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Der Ex-Rapper, vor dem sich Deutschland fürchtet

Der ehemalige Musiker Deso Dogg ruft als islamistischer Prediger junge Muslime zum Jihad auf. Beim Attentat auf US-Soldaten am Flughafen Frankfurt soll er eine Rolle gespielt haben.

Deso Dogg war einst ein beliebter Rapper in Deutschland und ist heute so etwas wie ein Staatsfeind: Seit er eine radikale Wende in seinem Leben vollzogen hat, warnen die deutschen Behörden vor ihm und seinen Botschaften. Ende 2010 beendete der im Berliner Stadtteil Kreuzberg geborene Rapper seine Karriere und wurde unter dem Namen Abou Maleeq als islamischer Prediger aktiv. Seither beschäftigt er die deutsche Öffentlichkeit in regelmässigen Abständen. Im Juli etwa, als er ein Loblied auf den getöteten Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden sang.

Oder jüngst im Zusammenhang mit dem Prozess gegen den Todesschützen Arid U. Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft dem kosovarisch-serbischen Staatsangehörigen vor, am 2. März dieses Jahres am Flughafen zwei US-Soldaten mit gezielten Kopfschüssen getötet zu haben. Zwei weitere habe er beim Versuch weiterer Morde lebensgefährlich verletzt.

Sympathie für den Attentäter

Der 21-jährige Arid U. hegte offenbar Sympathien zum islamistischen Berliner Ex-Rapper Deso Dogg, er soll während der Tat sogar dessen hetzerische Musik auf seinem iPod abgespielt haben. Für die deutschen Sicherheitsbehörden ist all dies keine Überraschung. Sie hatten schon vor dem Vorfall befürchtet, dass Deso Dogg, der mit bürgerlichem Namen Denis Mamadou Cusper heisst, mit seinen Hassreden irgendwann zu einer Bluttat wie dieser anstiften würde. Seit der 35-jährige ghanaischstämmige Mann als Prediger durchs Land zieht, beobachten ihn die Behörden genau: 2011 erhob die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn wegen illegalen Waffenbesitzes. Bei Hausdurchsuchungen hatten die Ermittler Munition und Waffen gefunden.

Mit seiner – wenn auch nur indirekten – Rolle beim Attentat auf die US-Soldaten am Frankfurter Flughafen ist Deso Dogg alias Abou Maleeq nun auch in den USA zu einer bekannten Person geworden. Zum Prozessbeginn gegen den Attentäter widmete gar die «New York Times» dem Ex-Rapper ein Porträt. Dieser negiert zwar Kontakte zum Todesschützen Arid U., zeigt gegenüber der amerikanischen Zeitung aber Sympathien für den Täter: «Mein Bruder hat nicht Zivilisten getötet», sagt er. «Er hat Soldaten getötet, die auf dem Weg waren, Muslime zu töten.»

«Ich musste mein Leben ändern»

Mit solchen Worten versucht der Ex-Rapper, Jugendliche zu beeinflussen. Und auch seine eigene Biografie soll jungen Menschen in Deutschland ein Vorbild sein. Deso Dogg alias Abou Maleeq spricht gerne davon, wie er, einst ein «böser Junge», auf den richtigen Weg und zum richtigen Glauben gekommen sei. Tatsächlich hatte der Berliner eine schlechte Jugend: Er verkehrte in kriminellen Milieus und war ein Gangmitglied, wurde wegen kleineren Delikten verhaftet, sass im Gefängnis, später in einer psychiatrischen Klinik.

Der junge Mann fing mit Musik an und wusste offenbar doch nie so genau, wohin ihn das Leben führen würde. «In meiner damaligen Situation wusste keiner, ob ich am nächsten Tag wieder im Knast bin oder tot in der Ecke liegen würde. Wenn ich was erreichen wollte, musste ich mein Leben ändern», sagte er einmal. Sein Leben hat er nun geändert, und die Mehrheit der Deutschen hat es mit Besorgnis zur Kenntnis genommen.

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