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«Defensiv, banal, stotternd»: Viel Häme nach Hollandes TV-Auftritt

Er war zu der TV-Sendung angetreten, um zu beweisen, dass er sein Land aus der Krise führen kann. Doch statt des erhofften Befreiungsschlags sei der präsidiale Auftritt ein Eigentor gewesen, urteilen Kommentatoren.

Seine Krisenpolitik bezeichnete er als «Werkzeugkasten»: Der französische Präsident Hollande studiert vor der Aufzeichnung noch einmal seine Unterlagen. (28. März 2013)
Seine Krisenpolitik bezeichnete er als «Werkzeugkasten»: Der französische Präsident Hollande studiert vor der Aufzeichnung noch einmal seine Unterlagen. (28. März 2013)
Reuters

Es hätte ein Befreiungsschlag werden können für François Hollande, den durch verheerende Umfragewerte und ebenso schlechte Wirtschaftszahlen gebeutelten französischen Präsidenten. Doch bei seinem grossen Fernsehauftritt gestern Donnerstagabend blieb der Staatschef über lange Strecken auffällig in der Defensive.

«Ein bisschen zu technokratisch» seien die Aussagen Hollandes zu Arbeitslosigkeit, Wachstum und Finanzen gewesen, gestand selbst sein Umfeld im Elysée-Palast heute Freitag ein. Opposition und Medien aber sparten nicht mit teils bitterbösen Kommentaren.

Angekündigt war der erste Fernsehauftritt Hollandes seit seiner Neujahrsansprache als sachliche Erläuterung seines viel gescholtenen Regierungskurses. Keine spektakulären Ankündigungen, keine Kehrtwende.

Laut Elysée-Palast sollte es vielmehr darum gehen, die verunsicherten Franzosen zu beruhigen und ihnen zu vermitteln, dass ihr Präsident weiss, wie er das Land aus der Krise führen kann. Doch vor den durchschnittlich fast acht Millionen Zuschauern von France 2 wirkte Hollande anfangs eher «stotternd», wie die Leitartiklerin der renommierten Zeitung «Le Monde», Françoise Fressoz, analysierte. Erst am Ende sei er überzeugender gewesen.

Hollande spricht von Kampf

Der sozialistische Präsident, der aus dem äussersten linken Lager inzwischen genauso scharf attackiert wird wie von den Konservativen, hielt sich zu Beginn der Sendung nicht lange mit der Analyse der Krise auf, mit der er seit seinem Amtsantritt vor zehn Monaten konfrontiert ist.

Er habe «klarsichtig» sofort die Instrumente beschliessen lassen, die Wachstum schaffen und Arbeitslosigkeit verringern sollen. Die ständig steigende Arbeitslosenkurve bis Jahresende umzudrehen, sei kein «Wunsch», sondern ein «Kampf». Die Massnahmen müssten nun eben wirken: «Ich bin seit zehn Monaten Präsident, nicht seit zehn Jahren.»

Hohn und Spott

Dass Hollande für seine Krisenpolitik mehrfach den Begriff «Werkzeugkasten» gebrauchte, brachte ihm Hohn und Spott ein. «Was ist der Präsident der Republik denn jetzt? Jemand in einer Werkstatt, der eine Karosserie repariert?», stichelte der konservative Oppositionsführer Jean-François Copé.

Vom Staatschef würden «eine Vision, ein Anschub, eine strategische Linie» erwartet. Die linke Opposition hieb in dieselbe Kerbe. «Der Elysée-Karren steckt fest», urteilte Jean-Luc Mélenchon von der Linkspartei.

Auch in der Presse bezog Hollande von links bis rechts Prügel. Die den Sozialisten nahestende Zeitung «Libération» nannte den Auftritt «häufig fade, fast banal» – der ironische Titel lautete «Bis jetzt geht alles schlecht». Der konservative «Figaro» spöttelte, der Staatschef habe erläutert, «dass eine Politik, die nicht funktioniert, eines Tages, wer weiss, funktionieren kann».

Keine Trendwende

Die Meinungsforschungsinstitute Ifop und Ipsos erwarteten denn auch nicht, dass sich die dramatisch schlechten Beliebtheitswerte von Hollande nach dem Fernsehauftritt zum Positiven wenden. Halten doch nur noch 22 Prozent der Franzosen den 58-Jährigen für einen «guten Präsidenten», wie eine CSA-Umfrage diese Woche ergab.

Zuletzt unterstützten nur noch rund ein Drittel der Franzosen seinen Kurs. Damit hat der Sozialist die schlechtesten Zustimmungswerte, die ein französischer Präsident je so kurz nach seinem Amtsantritt bekam.

Hollande ist indes dafür bekannt, dass er nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen ist. Er werde «nicht beim ersten Sturm den Kurs ändern», versicherte ein sichtlich selbstbewusster auftretender Staatschef gegen Ende der Sendung.

An den Ergebnissen gemessen

Auch mit solchem Hollande-Bashing habe er schon genug Erfahrung. Hatten doch selbst Parteifreund über Jahre auf ihn eingedroschen und ihm nicht zugetraut, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen. Und so liess Hollande seine Kritiker kühl wissen: «An den Ergebnissen wird man gemessen.»

(SDA)

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