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Der Horror kehrt zurück

Der schlimmste Anschlag seit dem Londoner Kings-Cross-Massaker von 2005 trifft Manchester. Ein Überblick unseres Korrespondenten.

Bei der Explosion nach dem Konzert wurden auch Kinder und Jugendliche getötet: Ein junger Fan von Ariana Grande steht mit Polizisten vor der Manchester Arena. Foto: Oli Scarff (AFP)
Bei der Explosion nach dem Konzert wurden auch Kinder und Jugendliche getötet: Ein junger Fan von Ariana Grande steht mit Polizisten vor der Manchester Arena. Foto: Oli Scarff (AFP)

Beim blutigsten Terror-Anschlag in Grossbritannien seit zwölf Jahren sind in der Nacht auf heute bei einem Popkonzert in Manchester zwei Dutzend Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche, getötet worden. 59 Personen wurden als verletzt gemeldet. Viele davon schweben noch in Lebensgefahr.

Der Anschlag scheint von einem einzelnen Täter, offenbar einem Selbstmord-Bomber, verübt worden zu sein, der sich zum Ende des Konzerts vor dem Foyer der Manchester Arena postiert hatte. Die zweitgrösste Veranstaltungshalle Europas fasst 21'000 Besucher. Als die Bombe gegen halb elf Uhr Ortszeit hoch ging, hatte die junge US-Sängerin Ariana Grande ihr Konzert gerade beendet.

Das Konzert findet auf dem Cricketgelände von Old Trafford statt: Die Vorbereitungen sind im Gange. (1. Juni 2017)
Das Konzert findet auf dem Cricketgelände von Old Trafford statt: Die Vorbereitungen sind im Gange. (1. Juni 2017)
Danny Lawson, Keystone
Drei Verdächtige sind wieder frei: Bewaffnete Spezialeinheit der britischen Polizei an einem Bahnhof in London. (25. Mai 2017)
Drei Verdächtige sind wieder frei: Bewaffnete Spezialeinheit der britischen Polizei an einem Bahnhof in London. (25. Mai 2017)
Yui Mok, Keystone
Die Polizei meldete zunächst einen «schwerwiegenden Vorfall» an einem Konzert von Ariana Grande. (Archivbild)
Die Polizei meldete zunächst einen «schwerwiegenden Vorfall» an einem Konzert von Ariana Grande. (Archivbild)
Chris Pizzello, Keystone
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Der Anschlag löste Panik in der riesigen Halle aus. Kinder wurden von ihren Eltern getrennt, Teenager liefen schreiend zu den Ausgängen. Anfangs herrschte komplettes Durcheinander. Einige Konzert-Besucher glaubten noch, dass ein Teil der Lautsprecheranlage explodiert sei.

Umgeworfen und gegen Wände geschleudert

Augenzeugen aus dem Eingangsbereich der Halle berichteten aber bald schon, sie seien vom Druck der Explosion umgeworfen und gegen Wände geschleudert worden. Dutzende junger und älterer Besucher der Show lagen wenig später schwer verwundet oder bereits leblos am Boden.

Viele Konzertbesucher berichteten, sie hätten einen einzelnen «lauten Knall» gehört, als die Lichter in der Halle unmittelbar nach Ende der Show wieder angegangen waren. Die dem Foyer am nächsten waren, sahen Rauch und nahmen einen scharfen Geruch wahr, «als ob es brennt».

Nach dem Knall herrscht Panik: Eine Konzertbesucherin hat den Moment der Explosion gefilmt.

«Regelrechte Panik» sei ausgebrochen, als erst einmal klar wurde, dass es sich um eine Bombe gehandelt haben könnte, meldeten alle. In der Folge kamen Verletzte aus der Halle gestolpert, während sofort angerückte Mitarbeiter der Rettungsdienste am Ort der Explosion sich um die zu Boden geworfenen Opfer und um die Sterbenden und Toten kümmerten.

400 Polizisten am Tatort

Eine ganze Flotte von Rettungswagen war schon kurz nach Bekanntwerden des Anschlags zur Manchester Arena ausgerückt. 400 Polizisten waren in der Nacht am Tatort im Einsatz. Der gesamte Bereich wurde abgeriegelt. In einem an die Halle angrenzenden Bahnhof wurde der Bahnverkehr gestoppt und dann ganz eingestellt.

Premierministerin Theresa May rief für Dienstagmorgen eine Notstands-Sitzung des Katastrophenrates «Cobra» in Downing Street ein. Der Wahlkampf – es sind nur noch gut zwei Wochen bis zu den Unterhauswahlen am 8.Juni – wurde mit dem Einverständnis aller Parteien für mindestens 24 Stunden ausgesetzt.

May erklärte: «Wir sind dabei, die vollen Details eines Vorgangs zu ermitteln, der von der Polizei als ein scheusslicher Terroranschlag eingestuft wird. Wir sind in Gedanken bei den Opfern und bei den Familien der Betroffenen.»

Der Terror-Level im Land liegt bei «severe».

Der Anschlag ist der schlimmste seit dem Londoner Kings-Cross-Massaker von 2005, bei dem 52 Personen von einem Quartett islamistischer Terroristen getötet und Hunderte verletzt wurden. Seit jenem Anschlag hat man viele Sicherheitsvorkehrungen im Land, gerade auch für öffentliche Veranstaltungen, verstärkt.

Seit Jahren schon wird von Polizei und Geheimdiensten die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags auf dem Gebiet des Vereinigten Königreichs als «äusserst hoch» bezeichnet. Der Terror-Level liegt bei «severe» (ernst). Erst vor zwei Monaten waren bei einem Anschlag in Westminster vier Menschen getötet worden.

Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Video: Tamedia

Den Anschlag von Manchester legt die Polizei fürs erste ebenfalls einem einzelnen Täter zur Last. «Wir glauben, dass der Angreifer eine improvisierte Explosiv-Vorrichtung bei sich hatte, mit deren Detonation er dieses Unheil anrichtete», hiess es aus dem Poliziepräsidium in Manchester. Die Untersuchungen zu diesem Fall halten an.

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