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Das Griechen-Hilfspaket ist zu klein

Die harschen Worte von Karolos Papoulias gegenüber Deutschland zeigen: In Athen liegen die Nerven blank. Und es kommt noch dicker. Offenbar sind die Probleme des Landes grösser als bisher bekannt.

Griechenland fühlt sich bevormundet: Die Akropolis in Athen.
Griechenland fühlt sich bevormundet: Die Akropolis in Athen.
Keystone

Das geplante Rettungspaket für Athen muss nachgebessert werden: Ohne Aufstockung würde die griechische Schuld bis 2020 nur auf knapp 129 Prozent der Wirtschaftskraft sinken. Das geht aus der noch geheimen Schuldenanalyse der Troika-Experten hervor, wie die Nachrichtenagentur DAPD am Donnerstag aus europäischen Diplomatenkreisen erfuhr.

Im Oktober hatten die Staats- und Regierungschefs eine Obergrenze von 120 Prozent verabredet, weil Schulden darüber hinaus als untragbar gelten. Um das Ziel noch zu erreichen, die Gesamtverschuldung von mehr als 160 Prozent Richtung 120 Prozent zu drücken, werden von den Finanzministern drei Möglichkeiten diskutiert, bestätigten mehrere EU-Diplomaten.

Drei Lösungsansätze

Zum einen könnten Gewinne der Europäischen Zentralbank aus den Griechenland-Papieren in die Rettung Athens gesteckt werden. Zweitens könnte der Zinssatz für die griechischen Notkredite weiter abgesenkt werden. Und drittens könnten die internationalen Geldgeber Zinsen von rund 5,5 Milliarden Euro übernehmen, die Griechenland im Zuge des geplanten Schuldenerlasses an seine Privatgläubiger zahlen muss.

Wie das Hilfsprogramm nachgebessert werden soll, wollen die Eurofinanzminister Anfang kommender Woche entscheiden. Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hatte sich am Mittwochabend nach einer Telefonkonferenz zuversichtlich geäussert, dass auf der Sitzung am Montag «alle notwendigen Entscheidungen» getroffen werden könnten.

Griechen fühlen sich bevormundet

Das monatelange Gezerre um Sparauflagen und verbindliche Zusagen hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Griechen fühlen sich bevormundet – insbesondere von Deutschland und den anderen reichen Euroländern. Das Boulevardblatt «Eleftheros Typos» schrieb von einer «Junta Schäuble».

Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias griff den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) scharf an. «Ich akzeptiere es als Grieche nicht, dass mein Land von Herrn Schäuble beleidigt wird», polterte der 82-Jährige.

Ein Fass ohne Boden

Seine Äusserungen fielen gestern inoffiziell während eines Mittagessens mit der Führung der Streitkräfte des Landes und wurden in ihrem Wortlaut heute in der griechischen Presse veröffentlicht.

Schäuble hatte zuvor erklärt, die Euroländer seien weiterhin bereit, das hochverschuldete Griechenland zu unterstützen. Allerdings könnten sie «nicht in ein Fass ohne Boden schütten», sagte er im SWR vor einer Telefonkonferenz der Eurofinanzminister über Griechenland.

Eine Unverschämtheit

Die griechische Kritik an Schäuble sorgt für Empörung in den Reihen der Union. «Das ist eine Unverschämtheit», sagte Christian von Stetten, Chef des Wirtschaftsflügels in der Unions-Fraktion, der Tageszeitung «Die Welt» heute. «Der griechische Staatspräsident müsste wissen: Ohne Wolfgang Schäuble wäre Griechenland schon längst zahlungsunfähig», betonte Stetten.

Der CDU-Finanzminister sei in seinem Engagement für Griechenland «an die Grenzen der physischen und psychischen Belastung gegangen, die sich ein Mensch überhaupt zumuten kann», führte Stetten weiter aus. Es handele sich um einen «ungeheuerlichen Ausfall» des griechischen Präsidenten Karolos Papoulias, sagte der CDU-Politiker.

Stetten warnte die Hellenen, es gebe eine Grenze dessen, was die deutsche Bevölkerung bereit ist, sich anzusehen und anzuhören. «An Nazi-Vergleiche in Zeitungen und brennende Deutschland-Fahnen haben wir uns gewöhnt. Beleidigungen von höchsten Regierungsstellen können wir aber nicht hinnehmen».

Der Wirtschaftspolitiker forderte von Präsident Papoulias eine «Klarstellung» und zog einen direkten Zusammenhang zu der Gewährung künftiger Hilfen an das Land: «Zahlreiche Abgeordnete, die bisher zustimmen wollten, werden nun in sich gehen und neu darüber nachdenken, ob sie den EFSF-Rettungsschirm tatsächlich auf Griechenland ausdehnen wollen.»

sda/dapd/wid

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