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Deutschland feiert sich selbst

Vor 25 Jahren wurde vor dem Reichstag in Berlin die Flagge der Deutschen Einheit gehisst. Am heutigen Jubiläum erinnerten prominente Redner an aktuelle Krisen.

Vor 25 Jahren, am 3. Oktober 1990, hat sich Deutschland nach 41 Jahren zu einem Land wiedervereinigt.
Vor 25 Jahren, am 3. Oktober 1990, hat sich Deutschland nach 41 Jahren zu einem Land wiedervereinigt.
Rainer Jensen, AFP
Das 25-Jahr-Jubliäum feiert Deutschland mit einem grossen Fest wie hier in Berlin beim Brandenburger Tor.
Das 25-Jahr-Jubliäum feiert Deutschland mit einem grossen Fest wie hier in Berlin beim Brandenburger Tor.
Sean Gallup/Getty Images
Vor einem Jahr, im November 2014, feierte Deutschland 25 Jahre Mauerfall.
Vor einem Jahr, im November 2014, feierte Deutschland 25 Jahre Mauerfall.
Pilick/Pedersen/Zinken
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Vom historischen Glücksfall zum Vorbild für die Gegenwart: Die Feiern zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit standen im Zeichen der Flüchtlingskrise. Bundespräsident Joachim Gauck schlug wie auch andere Politiker beim zentralen Festakt in Frankfurt am Main den Bogen von der Wiedervereinigung zur Bewältigung der aktuellen Probleme. «Wie 1990 erwartet uns eine Herausforderung, die Generationen beschäftigen wird», sagte Gauck in seiner Rede. Er äusserte Verständnis für Ängste in der Bevölkerung angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen. Es spüre wohl fast jeder, wie sich in die grosse Hilfsbereitschaft der Menschen auch Sorge schleiche, «wie das menschliche Bedürfnis, Bedrängten zu helfen, von der Angst vor der Grösse der Aufgabe begleitet wird».

Der Präsident rief zu Zuversicht, aber auch zum klaren Bekenntnis zu demokratischen Werten auf. Aus den Erfahrungen seiner jüngeren Geschichte müsse sich Deutschland den «Geist der Zuversicht» bewahren, sagte Gauck. «Wir sind die, die sich etwas zutrauen.» Zugleich machte der Bundespräsident die anstehenden Schwierigkeiten deutlich: Diesmal solle zusammenwachsen, was bisher nicht zusammen gehört habe.

Wichtig sei in einer vielfältigen Gesellschaft daher vor allem eine «gemeinsame Wertegrundlage», betonte Gauck. «Unsere Werte stehen nicht zur Disposition.» Ausdrücklich nannte er beispielsweise die Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen sowie die Ablehnung von Antisemitismus.

Die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Jubiläum der Deutschen Einheit. (Video: Reuters)

Auch Merkel sagte kurz vor Beginn des Festaktes: «Das Thema der Flüchtlinge beschäftigt uns in diesen Tagen besonders.» Sie verwies ebenfalls auf Parallelen zum Prozess der Wiedervereinigung: Die Schwierigkeiten liessen sich jeweils nur «gemeinsam in Europa und weltweit» lösen.

Beim Festakt in der Alten Oper begrüsste Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) unter anderem 50 DDR-Bürgerrechtler sowie eine Gruppe von Flüchtlingen. Unter den Gästen war neben Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker auch der frühere Aussenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), der die Einheit mitverhandelt hatte.

Ostmentalität vs. Westmentalität

Bouffier lobte die historische Leistung der deutschen Einheit und sagte weiter: «Unsere Erfahrung aus der gelingenden Wiedervereinigung und den vergangenen 25 Jahren zeigt, dass wir die Kraft haben, Herausforderungen zu meistern.»

Begonnen hatten die Feierlichkeiten mit einem ökumenischen Gottesdienst im Frankfurter Kaiserdom. Auch hier ging es unter dem Titel «Liebe überwindet Grenzen» unter anderem um das Thema Flüchtlinge. «Wer liebt, sieht im anderen Menschen nicht den Fremden, sondern die Schwester, den Bruder - auf Liebe angewiesen wie ich selbst», sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung.

Die 16-Uhr-Ausgabe der «Heute Nachrichten» von ZDF berichtet am 3. Oktober 1990 über die Wiedervereinigungsfeier um Mitternacht in Berlin. (Video: Youtube/1976baerchen)

Die Rückschau auf 25 Jahre Einheit fiel nicht ausschliesslich positiv aus. Gauck hielt in seiner Rede fest, dass besonders die Ostdeutschen auch viele Härten hätten durchleben müssen. Die Angleichung der Lebensverhältnisse und der Mentalitäten zwischen Ost und West sei noch nicht abgeschlossen und eine Aufgabe für Generationen.

Es habe nicht nur andauernden Erfolg und immerwährendes Wachstum gegeben, erklärte auch Iris Gleicke, Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Es dürften nicht diejenigen vergessen werden, die vor 25 Jahren hoffnungsvoll und mit grossen Träumen in die neue Gesellschaft gestartet seien und dann bittere und zum Teil demütigende Niederlagen erlebt hätten.

Die zentralen Feiern zum 3. Oktober fanden in Frankfurt am Main statt, weil das Bundesland Hessen turnusmässig den Vorsitz im Bundesrat inne hat. Auf den Strassen der Finanzmetropole versammelten hunderttausende Besucher zum Volksfest unter dem Motto «Grenzen überwinden».

AFP/thu

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