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«Dieses Resultat übertrifft unsere Erwartungen bei weitem»

Joachim Son-Forget, Macrons Mann in der Schweiz, ist hocherfreut, dass Frankreichs Zivilgesellschaft an die Staatsspitze zurückdrängt.

Der Optimismus zahlt sich aus: Die Bewegung von Emmanuel Macron nimmt die erste Hürde problemlos. (11. Juni 2017)
Der Optimismus zahlt sich aus: Die Bewegung von Emmanuel Macron nimmt die erste Hürde problemlos. (11. Juni 2017)
Christophe Petit Tesson, AFP
Nur bedingt zufrieden: Die Rechtspopulistin Marine Le Pen zieht in die zweite Runde der Parlamentswahl ein.
Nur bedingt zufrieden: Die Rechtspopulistin Marine Le Pen zieht in die zweite Runde der Parlamentswahl ein.
Thibault Vandermersch, Keystone
Eine absolute Mehrheit würde Macrons Arbeit erleichtern.
Eine absolute Mehrheit würde Macrons Arbeit erleichtern.
Christophe Petit Tesson, Keystone
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Frankreichs Präsident Emmanuel Mac­ron ist fast am Ziel. Nach seiner Wahl an die Staatsspitze dürfte seine Bewegung La République en Marche auch die Parlamentswahlen gewinnen und sich in der Assemblée Générale eine komfortable Mehrheit sichern. Joachim Son-Forget, Macrons Mann in der Schweiz und selbst Kandidat für die Nationalversammlung, sah im Resultat «die Bestätigung für Macrons Wahl und das Vertrauen in seine Regierung».

Angesichts der prognostizierten über 30 Prozent Wahlanteil geht Son-Forget davon aus, dass die Bewegung nach der Stichwahl am kommenden Sonntag weit über 400 der insgesamt 577 Parlamentssitze besetzen wird. «Dieses Resultat übertrifft unsere Erwartungen bei weitem», freute sich Son-Forget. Nun müsse man «demütig bleiben» und versuchen, für den zweiten Wahlgang mehr Wähler zu mobilisieren. Gerade in der Schweiz empfand Son-Forget die Wahlbeteiligung als zu tief.

Dass Macrons Bewegung den französischen Politbetrieb auf den Kopf stellt, ist für Joachim Son-Forget angesichts der Stimmung in Frankreich eine logische Entwicklung. In seiner eigenen Seinsweise sieht er einen Schlüssel, Mac­rons Bewegung zu verstehen.

Parlamentswahl in Frankreich: Macron-Lager gewinnt erste Runde. (Video: Tamedia/AFP)

Triumph für Macron – Niederlage für Etablierte Die Franzosen wählen heute die Nationalversammlung. Das Lager von Emmanuel Macron hat die erste Runde klar für sich entschieden.

Parlamentswahl in Frankreich: Macron-Lager gewinnt erste Runde. (Video: Tamedia/AFP) Der erst 34-jährige Wahlgenfer erhielt von den Auslandfranzosen in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein rund 65 Prozent der Stimmen. Gewonnen ist für Son-Forget damit noch nichts. Die Stimmbeteiligung in der Schweiz lag mit 20,7 Prozent deutlich unter dem Mindestquorum von 25 Prozent. Das heisst: Die Stichwahl von kommendem Sonntag entscheidet, wer den «Schweizer» Sitz im Palais Bourbon bekommt. Son-Forget steht der Zürcher Republikanerin und Amtsinhaberin Claudine Schmid gegenüber, die im ersten Wahlgang rund 16 Prozent der Stimmen auf sich vereinte.

Ärger über Postenschacher

Wie so viele Mitglieder von En Marche schloss sich der 34-Jährige einst einer anderen Partei an. Bei den letzten Parlamentswahlen war er Mitglied in Frankreichs SP. Dort gefiel es ihm nicht. «Die Leute waren nur an Ämtern interessiert. Die eigene politische Haltung und jene der Partei waren unwichtig. Es gab kein parteipolitisches Konzept», erinnert er sich. Auch Diskussionen im Freundeskreis gaben ihm zu denken. «Leute, die links denken, wollen mit den Rechten nichts zu tun haben, und umgekehrt», kritisiert er. In sozial und wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die Frankreich durchlebt, brauche es mehr als Postenschacher und Links-rechts-Denken. Die Zivilgesellschaft, Vertreterinnen und Vertreter aller Gesellschaftsschichten, müsse wieder das Sagen haben.

Emmanuel Macron sei ein Vertreter der Zivilgesellschaft, betont Son-Forget. Er hat Macron letztes Jahr getroffen und sich mit ihm ausgetauscht. Er sagt: Wenn Macron, wie letzte Woche, mit Bürgern telefoniere, um sich mit ihnen über ihr Alltagsleben zu unterhalten, sei das nicht gekünstelt. Genau so funktioniere Macron. Er rede mit allen und jedem. Dies habe er im Präsidentschaftswahlkampf vorgemacht, und er tue dasselbe im Amt. «Er vertritt Populäres, tut dies aber nicht populistisch», schwärmt Son-Forget.

Die Offenheit von Macrons Bewegung

Tatsächlich engagieren sich in Mac­rons Bewegung La République en Marche Berufsleute wie Lehrer, Feuerwehrmänner, Pflegefachpersonen, Kinesiologen, ein Fotograf, ein Coiffeur und sogar eine Stierkämpferin, und dennoch ist sie mit Vertretern einer gesellschaftlichen und intellektuellen Elite durchsetzt. Son-Forget ist ein Elitevertreter. Er studierte Medizin und kognitive Wissenschaften, doktorierte in Neurowissenschaften an der ETH Lausanne und arbeitet als auf das Gehirn spezialisierter Radiologe am Universitätsspital Lausanne und gilt als begnadeter Cembalist.

Son-Forget will sich nicht überhöhen. Er sagt: «Ich war lange mit dem Skateboard unterwegs, spielte in Jazz-Bars Klavier und arbeitete zur Finanzierung meines Studiums als Pflegehelfer im Spital und in Industriebetrieben.» Da habe er Dinge gelernt, die er an der Universität nie erfahren hätte. Lesen sei schon wichtig, aber vieles lehre einen eben nur das Leben selbst. Diese Offenheit sei ihm geblieben. Seine gesellschaftlichen Kontakte gingen heute in alle Richtungen, so der 34-Jährige.

Genau diese Offenheit mache Mac­rons Bewegung aus. Niemand betreibe Politik aus Eigennutz. Seine Wahlkampfleiterin habe ebenfalls zu den Parlamentswahlen antreten wollen, sei im Auswahlverfahren aber gescheitert. Heute stehe sie in seiner Kampagne voll hinter ihm, betont der 34-Jährige. Das zeige: Macrons Leuten gehe es um mehr als den persönlichen Profit.

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