Zum Hauptinhalt springen

Die seltsamen Geschichten hinter der Krise

Schummelei beim Haushaltsdefizit, absichtliche HIV-Infektionen und längst verstorbene Rentenbezüger: Ob wahr oder erfunden, die griechische Krise bringt wunderliche Geschichten hervor.

Die HIV-Rate ist in Griechenland in die Höhe geschossen: Obdachloser schläft nahe eines mobilen Aids-Hilfecenters in Athen. (31. Oktober 2011)
Die HIV-Rate ist in Griechenland in die Höhe geschossen: Obdachloser schläft nahe eines mobilen Aids-Hilfecenters in Athen. (31. Oktober 2011)
Reuters

Gegen den Chef des griechischen Statistik-Amtes ist eine Strafuntersuchung eröffnet worden. Laut den Vorwürfen soll Andreas Georgiu das Ausmass der griechischen Finanzprobleme übertrieben und damit den Interessen des Landes geschadet haben, schreibt die «Financial Times» (Zugriff kostenpflichtig).

Georgiu war 2010 zum Chef der neu geschaffenen Statistik-Behörde Elstat ernannt worden. Diese sollte die offiziellen Daten zur griechischen Wirtschaft mit den Standards der EU-Behörde Eurostat in Einklang bringen. «Gegen mich wird ermittelt, weil ich die Bilanzen nicht frisieren wollte», sagt der langjährige ehemalige IWF-Ökonom Georgiu zur «Financial Times». «Wir wären gerne eine gute, langweilige Behörde, die ihren Job macht. Leider ist Statistik in Griechenland ein Kampfsport.»

Informationen von Insider

Unter Georgiu war das griechische Haushaltsdefizit nach oben korrigiert worden: Von 13,4 Prozent auf 15,8 Prozent des BIP. Der Staatsanwalt stützt seine Untersuchung auf die Vorwürfe eines ehemaligen hochrangigen Elstat-Beamten, der mit anderen von Finanzminister Evangelos Venizelos dieses Jahr gefeuert wurde. Laut dem Insider habe Georgius Behörde die Defizitzahlen aufgeblasen, um Griechenland zur Umsetzung massiver Sparpakete zu zwingen.

Die anscheinend massiven griechischen Staatsschulden dominieren seit Monaten Politik, Medien und Märkte – sollten sie tatsächlich zu hoch ausgewiesen worden sein? Abgesehen von den unvorhersehbaren europapolitischen Wendungen, die eine solche Erkenntnis zur Folge hätte: Besonders tragisch wäre sie für jene Gruppe von Griechen, die kürzlich in den Medien die Runde machten.

Absichtliche HIV-Infektion

Laut einem Bericht des Magazins «Focus» «stecken sich offenbar Menschen absichtlich mit dem HIV-Virus an, um Sozialhilfe zu erhalten». Das Magazin beruft sich auf die Aussagen von «Ärzten und Seuchenexperten» vor Ort.

So hätten sich etwa dem Epidemiologen und Klinikdirektor des Athener Rotkreuz-Krankenhauses Marios Lazanas «mehrere Patienten offenbart und ihre finanzielle Not als Grund für eine bewusste Infektion genannt». Im Gegensatz zu Arbeitslosen, die sich laut «Focus» unabhängig von ihrem früheren Einkommen mit rund 460 Euro (knapp 570 Franken) begnügen müssen, erhalten HIV-Positive zusätzlich zu den Medikamenten monatlich etwa 700 Euro – bis ans Lebensende.

Vor allem unter Drogenabhängigen sei die Praxis verbreitet, so eine weitere Expertin. Die Zahlen scheinen die These zu belegen: 2010 seien bis Oktober 190 Neuinfizierte registriert worden. Im gesamten Vorjahr seien es dagegen nur gerade 14 Fälle gewesen. Auch unter anderen Bevölkerungsgruppen sei die Infektionsrate um 50 Prozent angestiegen, schreibt «Focus».

Phantomrentner beziehen Milliarden

Über solche Strategien – sollten sie denn tatsächlich zutreffen – mussten sich die Hinterbliebenen von Tausenden Pensionären nicht den Kopf zerbrechen. Sie sollen nach dem Ableben ihrer Angehörigen deren Renten weiterhin bezogen haben, wie unter anderem die «Berliner Morgenpost» meldet.

An fast 21'000 Phantomrentner soll der Staat auch Jahre nach dem Tod Renten ausgerichtet haben. Laut einem von «Spiegel online» zitierten Versicherungsexperten könnte der kollektive Betrug der griechische Rentenversicherung einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe beigebracht haben. Misstrauisch wurden die Behörden durch eine Rentnerzählung, auf die sich knapp 21'000 als Rentner registrierte Personen noch nicht gemeldet hätten. Die Meldefrist läuft noch bis Ende Jahr – danach werden an Verschollene keine Renten mehr ausbezahlt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch