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Das ist Russlands Boykottliste

Putin verhängt Sanktionen gegen den Westen: Russland schränkt den Import von Nahrungsmitteln ein. Ein Eigentor? Ein Moskauer Analyst spricht von einer «Schocktherapie» für die russische Lebensmittelbranche.

Ergreift Gegenmassnahmen: Wladimir Putin. (5. August 2014)
Ergreift Gegenmassnahmen: Wladimir Putin. (5. August 2014)
ALEXEY DRUZHININ, AFP

Nach der Ankündigung weitgehender russischer Importbeschränkungen von Produkten aus der EU und den USA hat Ministerpräsident Dmitri Medwedew Einzelheiten bekannt gegeben. Es werde ein «komplettes Embargo» für Rind-, Schweine-, und Geflügelfleisch, Fisch, Käse, Milch, Gemüse und Obst aus den USA und der EU verhängt, sagte Medwedew.

Die gleichen Vorschriften beträfen auch Einfuhren aus Australien, Kanada und Norwegen, sagte er bei einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Darüber hinaus untersagt die russische Regierung Transitflüge ukrainischer Fluggesellschaften über ihr Hoheitsgebiet. Zudem erwägt Russland nach den Worten von Medwedew ein Überflugverbot für Fluggesellschaften aus den USA und der Europäischen Union auf dem Weg nach Asien.

«Äusserst schmerzhaft»

Russland habe sehr lange gar nicht geantwortet auf die Sanktionen, sagte Medwedew der Agentur Interfax zufolge. Das Land habe bis zuletzt gehofft, dass der Westen begreife, dass seine Politik in die Sackgasse führe. «Jetzt mussten wir antworten.»

Das einjährige Einfuhrverbot für Agrarprodukte aus dem Westen wird russischen Experten zufolge «äusserst schmerzhaft» für beide Seiten. Die EU verliere viele Milliarden Euro aus dem Obst- und Gemüsehandel mit Russland, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Sergei Sutyrin von der Universität St. Petersburg. Zudem müssten die USA auf einen lukrativen Markt für Rindfleisch und Geflügel verzichten.

Fluch oder Segen?

Der Moskauer Analyst Dmitri Polewoi spricht von einer «Schocktherapie» für die russische Lebensmittelbranche. «Das Verbot betrifft zehn Prozent des Agrarimports, die jetzt schnell ersetzt werden müssen», betonte er.

Russische Medien werteten die Strafmassnahmen aber auch als Chance für die heimische Industrie. «Das Verbot kann der Lebensmittelbranche endlich jenen Impuls verleihen, den sie für eine stärkere Entwicklung braucht», kommentierte die Zeitung «Wedomosti».

Dekret von Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte den massenhaften Boykott von westlichen Lebensmitteln am Vorabend in einem Dekret verfügt und die Erstellung der Liste angeordnet. Medwedew sagte, der Importstopp werde streng überwacht. Zudem solle durch Kontrollen verhindert werden, dass für die weiterverkauften Waren die Preise stiegen.

Russland hatte in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Importverbote für westliche Produkte erlassen, diese aber stets mit Gesundheitsbedenken begründet und eine Verbindung zu den scharfen Finanz- und Handelssanktionen bestritten, die die EU und die USA vergangene Woche beschlossen hatten.

Die EU hatte in der vergangenen Woche scharfe Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Die russische Regierung hatte daraufhin gestern Gegenmassnahmen angekündigt.

Instagram-Nutzer aus Russland verabschieden sich von ihren nun verbotenen Speisen:

Der Beginn ordentlicher Sanktionen. Unterstützt unsere Produzenten.

Meine letzte gekaufte Pasta. #sanktionen

AP/sda/AFP/mw/bru

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