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Die Pioniere des Atomausstiegs rüsten wieder auf

Es war eines der ersten Länder, das die Abkehr von der Kernkraft beschlossen hat. Jetzt macht Schweden eine Kehrtwende – aus Umweltgründen.

«Stimmt Nein»: Zwei Greenpeace-Aktivistinnen versuchen am Donnerstag vor dem schwedischen Parlament, den Wiedereinstieg in die Atomenergie zu verhindern.
«Stimmt Nein»: Zwei Greenpeace-Aktivistinnen versuchen am Donnerstag vor dem schwedischen Parlament, den Wiedereinstieg in die Atomenergie zu verhindern.

Schweden vollzieht eine Kehrtwende in der Atompolitik. Der Reichstag hat grünes Licht für den Neubau von Atomreaktoren gegeben - sofern sie eine stillgelegte Anlage ersetzen. Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hat sich im Parlament knapp durchgesetzt.

Der Entscheid fiel am Donnerstag mit 174 gegen 172 Stimmen. Das bürgerliche Regierungslager hinter Reinfeldt wollte das seit 30 Jahren geltende Verbot von Neubauten aufheben. Neue Reaktoren dürfen aber nur als Ersatz nach der Stilllegung einer bestehenden Anlage gebaut werden.

Umweltminister Andreas Carlgren sagte: «Es ist okay mit den Protesten gegen die Atomkraft, aber man muss auch erklären, was zur Verminderung der klimaschädlichen Stoffe getan werden soll.»

Linke hoffen auf Wahlerfolg

Während Reinfeldts Konservative, die liberale Volkspartei und die Christdemokraten geschlossen für die Wiederzulassung von Reaktor- Neubauten stimmten, gab es Abweichler bei Abgeordneten des bäuerlichen Zentrums. Diese Partei gehört traditionell zum Lager der Atomkraftgegner.

Die sozialdemokratische Oppositionschefin Mona Sahlin will einen möglichen Pro-Atomkraft-Beschluss wieder aufheben, wenn sie die Wahlen im September zusammen mit den Grünen und der Linkspartei gewinnt. In einer Erklärung dieser Parteien hiess es: «Die Atomkraft soll in Übereinstimmung mit Erfordernissen des Arbeitsmarktes stufenweise so heruntergefahren werden, wie sie durch erneuerbare Energie und effektivere Energienutzung ersetzt werden kann.»

Derzeit werden 50 Prozent des schwedischen Energiebedarfs von zehn Reaktoren in den drei Atomkraftwerken Forsmark, Ringhals, und Oskarshamn gedeckt. Bei etwaigen Ersatzbauten müssen private Betreiber nach den Vorstellungen der Reinfeldt-Regierung alle Kosten selbst tragen. Nach einer Volksabstimmung über den Ausstieg aus der Atomkraft 1980 hatte der Reichstag jeden Neubau von neuen Anlagen ausdrücklich verboten.

SDA/oku

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