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«Das ist eine Katastrophe»

Die EU-Finanzminister beschlossen in der Nacht, private Anleger an der Abwendung des Staatsbankrotts in Zypern zu beteiligen. Hunderte versuchten ihr Geld von der Bank zu holen, doch sie kamen zu spät.

Verunsicherte Anleger wollen ihr Geld zurück: Zyprioten stehen Schlange am Bankautomat. (16. März 2013)
Verunsicherte Anleger wollen ihr Geld zurück: Zyprioten stehen Schlange am Bankautomat. (16. März 2013)
AFP

Schock-Nachrichten zum Frühstück: Die Zyprioten erfuhren am Morgen nach dem Aufwachen, welche Kompromisse ihre Regierung in der Nacht in Brüssel für internationale Finanzhilfe eingegangen war. Alle Konten bei zyprischen Banken werden mit einer einmaligen Zwangsabgabe belegt - das trifft nicht nur reiche ausländische Anleger wie russische Oligarchen, sondern auch Rentner und andere Kleinsparer des Inselstaats.

Ein bisher einmaliger Vorgang im Kampf gegen die Euro-Krise. Im Gegenzug gewährt die Eurozone dem Land Finanzhilfen von bis zu zehn Milliarden Euro. Wer aufgeschreckt von den Neuigkeiten seine Ersparnisse retten wollte, kam schon zu spät: Die Regierung in Nikosia hatte mit Eilmassnahmen dafür gesorgt, dass der fällige Betrag blockiert wird. «Die zyprische Regierung hat bereits mit der Umsetzung begonnen», sagte das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen, als die Abgabe in der Nacht in Brüssel verkündet wurde.

Plötzlich ist das Geld weg

«Das ist eine Katastrophe», sagte ein 45-jähriger Zyprer, der am Morgen zum Abheben seiner Ersparnisse zur Bank geeilt war - allerdings zu spät. «Liebe Depotinhaber, der Zeitpunkt, um vor euren Banken Schlange zu stehen, war letzte Woche», twitterte der Brüsseler Eurokrisen-Analyst Sony Kapoor. «Jetzt hat es keinen Sinn. Eure Depots sind jetzt sehr, sehr sicher!» Wer weniger als 100'000 Euro auf dem Konto hat, muss einmalig 6,75 Prozent seines Ersparten abgeben. Kunden mit mehr Geld verlieren 9,9 Prozent.

Ein Rentner mit 100'000 Euro auf der hohen Kante hat also am Dienstag, wenn die Banken nach einem Feiertag wieder öffnen, fast 10'000 Euro weniger auf dem Konto - und das trotz einer in der gesamten EU geltenden Einlagensicherung für Guthaben für bis zu 100'000 Euro. Wenigstens habe er Einschnitte bei Löhnen und Renten verhindern können, sagte Zyperns Finanzminister Michalis Sarris. «Wir gehen auf harte Zeiten zu, und die Gürtel werden enger geschnallt.»

Reiche Ausländer betroffen

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem begründete den Beschluss mit der im Vergleich zur sonstigen Wirtschaft des Landes aussergewöhnlichen Grösse des zyprischen Bankensektors. Die Sonderabgabe zielt auch nicht vorrangig auf die Zyprer, sondern auf reiche Bankkunden aus dem Ausland - die Insel gilt als beliebte Finanzoase für wohlhabende Russen, aber etwa auch für britische Anleger.

Daher sieht Dijsselbloem in der Sondersteuer eine «gerechten Lastenverteilung». Sie soll 5,8 Milliarden Euro bringen; das ist aller Voraussicht nach bedeutend mehr, als der Internationale Währungsfonds (IWF) zur Rettung des Landes vor der Pleite beitragen wird.

SDA/kle

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