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«Diese Tragödie ist ein Signal an Europa»

In einem abgestellten Lastwagen auf der A4 südlich von Wien sind bis zu 50 Flüchtlinge tot aufgefunden worden. Österreich fordert eine Reaktion auf europäischer Ebene.

Zwei der mutmasslichen Schlepper (rechts und im blauen Tshirt), werden in Ungarn in ein Gericht gebracht.
Zwei der mutmasslichen Schlepper (rechts und im blauen Tshirt), werden in Ungarn in ein Gericht gebracht.
Sandor Ujvari/EPA
Ein weiterer verdächtigter Schlepper, der im Zusammenhang mit den 71 toten Flüchtlingen stehen soll, auf dem Weg ins Gericht.
Ein weiterer verdächtigter Schlepper, der im Zusammenhang mit den 71 toten Flüchtlingen stehen soll, auf dem Weg ins Gericht.
Sandor Ujvari/EPA
Frauen legen Blumen und Kerzen vor die Polizeidirektion Eisenstadt und gedenken der Toten. (27. August 2015)
Frauen legen Blumen und Kerzen vor die Polizeidirektion Eisenstadt und gedenken der Toten. (27. August 2015)
Keystone
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In Österreich sind in einem Schlepperfahrzeug die Leichen von mehreren Flüchtlingen entdeckt worden. Das Fahrzeug sei in einer Pannenbucht auf der Autobahn A4 zwischen Neusiedl und Parndorf nahe der ungarischen Grenze abgestellt gewesen, teilte die Polizei mit. Der LKW war offenbar einem Mitarbeiter des Streckendienstes der Asfinag aufgefallen. Er war mit Mäharbeiten beschäftigt, als er bemerkte, «dass es dort raustropft», sagte ein Sprecher der Asfinag.

Das Fahrzeug war dort bereits länger abgestellt gewesen. Der Mitarbeiter verständigte schliesslich die Polizei. Beim Eintreffen der Beamten stellten sie Verwesungsflüssigkeit fest, die aus der Ladefläche des 7,5 Tonnen schweren LKW austrat.

Die «Kronenzeitung» berichtete von bis zu 50 Toten. Der Zustand der Leichen mache es aber schwer festzustellen, wie viele Leichen in dem Fahrzeug gewesen seien. «Wir können davon ausgehen, dass möglicherweise 20 Personen zu Tode gekommen sind, es können auch 40 bis 50 sein», sagte Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil. Er wies darauf hin, die Opfer seien bereits seit einiger Zeit tot. «Wir können zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Angaben machen, wie der Tod eingetreten ist.»

Doskozil konnte auch an einer Pressekonferenz um 18 Uhr noch keine genaueren Angaben machen. Der Lastwagen werde derzeit noch herunter gekühlt, und soll über die Nacht geöffnet und untersucht werden. Dementsprechend gab der Landespolizeidirektor keine neuen Auskünfte über die Opferzahl und -herkunft. Ebensowenig für über die Täterschaft und die genau Herkunft des Fahrzeugs. Er kündigte eine neue PK für Freitagmorgen 11 Uhr an, in der Hoffnung, dann konkrete Angaben machen zu können.

LKW «dürfte gar nicht in Österreich sein»

Beim Fahrzeug handelte es sich um einen Kühltransporter, der für den Transport von Lebensmitteln ausgelegt ist. Der Lastwagen trägt das Firmenemblem eines slowakischen Fleischverarbeiters (ist der Redaktion bekannt). Ein Pressesprecher der Firma sagt auf Anfrage zu «20 Minuten»: «Der Lastwagen dürfte gar nicht in Österreich sein.»

Die Firma unternehme alles, um die Tragödie aufzuklären. Man habe zuerst gehofft, die Route anhand von GPS-Daten rekonstruieren zu können. Da der betroffene Laster aber eines von 21 Fahrzeugen sei, die die Firma vor zwei Jahren an sieben private Unternehmen verkauft habe, sei dies nicht möglich. Man versuche herauszufinden, warum der LKW nun mit einem ungarischen Kennzeichen unterwegs gewesen sei. Der Pressesprecher bedauert es ausserordentlich, dass das Logo seines Arbeitgebers vor dem Verkauf nicht neutralisiert worden war. In einer Mitteilung schrieb die Firma, dass der damalige Käufer den Lastwagen nach Ungarn weiterverkauft habe. «Wir arbeiten aktiv mit der slowakischen Polizei zusammen.»

Klar ist, das Fahrzeug wurde in Ungarn eingelöst. Die ungarische Regierung hat aber bereits verlauten lassen, dass es eine Person rumänischer Herkunft gewesen sein soll, die das Auto eingelöst habe.

«Diese Tragödie macht uns alle betroffen»

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner kündigte verstärkte Kontrollen im grenznahen Raum an. «Diese Tragödie macht uns alle betroffen», erklärte sie. «Schlepper sind Kriminelle. Und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht zu helfen.»

«Wichtig ist uns auch, dass so rasch als möglich die gesetzlichen Änderungen im Kampf gegen Schlepper vorgenommen werden. Ich hoffe, dass das am 1. Oktober bereits passiert.»

(Video: Reuters)

Es sei wichtig, dass nicht nur Österreich mit Härte gegen Schlepper vorgehe, sondern auch die anderen 27 EU-Staaten. Es müssten so rasch wie möglich EU-Aussenstellen geschaffen werden, damit die Flüchtlinge sofort Schutz bekämen. Mikl-Leitner sprach von einem «Signal an die europäische Ebene, so rasch wie möglich tätig zu werden».

«Ich bin erschüttert, tief betroffen und zornig», reagierte der österreichische Justizminister Wolfgang Brandstetter auf das Flüchtlingsdrama. Die Justiz werde gemeinsam mit dem Innenministerium «mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln» gegen diese Form der Kriminalität ankämpfen, kündigte er in einer der APA übermittelten Stellungnahme an.

«Schreckliches Verbrechen»

Um 13 Uhr informierten die Landespolizei und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner an einer Medienkonferenz in Eisenstadt über die Tragödie. Doskozil sprach von einem «schrecklichen Verbrechen», Mikl-Leitner von einem «dunklen Tag». Der Vorfall zeige «die verabscheuungswürdigen Methoden der Schleppermafia in all ihrer Hässlichkeit», Schlepper seien Verbrecher. Man müsse mit «aller Härte und null Toleranz» gegen die Schlepper vorgehen.

Vom LKW-Fahrer fehlt bisher jede Spur. Die Ermittlungen sind eingeleitet. Um 18 Uhr wollen die Behörden erneut informieren.

Täglich strömen Tausende Flüchtlinge über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn weiter nach Westeuropa. Die meisten davon stammen aus Syrien.

(SDA)

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