Die Erben von Jörg Haider gestürzt

Im österrreichischen Bundesland Kärnten hatte die FPK bis jetzt eine solide Mehrheit. Nun wurde die Partei des verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider abgestraft.

Muss in Kärnten eine empfindliche Niederlage einstecken: Gerhard Dörfler, stellvertretender Parteivorsitzender der FPK.

Muss in Kärnten eine empfindliche Niederlage einstecken: Gerhard Dörfler, stellvertretender Parteivorsitzender der FPK.

(Bild: Keystone)

Der jahrelange Erfolg der Rechtspopulisten in Österreich ist mit den Wahlniederlagen in Kärnten und Niederösterreich erstmals gestoppt. Vor allem gegen den Milliardär Frank Stronach fehlt ihnen eine Strategie.

Das sonst so strahlende Siegerlächeln und der hochgereckte Daumen von Bundes-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache blieben diesmal aus. Denn die Österreicher haben der erfolgsverwöhnten rechten Partei gestern Sonntag gleich eine doppelte «Watschn» verpasst: In ihrer Hochburg Kärnten verliert die Schwesterpartei FPK mit historischen Verlusten die Macht an die Sozialdemokraten. Und auch in Niederösterreich ging es für die FPÖ bergab. Das seit Jahren gepflegte Sieger-Image ist damit erstmal weg.

Rechtspopulistische Erfolgsrezepte

Statt wie geplant ein halbes Jahr vor der Bundeswahl am Kanzleranspruch zu arbeiten, muss sich Strache nun gleich um zwei Baustellen kümmern: Neben den demontierten Jörg-Haider-Erben in Kärnten macht auch ein Newcomer den Rechten Sorgen, der Populist und Milliardär Stronach. Der 80-jährige Gründer des Autoteilezulieferers Magna war in beiden Bundesländern erstmals mit seinem «Team Stronach», viel Geld und wenig klaren Inhalten angetreten. Und etwa jeder Zehnte stimmte für ihn.

«In erster Linie kommen die Stimmen schon von der FPÖ», sagt der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier im ORF. Die Partei hat es verpasst, eine Strategie gegen den populistischen Störenfried zu entwickeln. Mit EU-Skepsis und erklärtem Anders-Sein greift Stronach rechtspopulistische Erfolgsrezepte auf.

«Beinharter Anti-Ausländer-Wahlkampf»

«Der Stronach-Wähler ist ein frustrierter Protest-Wähler, der erst an Jörg Haider, dann an Heinz-Christian Strache geglaubt hat - und nun spricht die enttäuschten Arbeiter und Selbstständigen eben Stronach an», schreibt die Zeitung «Standard». Dass der 80-Jährige in Interviews eher wirr auftritt, sich öffentlichen Diskussionen verweigert und die Hälfte der Zeit aus Steuergründen gar nicht in Österreich ist, hat ihm bisher nicht geschadet.

Einzig bei der Ausländer- und Islamhetze überlässt das «Team Stronach» den Rechten das Feld. Und dieses Thema wird die FPÖ bei den nächsten Wahlen in Salzburg, Tirol und im Herbst im Bund intensiv zur Abgrenzung nutzen, sind sich Beobachter einig. «Es wird ein beinharter Anti-Ausländer-Wahlkampf», prognostiziert die Chefredaktorin der Zeitung «Standard», Alexandra Föderl-Schmid, im ORF.

FPK-Chef zurückgetreten

Die Reaktion auf das Wahldebakel gleicht bei den Rechten bisher eher einem Eiertanz: Drückte Strache am Wochenende den Kärntner Freiheitlichen auf Facebook noch virtuell die Daumen, forderte er nach dem Ergebnis deren Eingliederung in die Bundespartei.

«Leider kann ich mich nicht klonen und in allen Ländern gleichzeitig als Landesobmann und Landeskandidat antreten. Es gibt regionale Verantwortlichkeiten», distanzierte Strache sich. Am gleichen Tag musste FPK-Chef Kurt Scheuch zurücktreten.

Um Stronach beizukommen, setzen die Rechten erstmal auf Verschwörungstheorien: «Wobei ich schon glaube, dass dieses Team Stronach willentlich oder unwillentlich sowas wie ein Werkzeug des politisch-medialen Establishments in Österreich darstellt», sagt FPÖ-EU-Parlamentarier Andreas Mölzer im ORF. Und Strache orakelt bei Facebook über den 80-Jährigen: «Als wäre er ein System-Wunschprodukt von Rot-Schwarz!»

mrs/bru/sda

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