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Britischer Pass «Made in the EU»?

Wo wird der neue Pass der Briten gedruckt? Unter Brexit-Ideologen hat sich darum ein bizarrer Streit entwickelt.

Britische Pässe dürften vorne zwar das EU-Emblem verlieren – dafür hinten den Stempel «Made in the EU» erhalten.
Britische Pässe dürften vorne zwar das EU-Emblem verlieren – dafür hinten den Stempel «Made in the EU» erhalten.
Francois Lenoir, Reuters

Vor kurzem noch jubelten Grossbritanniens EU-Gegner über die Aussicht auf neue britische Pässe für die Post-Brexit-Ära. Die «Zeit der Demütigung» sei endlich vorbei, erklärten sie.

Anstelle des burgunderroten Einheits-Ausweises der EU wollten die Brexiteers nach ihrem Ausscheiden aus dem Staatenbund den guten alten, dunkelblauen Pass wieder einführen, der bis 1988 noch auf der Insel in Gebrauch war. Das Reisepapier ihres einst weltumspannenden Königreichs wollten sie wiederhaben. Ein Symbol stolzer Eigenständigkeit – ein Andenken an eine andere Zeit.

Je schneller die goldenen Lettern «European Union» von britischen Pässen verschwänden, desto besser, meinte etwa der konservative Unterhausabgeordnete Andrew Rosindell. Erst so könnten die Bürger seines Landes sich wieder «ihrer eigenen Nationalität sicher sein, wenn sie verreisen». Erst so könnten sie der Welt endlich deutlich machen, «dass mit Britannien wieder zu rechnen ist».

Fahnen und Wappen

Und nun? Nun muss Rosindell plötzlich befürchten, dass die Regierung im Begriff steht, den ganzen schönen Plan zur «Aufrechterhaltung britischer Identität» zu vermasseln. Der Tory-Politiker, der auch Vorsitzender des Unterhausausschusses für Fahnen und Wappen ist, hat nämlich etwas entdeckt, was ihm gar nicht gefällt: Der neue britische Pass, auf den er sich so gefreut hatte, könnte statt in Grossbritannien jenseits des Ärmelkanals hergestellt werden. Französische Designer oder deutsche Drucker könnten die Briten mit neuen Ausweispapieren beliefern – ähnlich wie es französische oder deutsche Autohersteller schon jetzt mit ihren Fahrzeugen tun.

Wie man inzwischen weiss, sind neben der britischen Sicherheitsfirma De La Rue nämlich auch zwei Unternehmen vom «Kontinent» in der engeren Wahl als Lieferanten des Ausweis­dokuments. Und der Londoner «Times» zufolge sollen das ein französisches und ein deutsches Unternehmen sein.

«Die Brexiteers fürchten die Perfidie der Kontinentalen.»

Zu befürchten steht für Brexit-Befürworter wie Andrew Rosindell somit, dass diese «Europäer» der Regierung in London ein kostengünstigeres Angebot unterbreiten. Oder dass sie das britische Innenministerium womöglich mit besserer Qualität zu ködern versuchen. Die Perfidie der Kontinentalen ist ja zur Genüge bekannt.

Bis Weihnachten will das Ministerium jedenfalls entschieden haben, welche der drei Firmen den Zuschlag für die Herstellung von 6 Millionen britischen Pässen im Jahr bekommt. Dass aber ausgerechnet zum Zeitpunkt, an dem die Brexiteers sich von den Fesseln der EU befreien wollen, der Inbegriff dieser Befreiung ein EU-Erzeugnis sein könnte: Das entbehrt in der Tat nicht einer gewissen Ironie.

«Ein Aberwitz»

Natürlich wolle er, dass die Regierung bei der Passbeschaffung «den besten Wert fürs verfügbare Geld» erziele, meint dazu Rosindells Parteikollege Andrew Bridgen. Aber es wäre «ausgesprochen lächerlich», wenn britische Pässe vorn das EU-Emblem verlören – und dafür hinten den Stempel «Made in the EU» trügen. Das wäre, so Bridgen, «ein Aberwitz».

Andrew Rosindell selbst, der Fahnenexperte, hat sehr klare Vorstellungen davon, wie der von ihm ersehnte dunkelblaue Pass zustande kommen soll: «Ich möchte sichergestellt wissen, dass der neue britische Pass in Grossbritannien produziert wird. Und zwar in einem britischen Betrieb. In dem britische Staatsangehörige beschäftigt sind.»

Wie viele seiner eigenen Mitarbeiter britische Staatsangehörige sind, weigert sich der heimische Kandidat mit dem nicht besonders englischen Namen De La Rue bisher freilich zu sagen. Die Firmenleitung hüllt sich in diplomatisches Schweigen.

Vielleicht findet ja demnächst eine interne Passkontrolle statt.

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