Das Worst-Case-Szenario beim harten Brexit

Der verantwortliche britische Minister gibt der Bevölkerung schon mal Tipps, falls die Verhandlungen mit der EU scheitern.

Ein Brexit ohne Deal? Die Briten bereiten sich auf den schlimmsten Fall vor. (25. März 2018)

Ein Brexit ohne Deal? Die Briten bereiten sich auf den schlimmsten Fall vor. (25. März 2018) Bild: Kirsty Wigglesworth /Keystone

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Die britische Regierung legte am Donnerstag erste Pläne für den Fall eines Scheiterns der Brexit-Gespräche vor. Demnach will sich das Land in vielen Bereichen weiterhin an EU-Regeln und Standards orientieren, um Chaos und Engpässe zu vermeiden.

Dadurch solle kurzfristig «so viel Kontinuität wie möglich» gewährleistet werden, sagte der britische Brexit-Minister Dominic Raab dem Sender BBC. London würde sich an europäische Vorschriften auch dann halten, wenn die EU kein Entgegenkommen zeige, sagte er. Ziel der Regierung von Premierministerin Theresa May sei es, das Funktionieren von Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur, Forschung und Hilfsprogrammen in jedem Fall zu gewährleisten, sagte Raab weiter.

So sollten etwa EU-Standards für Lebensmittel, Medikamente und Arbeitnehmerrechte vorübergehend weiterhin gelten, sagte der Brexit-Minister. Erst zu Beginn der Woche hatten Spitalbetreiber vor Engpässen in der Medikamentenversorgung gewarnt, sollte es zu einem chaotischen Brexit kommen.

Probleme bei Warenverkehr

Doch das wird nicht überall gelingen. Die Regierung warnt in den bislang 24 veröffentlichten Dokumenten beispielsweise Unternehmen, dass der zollfreie Warenverkehr zwischen der EU und Grossbritannien im Falle eines No-Deals endet. Neue Vorschläge, wie dann Kontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland verhindert werden sollen, gab es aber keine.

Auch bei Dienstleistungen hätte ein Brexit ohne Abkommen weitreichende Konsequenzen, wie aus den Dokumenten hervorgeht. Britische Finanzdienstleister beispielsweise hätten nicht mehr automatisch das Recht, ihre Produkte in der EU anzubieten.

Bargeldloses Bezahlen in Euro würde wahrscheinlich für britische Kunden teurer werden. Bis Ende September will London insgesamt rund 80 Papiere für den Fall eines «ungeordneten» Austritts vorlegen.

Brexit-Gespräche in der Endphase

Im Gespräch mit der BBC gab sich der Brexit-Minister jedoch weiterhin zuversichtlich, dass ein «gutes Abkommen» noch rechtzeitig zustande kommen werde. Dies habe für London «höchste» Priorität.

Die Verhandler hätten sich bereits bei 80 Prozent der Themen geeinigt, sagte Raab. Die Frage nach der künftigen Gestaltung der Grenze zwischen Grossbritannien und dem EU-Mitglied Irland sei jedoch weiterhin nicht gelöst. EU-Verhandlungsführer Michel Barnier hatte am Dienstag nach einem Treffen mit dem Briten erklärt, die Gespräche gingen nun in die «Endphase».

Die Verhandlungen sollten bis Oktober oder November abgeschlossen sein, damit die Parlamente der beteiligten Staaten die Vereinbarung noch rechtzeitig ratifizieren können. Denn: Würde Grossbritannien ohne eine Vereinbarung mit der EU ausscheiden, dürfte dies erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten. (fal/sda)

Erstellt: 23.08.2018, 18:56 Uhr

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