«Dieser Angriff auf Polizisten muss geahndet werden»

Nachdem afrikanische Asylbewerber Polizisten bedrohten, haben diese mit einem Grosseinsatz reagiert. Politiker begrüssten das resolute Vorgehen.

Polizei entdeckt gesuchten Togolesen bei Razzia in Ellwangen. (Video: Reuters/Tamedia)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das schwäbische Ellwangen ist normalerweise ein beschauliches Städtchen, doch am frühen Donnerstagmorgen fuhren auf einmal Dutzende Polizeitransporter auf, denen Hunderte von Polizisten und bewaffnete Spezialkräfte entstiegen. Ihr Ziel: die Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in einer ehemaligen Kaserne der Bundeswehr – und eine Demonstration der Stärke.

Vier Kollegen hatten in der Nacht auf Montag am selben Ort versucht, einen 23-jährigen Asylbewerber festzunehmen, um ihn nach Italien zurückzuschaffen. Gemäss den Dublin-Regeln sei Italien für sein Asylgesuch zuständig, nicht Deutschland, erklärten die Behörden. Der Mann widersetzte sich nicht, verzögerte aber seine Festnahme so lange, bis sich 150 bis 200 Asylbewerber mit ihm solidarisierten.

Der Mob schlug auf die Streifenwagen ein und drohte den Beamten mit Gewalt, sodass diese den Togoer wieder freigaben, mitsamt dem Schlüssel für die Handschellen. Wenn sie wiederkämen, riefen die renitenten Flüchtlinge den Ordnungshütern noch hinterher, werde es «nicht mehr so glimpflich ausgehen wie diesmal».

12 Verletzte beim Grosseinsatz

Als die Polizei am Donnerstag hundertfach wiederkam, war es mit dem Widerstand schnell vorbei. Zwei Dutzend Asylbewerber setzten sich gegen die Razzia zur Wehr, mehrere sprangen aus den Fenstern, um sich der Festnahme zu entziehen – freilich vergeblich. Auch der gesuchte Togoer wurde in Gewahrsam genommen. Wie drei Tage zuvor leistete er selber keinen Widerstand.

Nach Angaben der Polizei wurden beim Einsatz elf Asylbewerber und ein Polizist leicht verletzt. 17 Afrikaner, die als Unruhestifter schon zuvor aufgefallen waren, wurden getrennt und in andere Unterkünfte verbracht.


Flüchtling im Haus Elf Monate wohnt ein junger Flüchtling aus Syrien bei uns. Wir sind erschöpft. Er will nicht ausziehen. Protokoll einer Hilfsaktion, die an der Realität scheiterte. (Abo+)


Die Polizeileitung rechtfertigte den Grosseinsatz mit den ergangenen Drohungen und mit Hinweisen, die Asylbewerber wollten sich bewaffnen, um künftigen Abschiebungen mit noch mehr Gewalt entgegenzutreten. Allerdings wurden beim Einsatz keinerlei Waffen sichergestellt, dafür eine kleine Menge Diebesgut und bei 18 Männern Bargeld über den erlaubten 350 Euro.

«Angriff auf Polizisten muss geahndet werden»

Parteien von rechts bis links zeigten sich empört über die Militanz der Asylbewerber und begrüssten das resolute Vorgehen der Polizei. Die Taten müssten mit aller Härte und Konsequenz verfolgt werden, sagte Innenminister Horst Seehofer in Berlin. «Das, was dort geschehen ist, ist ein Schlag ins Gesicht der rechtstreuen Bevölkerung.» Das Gastrecht dürfe nicht auf diese Art und Weise mit Füssen getreten werden.

Der zuständige baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen sagte: «Jeder Mensch muss sich in unserem Rechtsstaat an Recht und Gesetz halten. Wir dulden keine rechtsfreien Räume. Und dieser Angriff auf Polizisten muss geahndet werden.»

CSU-Chef Seehofer ist als neuer Innenminister mit dem erklärten Vorsatz angetreten, abgelehnte Asylbewerber häufiger und entschiedener auszuschaffen als frühere Regierungen. Zehntausende von illegalen Einwanderern müssten Deutschland eigentlich verlassen, aber nur bei einem kleinen Teil von ihnen kommt es tatsächlich dazu. Oftmals widersetzen sich die Betroffenen, häufig sind Abschiebungen nicht möglich, weil sich die Herkunftsländer weigern, Asylbewerber zurückzunehmen.

Manche links-grün regierte Bundesländer gehen bei Abschiebungen auch mit betont wenig Eifer vor. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2018, 21:30 Uhr

Artikel zum Thema

Flüchtlinge verhindern gewaltsam Abschiebung eines Togolesen

Im deutschen Ellwangen hat ein Vorfall für einen Grosseinsatz der Polizei gesorgt. Seehofer sieht das Gastrecht «mit Füssen getreten». Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Kommentare

Blogs

KulturStattBern Bild mit Ton: Sinus940
Zum Runden Leder Wir sind die Fans!

Die Welt in Bildern

Keine ruhige Fahrt: Möwen fliegen über einen Mann, der am frühen Morgen in Neu Dehli mit seinem Boot über den Fluss gleitet. (21. November 2018)
(Bild: Anushree Fadnavis) Mehr...