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Der Verteidiger des französischen Frankreich

François Fillon soll als Präsidentschaftskandidat der Konservativen den Populismus stoppen.

Der vom Himmel geschickte Retter: François Fillon. Foto: Reuters
Der vom Himmel geschickte Retter: François Fillon. Foto: Reuters

François Fillon hat seinen Wahlkampf vor bald drei Jahren begonnen, aber niemand schien es bemerkt zu haben. Er galt als «Mister Nobody», als der ewige dritte, wenn nicht vierte, als der «unsichtbare Mann». Innert einer Woche ist alles anders. Der Sieger der konservativen Vorwahlen hat Chancen, im Mai in den Elysée-Palast einzuziehen, womöglich nach einem Sieg gegen die Rechts­populistin Marine Le Pen.

Mit einem Mal erscheint nun Fillon wie der Mann der Vorsehung, l’homme providentiel, der vom Himmel geschickte Retter. Eine Figur, derer sich viele in Frankreich entledigen wollen, nach der sich die Gesellschaft aber ­offensichtlich immer noch sehnt.

In einer geheimnisvollen Metamorphose hat Fillon (62) in den letzten ­Wochen an Statur gewonnen und wirkt nun wie der natürliche Kandidat der Konservativen. Neben dem blassen und zehn Jahre älteren Alain Juppé, gegen den er die Vorwahlen der Konservativen gewann, ist Fillon ­jeweils bereits wie der Präsident auf­getreten. Er antwortet klar, mit einsichtigen Formeln: Entbürokratisieren. Schocktherapie. Konservative Revolution. Fillon steht für eine echte, ernst­ zu nehmende, eine rechte Rechte, keine verwässerte, ins politische Zentrum gerückte. Konservativismus klassisch. Zugleich steht er für ein erzkonservatives, katholisches Frankreich, das mächtiger ist, als es die Pariser Mainstreammedien wahrhaben wollen.

Der Beweis, dass die Rechte nicht tot ist

«Zu Hilfe, Jesus kommt wieder!», ­titelte die linke Tageszeitung «Libération», deren Frontseite ein Rosenkranz zierte. Fillon fordert kulturelle Integration, ja, Assimilation: «Ich verlange, dass sich Ausländer, die sich in unserem Land niederlassen, integrieren und anpassen und unser kulturelles Erbe respektieren.»

Nach dem Brexit und der Wahl ­Donald Trumps könnte Frankreich somit den Beweis dafür liefern, dass die Rechte nicht tot ist; dass sie moralischer Korruption, Verschwörungstheorien und der mit Vulgarität ­gepaarten Irrationalität etwas Starkes entgegensetzen kann. Fillons Erfolg ist der Beweis dafür, dass die Konservativen den Populismus stoppen können.

Fillon hat nicht nur die besten Chancen, Le Pen im Mai zu schlagen. Sein Wahlsieg könnte den Front National auch nachhaltig schwächen. Denn so wie es die traditionelle bis reaktionäre und die verwässerte Rechte gibt, sind auch beim FN zwei Strömungen präsent: die gesellschaftspolitisch moderne von Marine Le Pen und die katholisch-traditionelle ihrer Nichte Marion Maréchal-Le Pen. Bisher galt die These: Ein Scheitern Marine Le Pens bei den Präsidentschaftswahlen 2017 stärkt die alte, reaktionäre, mit anderen Worten väterliche Linie des FN und macht Marion zur natürlichen Kandidatin für die Wahlen 2022.

Wirkt die Schocktherapie?

Ein Sieg Fillons würde dieses Kalkül aus den Angeln heben, weil er genau dieselben Schichten, dieselben Verlustängste einer katholisch geprägten Identität bedient. «Was treibt Fillon an?», fragte ihn jüngst ein Journalist der Zeitung «Figaro». «Die Verteidigung des französischen Frankreich», lautete seine Antwort. Klarer geht es nicht.

Frankreichs Konservative gehen zurück zu den Wurzeln, das ist überraschend. Es ist, als hätte die Angst vor der schlechten Alternative zwischen einer Rechtspopulistin Le Pen und den verbrauchten Gesichtern der Gegenwart – Nicolas Sarkozy und François Hollande – zu einem Quantensprung geführt.

Wenn Fillon den FN übertrumpfen will, muss seine Wirtschaftsreform fruchten – und zwar schnell. Vor allem darf sie nicht auf Kosten der «kleinen Leute» gehen. Es müsste ihm gelingen, den abgehängten Mittelschichtlern wieder aufzuhelfen. Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte wird allerdings vor allem diejenigen schmerzen, die jetzt schon am wenigsten haben.

Noch ist Fillon nicht Präsident. Seine Schocktherapie mit harten wirtschaftlichen Reformen ist nur Ankündigung. Abzuwarten bleibt auch, ob er sich mit seinen gesellschaftspolitischen Vorschlägen durchsetzen kann. Er will zwar das hoch symbolische Gesetz zur Homo-Ehe nicht umstossen, aber dafür sorgen, dass homosexuelle Paare nicht ohne weiteres Kinder adoptieren dürfen. Die Zahl der Beamten will Fillon nicht nur um 500'000 reduzieren. Er verlangt von ihnen auch, künftig 39 statt 35 Stunden ohne Gehaltsausgleich zu arbeiten.

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