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Die eigene Frau rührt Steinbrück zu Tränen

Mit einem solchen Gefühlsausbruch rechneten wohl die wenigsten: Am Parteitag der deutschen SPD zeigte Peer Steinbrück Gefühle. Doch nicht nur seine Frau stärkte dem Kanzlerkandidaten den Rücken.

Der Wortgewandte brachte kurzzeitig kein Wort heraus: Peer Steinbrück am Parteitag der deutschen SPD. (16. Juni 2013)

Peer Steinbrück mit Tränen in den Augen auf offener Bühne: Dass der gemeinsame öffentliche Auftritt des SPD-Kanzlerkandidaten mit seiner Frau Gertrud ein Höhepunkt des Parteitags am Sonntag in Berlin war, entsprach durchaus den Erwartungen der Delegierten; mit einem solchen Gefühlsausbruch hatte der Frontmann der Sozialdemokraten aber wohl selbst am wenigsten gerechnet. «Vielen Dank, Peer, dass wir auch diesen Einblick in dich und deine Seele hier haben durften», griff Parteichef Sigmar Gabriel in seinem Schlusswort die kurze Szene auf.

Insgesamt war das Podiumsgespräch mit Gertrud und Peer Steinbrück – ihr erster derartiger Bühnenauftritt seit der Kür ihres Mannes zum Kandidaten – eher locker und heiter. Freimütig erzählte sie, wie sie von der Entscheidung für die Kanzlerkandidatur aus den Nachrichten erfahren habe, «auf jeden Fall nicht direkt von Peer».

Eigener Beruf im Zentrum

Generell präsentierte sich Gertrud Steinbrück selbstbewusst und unabhängig. «Sollte ich jetzt vielleicht zu Hause sitzen und mich fragen: Passt meine Garderobe zu seinem Job?» Sie stellte klar, dass für sie ihr eigener Beruf als Gymnasiallehrerin im Zentrum steht. Auch ausserhalb der Halle kam sie dabei sympathisch herüber. «Wir wählen dem Peer seine Frau ihren Mann», zitierte Gabriel spontane Twitter-Botschaften.

Doch auch der Kanzlerkandidat ging aus sich heraus, plauderte über Städtetrips am Wochenende mit seinen Kindern und seine verkaterte Stimmung, als er seiner späteren Frau 1973 im VW-Bus mit Freunden unterwegs ins Skicamp erstmals begegnete. «Ich habe nicht gedacht, dass wir hier so viel erfahren und auch lachen können», sagte Parteivize Manuela Schwesig.

Steinbrück kamen die Tränen

Dann aber wurde Gertrud Steinbrück ernst: «Ich halte es nicht aus, wenn ich sehe, dass eigentlich nur das aus ihm herausgefiltert werden soll, was negative Gefühle auslöst», kritisierte sie Medienberichte über ihren Mann. Dabei wisse sie doch von ihm, dass er vor allem «was bewegen» wolle.

Bei diesen Worten kamen Peer Steinbrück die Tränen. Als sich Moderatorin Bettina Böttinger an ihn wenden wollte, brachte er kurzzeitig kein Wort heraus. Spontan erhoben sich die rund 200 Delegierten im Berliner Tempodrom und spendeten stehenden Applaus. Böttinger richtete schnell eine belanglose Frage an Gertrud Steinbrück, bis sich der Kandidat wieder gefangen hatte.

Gabriel weist Differenzen zurück

Gabriel zeigte sich berührt: «Wir haben jemanden gesehen, der tief beeindruckt ist davon, was mit und aus ihm versucht wird zu machen.» Gerade ihm war zuvor noch im «Spiegel» ein gespanntes Verhältnis zum Kanzlerkandidaten attestiert worden, der ihn zu grösserer Loyalität gemahnt haben soll.

Der Parteichef wies die Darstellung ernster Differenzen zurück. «Gelegentlich gibt es auch Reibereien», gab er zwar zu, doch: «Es gibt zwischen uns keine Streitereien.» Demonstrativ Seite an Seite waren zuvor beide zu Fuss von der nahen Parteizentrale zum Tempodrom gegangen.

Wir stehen zusammen

Fast in den Hintergrund angesichts der menschelnden Worte und Gesten traten die inhaltlichen Schwerpunkte des insgesamt nicht einmal vierstündigen Konvents. In einem einmütig angenommenen Leitantrag wurden die SPD-Forderungen nach gebührenfreien Kitas für alle, gesetzlichem Mindestlohn und auskömmlicher Rente noch einmal zugespitzt, ebenso die geplante Finanzierung durch höhere Steuern für Reiche.

«Wenn es drauf ankommt, dann stehen wir zusammen und dann gewinnen wir in diesem Land auch die Wahlen», stimmte Gabriel seine Partei zum Abschluss auf Wahlkampfmodus ein. Eine eigene Sichtweise hatte hierzu wiederum Gertrud Steinbrück: «Ich versuche, das Ding so zu fahren, dass wir diese hundert Tage durchstehen», erntete sie einen weiteren Heiterkeitserfolg in der Halle.

AFP/mw

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