Der Lieblingsflüchtling der AfD

Der Syrer Kevork Almassian arbeitet für einen radikalen AfD-Bundestagsabgeordneten. Das überrascht, passt aber bestens. Auch weil er gegen Flüchtlinge hetzt.

Ein syrischer Flüchtling wirbt für die AfD. Video: «Kontraste»/RBB/ARD
Vincenzo Capodici@V_Capodici

Würde die AfD ihre eigenen Grundsätze ernst nehmen, müsste sie die Abschiebung von Kevork Almassian fordern. Denn der Syrer ist ein Wirtschaftsflüchtling, wie er selbst einräumt. Und er könnte nach Syrien zurückkehren, umso mehr als er ein Anhänger von Präsident Bashar al-Assad ist. Almassian möchte aber in Deutschland bleiben. Und er will Deutscher werden. «Wenn ich hier noch zwei Jahre arbeite, habe ich das Recht, mich um eine deutsche Staatsbürgerschaft zu bewerben», sagt der Syrer in einem Beitrag der ARD-Sendung «Kontraste», die am Donnerstag ausgestrahlt wurde.

Die AfD hat offensichtlich eine spezielle Willkommenskultur, denn Almassian ist wohl gelitten bei der flüchtlingsfeindlichen Partei. Der Syrer arbeitet im Bundestags-Büro des radikalen AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier. Und er tritt bei Veranstaltungen der Rechtspartei auf. Bei Wahlkampfanlässen erzählte Almassian Dinge, die bei der AfD gerne gehört werden. So hetzte der Syrer gegen andere Flüchtlinge. «Die Flüchtlinge sind eine Massenvernichtungswaffe gegen Europa», sagte er zum Beispiel bei einem AfD-Anlass. Oder auch: «Integration ist eine Illusion.»

Almassian reiste in die Schweiz, stellte aber kein Asylgesuch

Der angebliche Flüchtling, der gar nicht in Deutschland leben dürfte, dient der AfD als Kronzeuge für ihre Propaganda. «Die AfD unterdrückt weder mich noch meine Meinung», sagt Almassian. «Die anderen geben mir nicht die Chance zu sprechen.» Einen Auftritt hatte er auch an einer von AfD-Kreisen organisierten Konferenz zum Erhalt christlich-europäischer Werte. Almassians Familie ist christlichen Glaubens und armenischer Volkszugehörigkeit. Familienangehörige sollen in Aleppo Opfer islamistischer Gewalt worden sein. Almassian floh zunächst in den Libanon.

Gleichgesinnte beim Biertrinken: AfD-Politiker Markus Frohnmaier und Kevork Almassian. Quelle: Screenshot Facebook

Almassian ist im Oktober 2015 nach Deutschland gekommen, via Beirut und Zürich. In der Schweiz hatte er an einer Konferenz über den Syrien-Krieg teilgenommen. Damals arbeitete der Syrer im Libanon als Journalist für Medien, die der Hizbollah nahestehen. Zudem machte er politische Analysen für Unternehmen. Gemäss den Dublin-Regeln hätte der Syrer in der Schweiz seinen Asylantrag stellen müssen. Mit dem Bus reiste er aber nach Deutschland. Nach zehn Tagen bat er in Freiburg um Asyl.

Warum Deutschland und nicht die Schweiz? «Das System und die Lebensweise in Deutschland, das passt zu mir», behauptet Almassian im TV-Beitrag. Er habe zudem einen Onkel in Hamburg und kenne einige Leute in Deutschland. Allerdings gab es wohl einen anderen Grund für seine Wahl: Almassian hatte schon lange vor seinem Asylantrag in Freiburg Kontakte zu rechten Kreisen in Deutschland. Vor allem konnte er auf die Hilfe von AfD-Politiker Frohnmaier zählen. Dieser ist einer der bekanntesten Exponenten der AfD von Baden-Württemberg.

Almassian soll Frohnmaier im Mai 2015 im Donbass kennen gelernt haben, wie eine Recherche des deutschen Newsportals T-Online zeigt. Frohnmaier, der ein bekennender Putin-Fan ist, traf den späteren Flüchtling aus Syrien bei einer Konferenz in der selbst ernannten Volksrepublik Donezk der prorussischen Separatisten.

Assad-Propaganda in den sozialen Medien

In Frohnmaiers Bundestags-Büro ist der Syrer als Experte für Social-Media-Aktivitäten tätig. Auch als Privatperson ist er sehr aktiv in den sozialen Medien: So ist er auf Twitter, Facebook, Instagram und Youtube präsent. Auf Youtube betreibt Almassian den englischsprachigen Kanal «Syriana Analysis», einen «alternativen Kanal, um Syrien zu verstehen». Was er auf Youtube macht, ist nichts anderes als Propaganda für Syriens Diktator Assad. Erst vor wenigen Wochen sah er sich veranlasst, seine politische Position auf Twitter klarzumachen. So unterstütze er die syrische Armee, er sei radikal in seiner Liebe für Syrien und im Hass für die Revolution, und er habe Assad gewählt.

Das Assad-Regime ist gut: Kevork Almassian auf Twitter.

Im deutschen Asylverfahren ist Almassian nach eigenen Angaben als Flüchtling mit befristetem Aufenthalt anerkannt worden. Und er hofft, dass er im kommenden Juni die unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommt. Zuvor muss er noch den C1-Sprachtest erfolgreich absolvieren. Seine Postings auf Instagram zeigen, dass er den Karneval, Weihnachtsmärkte und deutsche Autos mag. Assimilation, Sprachkenntnisse, Job: Almassian ist ein Vorzeigeflüchtling. Und ein Flüchtling, der sogar der AfD gefällt.

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