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Dritte Krawallnacht erschüttert Grenoble

Seit Polizisten einen Räuber auf der Flucht erschossen haben, herrscht in der französischen Stadt Chaos. Jugendliche randalieren und immer wieder wird auf die Polizei geschossen.

Inzwischen gehen die Randale in Grenoble schon in die dritte Nacht. Am Sonntagabend haben Unbekannte wiederum Schüsse auf einen Polizeiwagen abgefeuert. Verletzt wurde niemand. Lokale Medien beschrieben die Lage als angespannt. Die Polizei war im ganzen Arbeiterquartier La Villeneuve omnipräsent und zeigte sich auch im Rest der Stadt. Sie machte Personenkontrollen, die von Jugendlichen argwöhnisch beobachtet wurden.

Die Ausschreitungen hatten am Freitagabend begonnen, nachdem sich rund 40 Jugendliche im Stadtteil Villeneuve zu einem Gebet für Karim Boudouda eingefunden hatten. Der 27-Jährige hatte am Donnerstag mit einem Komplizen ein Casino nahe Grenoble ausgeraubt. Als die beiden Diebe von der Polizei gestoppt wurden, schossen sie der Staatsanwaltschaft zufolge «mindestens drei Mal» auf die Polizisten. Diese erwiderten das Feuer und trafen Boudouda tödlich am Kopf.

Dutzende von Autos angezündet

Nach dem Gebet am Freitag eskalierte die Lage: Randalierer schlugen mit Stöcken auf ein Tram und auf mehrere Bushäuschen ein. Rund 60 Autos sowie Baufahrzeuge und zwei Geschäfte wurden in Brand gesteckt. In der Nacht wurde aus der Menge der Demonstranten ein Schuss in Richtung der Polizisten abgegeben, die Beamten erwiderten das Feuer, um die Menge auseinanderzutreiben. Auch im weiteren Verlauf der Nacht wurde auf Polizisten geschossen, verletzt wurde niemand.

Am Sonntag wurden vier Männer festgenommen, die die Schüsse abgegeben haben sollen. Bei einem von ihnen wurde der Polizei zufolge eine Handfeuerwaffe gefunden. Innenminister Hortefeux machte sich am Samstagnachmittag selbst vor Ort ein Bild. Dabei versprach er, «die öffentliche Ordnung und die staatliche Autorität» schnellstmöglich und «mit allen Mitteln» wiederherzustellen.

«Öffentliche Ordnung schnell wiederherstellen»

«Wir werden schnell reagieren. Wenn ich schnell sage, heisst das sofort», sagte Hortefeux. Er habe den Präfekten aufgefordert, alle erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um das Viertel sicher zu machen. Auch in der Nacht zum Sonntag kam es dann aber trotz eines massiven Aufgebots von mehr als 300 Polizeibeamten erneut zu Ausschreitungen, die Nacht verlief aber deutlich ruhiger als die Nacht auf Samstag. 15 Autos wurden in Brand gesetzt. Erneut wurde mehrfach auf Polizisten geschossen, verletzt wurde auch hier niemand. Neben den mutmasslichen Schützen wurden elf weitere Verdächtige festgenommen. Die erhöhte Polizeipräsenz soll bis am Mittwochmorgen aufrecht erhalten werden.

In einem Gespräch mit der Lokalzeitung «Le Dauphiné libéré» hatte die Mutter des Getöteten nach der ersten Krawallnacht zur Ruhe aufgerufen. Am Sonntag kündigte sie in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP wegen des Todes ihres Sohns rechtliche Schritte an. «Die Polizisten haben Mist gebaut. Ich werde den Staatsanwalt sehen und ich werde Anzeige erstatten.» Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ergab eine Untersuchung der Gendarmerie, dass die Polizisten in Selbstverteidigung handelten.

Wie in Paris vor fünf Jahren

Die Vorfälle weckten Erinnerungen an die Unruhen in mehreren französischen Vorstädten vor fünf Jahren. Anlass war damals der Tod von zwei Jugendlichen im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois, die sich auf der Flucht vor der Polizei in einem Transformatorenhäuschen versteckten und dort durch Stromschläge starben.

SDA/se

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