
Rui Vieira, Keystone
Angespannte Sicherheitslage: Polizisten patrouillieren in der Nähe der Manchester Arena.
Angespannte Sicherheitslage: Polizisten patrouillieren in der Nähe der Manchester Arena.
Oli Scarff, AFP
Der Attentäter war unter den Opfern: Forensiker verlassen die Manchester Arena. (23. Mai 2017)
Der Attentäter war unter den Opfern: Forensiker verlassen die Manchester Arena. (23. Mai 2017)
Keystone
Das Gebiet um die Manchester Arena und den Bahnhof Victoria Station bleibt während der forensischen Untersuchungen gesperrt.
Das Gebiet um die Manchester Arena und den Bahnhof Victoria Station bleibt während der forensischen Untersuchungen gesperrt.
Keystone
Ein Polizist sucht die Umgebung ab.
Ein Polizist sucht die Umgebung ab.
Danny Lawson/PA via AP, Keystone
Überlebende versuchen sich zu fassen.
Überlebende versuchen sich zu fassen.
Christopher Furlong/Getty Images, Keystone
Der Polizeichef von Manchester informiert.
Der Polizeichef von Manchester informiert.
Peter Byrne/PA via AP, Keystone
Während des letzten Songs ertönt ein lauter Knall: Polizei und Konzertbesucher vor der Manchester Arena. (22. Mai 2017)
Während des letzten Songs ertönt ein lauter Knall: Polizei und Konzertbesucher vor der Manchester Arena. (22. Mai 2017)
Peter Byrne, Keystone
Explosion in Manchester: Die Polizei riegelt das Gebiet um die Konzertarena ab. (22. Mai 2017)
Explosion in Manchester: Die Polizei riegelt das Gebiet um die Konzertarena ab. (22. Mai 2017)
Peter Byrne, Keystone
Die Polizei ist auf dem Weg zum Veranstaltungsort. (22. Mai 2017)
Die Polizei ist auf dem Weg zum Veranstaltungsort. (22. Mai 2017)
Peter Byrne, Keystone
Noch ist das Ausmass der Explosion unklar. Zu Beginn war auch nicht klar, ob es sich um einen Anschlag oder einen andersartigen Vorfall handelt. (22. Mai 2017)
Noch ist das Ausmass der Explosion unklar. Zu Beginn war auch nicht klar, ob es sich um einen Anschlag oder einen andersartigen Vorfall handelt. (22. Mai 2017)
Paul Ellis, AFP
Die Lage ist laut Polizei unübersichtlich. (22. Mai 2017)
Die Lage ist laut Polizei unübersichtlich. (22. Mai 2017)
Peter Byrne, Keystone
Die Bevölkerung von Manchester ist aufgerufen, den Bereich um den Veranstaltungsort zu meiden. (22. Mai 2017)
Die Bevölkerung von Manchester ist aufgerufen, den Bereich um den Veranstaltungsort zu meiden. (22. Mai 2017)
Peter Byrne, Keystone
Laut einem Sprecher geht es ihr gut: Ariana Grande bei einem Konzert. (Archivbild)
Laut einem Sprecher geht es ihr gut: Ariana Grande bei einem Konzert. (Archivbild)
John Salangsang, Keystone
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Der Polizeichef von Greater Manchester, Ian Hopkins, sagte es unmissverständlich: Der Anschlag am Montagabend sei «der schlimmste, mit dem diese Stadt jemals konfrontiert worden ist».

Bomben der IRA forderte 265 Verletzte

Dabei hat Manchester bereits in der jüngeren Vergangenheit Bombenanschläge erlebt: Im Dezember 1992 explodierten in der City innerhalb von zwei Stunden Sprengsätze der sogenannten Provisional Irish Republican Army (IRA), dabei wurden 65 Menschen verletzt. Vier Jahre später detonierte in der Corporation Street eine ebenfalls von der IRA gelegte Bombe, die grösste, die seit dem Zweiten Weltkrieg auf britischem Boden gezündet worden war, und verletzte mehr als 200 Menschen. Tote gab es allerdings in beiden Fällen nicht zu beklagen.

Manchester gilt als eine der offensten und tolerantesten Grossstädte Englands. Die Canal Street mit ihren zahlreichen Gay Bars ist eine der bekanntesten Partymeilen des Landes; im Juli wird das alle zwei Jahre stattfindende Manchester International Festival Künstler und Musiker aus aller Welt präsentieren.

«Die richtige Reaktion ist weiterhin offen gegenüber anderen Menschen zu sein.»

Graham Stringer, Labour-Parlamentskandidat

Gerade die Integrationsinitiativen der Stadt gelten als vorbildlich. Vergangene Woche erst gewann das interkonfessionelle Faith Network 4 Manchester den britischen Community Cohesion Award. Ziel der Gruppe ist die Zusammenführung verschiedener Religionsgruppen in der Stadt, sie veranstaltet Konferenzen, regelmässige Treffen und gemeinsame Gemeindeprojekte. Das Muslim-Jewish Forum of Greater Manchester lud 2016 zu einem gemeinsamen Essen ein, mit dem das Ende des Ramadan-Fastens gefeiert wurde.

Wie in vielen Städten Nordenglands sind auch in Greater Manchester vereinzelte Radikalisierungstendenzen verzeichnet worden. Vor zwei Jahren wurde der 21-jährige Waheed Ahmed, ein Student aus Rochdale, beim Versuch des Grenzübertritts aus der Türkei nach Syrien festgenommen. Er wurde später auf freien Fuss gesetzt.

Angesichts der ersten Spekulationen über den Selbstmordattentäter mahnte der ehemalige Vorsitzende der Stadtverwaltung von Manchester und derzeitige Labour-Parlamentskandidat Graham Stringer, gerade angesichts des Terrors jene Toleranz zu zeigen, für die Manchester berühmt sei: «Die richtige Reaktion», so Stringer, «ist weiterhin offen gegenüber Menschen zu sein, die ein anderes Leben führen als wir selbst.»

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