Der Mann steht ihr im Weg

Die rumänische Muslimin Sevil Shhaideh scheitert kurz vor dem Ziel.

Möglicherweise ist gar nicht die Ministerin selbst das Problem, sondern ihr Mann. Foto: Alex Micsik/ Epa

Möglicherweise ist gar nicht die Ministerin selbst das Problem, sondern ihr Mann. Foto: Alex Micsik/ Epa

Bernhard Odehnal@BernhardOdehnal

Sie hätte zur ersten Frau an der Spitze einer rumänischen Regierung aufsteigen können. Zur ersten muslimischen Regierungschefin in der EU. Doch die Ernennung von Sevil Shhaideh bleibt im Konjunktiv stecken. In einer knappen Erklärung lehnt Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis den Vorschlag der Sozialdemokraten ab, Shhaideh mit der Bildung der nächsten Regierung zu betrauen.

Die 52-jährige ehemalige Ministerin für regionale Entwicklung wird also nicht Ministerpräsidentin, trotzdem steht sie im Mittelpunkt des Medieninteresses und politischer Spekulationen: Hat sie der Präsident aufgrund ihres muslimischen Glaubens abgelehnt? Gibt es andere Gründe? Hätte Shhaidehs Ernennung die politische Krise in Rumänien verschärft, statt sie zu lösen? Möglicherweise ist gar nicht die Ministerin selbst das Problem, sondern ihr Mann: Akram Shhaideh stammt aus Syrien und soll dem Regime von Präsident Bashar al-Assad sehr nahe stehen. Mit Sevil ist er seit 2011 verheiratet.

Liberale Muslimin

Sevil Shhaideh wurde in der rumänischen Hafenstadt Constanta geboren und stammt aus der kleinen Minderheit der muslimischen Tataren, die im 18. Jahrhundert vor den Russen von der Krim ins damalige Osmanische Reich geflohen waren. Nach dem Wirtschaftsstudium war sie in der Verwaltung tätig und schloss sich der Sozialdemokratischen Partei (PSD) an. 2012 wurde sie Staatssekretärin unter dem Minister und späteren Parteichef Liviu Dragnea, 2015 stieg sie selbst zur Ministerin auf. Den Eid leistete sie damals auf den Koran. Sie praktiziert einen liberalen Islam, mit Kopftuch tritt sie nicht auf.

Die PDS gewann diesen Dezember die Parlamentswahlen klar. Präsident Johannis wollte den PDS-Spitzenkandidaten Dragnea jedoch nicht mit der Bildung der Regierung beauftragen, weil dieser wegen Wahlfälschung rechtskräftig verurteilt worden war. Dragnea schlug deshalb seine frühere Stellvertreterin Shhaideh vor. Warum Johannis auch sie ablehnt, bleibt sein Geheimnis. Begründet hat er den Entscheid nicht. Mit dem Glauben der Kandidatin dürfte dies aber nichts zu tun haben; eher schon mit der Befürchtung, Shhaideh könnte nur Platzhalterin für den verurteilten Parteichef sein und früher oder später zu dessen Gunsten zurücktreten.

Kontakte zu Assad-Regime

Noch mehr wird in rumänischen Medien über die Rolle des Ehemanns spekuliert. Akram Shhaideh soll 22 Jahre lang im syrischen Landwirtschaftsministerium des Assad-Regimes gearbeitet haben. Bis zuletzt soll er sich auf Facebook sehr positiv über Assad, dessen Krieg und die Hizbollah-Miliz geäussert haben. Als «Semi-Terrorist» bezeichnet ihn eine Bukarester Tageszeitung. Sevil Shhaideh hat sich zu all diesen Vorwürfen gegen ihren Mann nicht geäussert. Ihr Parteichef will jetzt den Streit mit Präsident Johannis eskalieren lassen – und kündigt ein Amtsenthebungsverfahren an.

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