Ein Schiff für die Brexiteers

Konservative Politiker wollen eine neue königliche Jacht Britannia bauen. Das kostet.

1997 aus Kostengründen ausgemustert: Die «Royal Yacht Britannia».

1997 aus Kostengründen ausgemustert: Die «Royal Yacht Britannia». Bild: Reuters

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Königstreue Tories, die vom «globalen Britannien» träumen, haben sich etwas einfallen lassen. Zur Feier des britischen Austritts aus der EU wollen sie eine neue «Royal Yacht Britannia» in Dienst stellen – Leinen los.

Das kostet. Und da man keine Steuern für den Bau eines schwimmenden Palasts abzwacken kann, das private Kapital sich aber mit Angeboten zurückhält, sollen nun Lotteriegelder die benötigten 120 Millionen Pfund einbringen. 50 konservative Abgeordnete drängen die Regierung, einen Losverkauf zu organisieren, damit man postbrexit wieder ein königliches Vorzeigeschiff auf die Weltmeere senden kann. Die alte Britannia, mit der die Queen 40 Jahre lang sehr komfortabel die Welt bereiste, wurde 1997 aus Kostengründen ausgemustert. Seither ist im Tory-Lager der Wunsch nach einer neuen königlichen Jacht immer wieder laut geworden.

Ferne Völker beeindrucken

In der Folge des EU-Referendums und der Nostalgiewelle, die der Brexit-Beschluss auslöste, hat Aussenminister Boris Johnson das Glanz-und-Glorie-Projekt nun erneut aufs Tapet gebracht. Mit einer neuen Britannia, erklärt er, könne man ferne Völker beeindrucken und profitable Vertragsschlüsse erzielen. Nun da Grossbritannien «seine uralte Rolle als Meeresnation und Handelsmacht wiederentdeckt», sei eine neue Jacht geradezu unerlässlich, schwärmt auch der rechtskonservative «Daily Telegraph». Gegner der Idee aus allen Parteien halten die «Brexitannia» dagegen für eine Verrücktheit. Zu einer Zeit, da die Kriegsmarine drastisch schrumpfe und britische Familien über immer weniger Geld verfügten, sei ein solcher Luxus widersinnig.

In der Tat stehen auch für 2018 die Zeichen am Wirtschaftshimmel schlecht – und der Brexit ist nicht schuldlos daran. Die Besessenheit der Brexiteers mit der Royal Yacht scheint unter diesen Umständen etwas bizarr. Denn auch der Betrieb des Schiffs würde, lang nach dem Bau aus Lotteriemitteln, jedes Jahr 10 Millionen Pfund aus der Haushaltskasse verschlingen. Eine Hundertschaft von Matrosen müsste für entsprechende Touren abgestellt werden.

In Downing Street hüllt man sich in Schweigen. Das Jahr beginnt, wie das alte endete: mit Rätselraten über den Fortgang der Brexit-Saga. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.01.2018, 17:45 Uhr

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