Der Businessman, der die Rebellen anführen will

Denis Puschilin wird – von Russlands Gnaden – neuer Chef des Rebellengebiets um Donezk in der Ukraine.

Steht schon vor der Wahl als Sieger fest: Denis Puschilin. Foto: Reuters

Steht schon vor der Wahl als Sieger fest: Denis Puschilin. Foto: Reuters

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Er tut, was Politiker so tun im Wahlkampf: Er besucht die Donezker Kühlschrankfabrik, trifft sich mit Akademikern, drückt einem Soldaten den Schlüssel für eine Dreizimmerwohnung in die Hand und erhöht den Rentnern die Zahlungen um zehn Prozent.

Doch in Tat und Wahrheit geht es in Donezk weder um eine Wahl noch um einen Kampf: Die ernsthaften Herausforderer von Denis Puschilin wurden bereits aussortiert und nicht zur Wahl zugelassen. Und von Wahl kann sowieso keine Rede sein: Niemand wird den Urnengang am Sonntag anerkennen, bei dem in den ostukrainischen Rebellengebieten Donezk und Luhansk «Präsident» und «Parlament» gewählt werden. Ausser Russland, dessen Kandidat Puschilin ist.

Ende August wurde der bisherige Herrscher der Volksrepublik Donezk, wie die prorussischen Rebellen ihr Herrschaftsgebilde nennen, bei einem Anschlag auf ein Café mitten in der Stadt getötet. Wer hinter dem Mord an Alexander Sachartschenko steckt, ist bis heute unklar. Vielen war der Mann ein Dorn im Auge: den Ukrainern, die ihn persönlich für die Kämpfe im Osten verantwortlich machten; den Russen, denen er zu eigensinnig war; und den eigenen Leuten, weil er nur einigen wenigen Zugriff auf «seine» Republik und deren Reichtümer gewährte.

Seit der ersten Stunde war er bei dem Aufstand dabei

In einem überraschenden Manöver wurden nach seinem Tod seine Gefolgsleute ausgebootet und Puschilin zum Interimspräsidenten gemacht, offensichtlich auf direkten Druck des Kremls. Ein Berater des in Moskau für die Ostukraine zuständigen Wladislaw Surkow bezeichnete die Riege um Sachartschenko als Diebe, die Ordnung müsse nun wiederhergestellt werden in Donezk. Und der Mann, der das tun soll, ist eben Puschilin. Seit der ersten Stunde war er bei dem Aufstand dabei, am Anfang gab er sogar schon einmal kurz den Chef. Bei den Friedensverhandlungen in Minsk redete er mit, und zu Hause diente er als «Parlamentspräsident».

Doch der 37-Jährige hat keinen militärischen Leistungsausweis, was für einen faktischen Rebellenführer ein grosses Defizit ist. Während Sachartschenko meist in Uniform auftrat und bei Kämpfen mehrmals verletzt wurde, gibt der immer etwas abwesend wirkende Puschilin gern den Zivilisten und kommt in Anzug und Krawatte daher. Laut Beobachtern vor Ort macht ihn das nicht gerade populär.

Im Team eines Betrügers

Und der Kandidat hat auch sonst wenig vorzuweisen: Das Studium hat er abgebrochen. Er versuchte sich als Businessman und arbeitete dann für den russischen Betrüger Sergei Mawrodi, der mit einem Schneeballsystem Millionen Menschen in der ehemaligen Sowjetunion um ihr Geld gebracht hat: Mawrodi versprach den Menschen absurd hohe Zinsen für ihr Erspartes, die er jeweils vom neu eingelegten Geld bezahlte – bis die Pyramide zusammenbrach und das Geld der Anleger verloren war.

Mawrodi wurde in Russland wegen Betrugs verurteilt, der angerichtete Schaden betrug über 100 Millionen Franken. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis zog er das System in der Ukraine neu auf und gründete dort sogar eine Partei. Und Puschilin war mit dabei. Danach lief er dann mit wehenden Fahnen zu den Separatisten über und träumte davon, dass er von Donezk aus über die ganze Ostukraine herrschen würde.

«Wir sind Russen, und wir gewinnen!», steht heute als Slogan auf seiner Website. Die «Wahl» vom Sonntag wird er ohne Zweifel gewinnen, seine vier offiziellen Herausforderer sind völlig unbekannte Leute. Doch das Sagen wird er nicht haben im Rebellenland. Puschilin verfügt nicht wie einst Sachartschenko über eigene Kämpfer, was diesem eine gewisse Unabhängigkeit von Moskau verschafft hatte. Auch den Zugriff auf die Wirtschaft und das Vermögen der Republik hat er nicht, weil Sachartschenkos engste Gefolgsleute Bergbau und Fabriken kontrollieren. Und weil Puschilin eben auch beim Volk nicht beliebt ist, kann er seine Macht einzig auf Moskau bauen.

Was genau er als Russlands Vollstrecker tun muss, ausser den Status quo zu halten, ist noch unklar. Vermutlich wird der Kreml damit warten bis März, wenn die Ukraine einen (vermutlich neuen) Präsidenten gewählt hat.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 10.11.2018, 14:02 Uhr

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