Die ganze Geschichte

Die omnipräsente britische Starmoderatorin Laura Kuenssberg eckt an.

Die 41-jährige Schottin Laura Kuenssberg ist ein Star in der BBC, sie ist überall und immer auf Sendung. Foto: Jeff Spicer (Getty Images)

Die 41-jährige Schottin Laura Kuenssberg ist ein Star in der BBC, sie ist überall und immer auf Sendung. Foto: Jeff Spicer (Getty Images)

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Wenn Laura Kuenssberg mehrere Tweets am Stück über britische Innenpolitik absetzt, während sie auf einer Dienstreise mit der Premierministerin im fernen China ist, dann ist Vorsicht geboten. Eigentlich ging es bei der Visite nur um Handelspolitik.

Theresa May erklärte selbstbewusst, sie arbeite im fernen Asien schon mal für das erneuerte, globale Grossbritannien, das nach dem Brexit entstehen soll. Kuenssberg aber reichte das nicht, sie blieb hartnäckig, wie sie es immer ist, und ging May damit gehörig auf die Nerven. Und weil sie innenpolitische Chefreporterin bei der BBC ist (und übrigens die erste Frau in dieser Position), schaute sie auch aus China nach London, während May, so die Reporterin, am liebsten «die Finger in die Ohren steckt, um nicht zu hören», wer daheim gegen sie Intrigen spinne.

May weigere sich, zuzugeben, twitterte Kuenssberg also, dass sie eine klare Entscheidung über ihren Brexit-Kurs fällen müsse. Sie tue wenig, um den erbitterten Streit zwischen den politischen Lagern daheim zu schlichten. Obwohl Partei und Kabinett immer aggressiver an ihrem Stuhl rüttelten, sei sie nicht bereit für eine offene Debatte. Sollte May gemeint haben, sie könne ihre Probleme für ein paar Tage hinter sich lassen, hätte sie Kuenssberg nicht mit nach China nehmen dürfen.

Ein Kollege hat den Begriff «Kuenssbergovision» als Synonym für Television geprägt.

Die 41-jährige Schottin ist ein Star in der BBC, sie ist überall und immer auf Sendung, im Radio, in den Fernsehnachrichten, sie hat einen eigenen Blog auf der BBC-Website, sie schläft anscheinend nie. Ein Kollege hat den Begriff «Kuenssbergovision» als Synonym für Television geprägt, weil die toughe Blondine omnipräsent ist.

Ihre Gegner werfen Kuenssberg Voreingenommenheit vor – allerdings nicht nur gegen May, sondern vor allem gegen den linken Labour-Chef Jeremy Corbyn. Radikale Anhänger des Sozialisten fanden, die BBC-Korrespondentin zeige ihre Abneigung gegen den auch in der eigenen Partei umstrittenen Parteichef auf dem Schirm zu deutlich. Ihre Mailbox quoll über von irren Beschimpfungen, die die zunehmende Polarisierung in dem gespaltenen Land spiegeln. Auf dem Labour-Parteitag im vergangenen Jahr brauchte sie einen Leibwächter.

Laura Kuenssberg stammt aus einer prominenten und erfolgreichen Familie: Die zwei Grossväter waren Präsident der Ärztekammer beziehungsweise Verfassungsrichter, ihr Vater reiste als Topmanager durch die Welt, eine Schwester ist Diplomatin. Sie selbst hat Geschichte in Edinburgh studiert, dann eine Journalismusausbildung in den USA gemacht und eine steile Karriere hingelegt – erst bei der BBC in Glasgow, dann als Moderatorin in London; für eine Weile wechselte sie zum Sender ITV und kehrte wieder zur BBC zurück. Auf Twitter sieht man, warum sie Journalistin geworden ist: 140 Buchstaben, schreibt sie dort, «erzählen nie die ganze Geschichte».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.02.2018, 19:30 Uhr

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