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BND-Chef warnt vor russischen Hackern

Die Bundestagswahl in Deutschland könnte von Cyber-Attacken aus Russland gestört werden, sagte der neue Präsident des deutschen Nachrichtendienstes, Bruno Kahl.

Es gebe «Erkenntnisse, dass Cyber-Attacken stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen»: BND-Chef Bruno Kahl. (Archivbild)
Es gebe «Erkenntnisse, dass Cyber-Attacken stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen»: BND-Chef Bruno Kahl. (Archivbild)
Michael Kappeler, AFP

Der neue Präsident des deutschen Nachrichtendienstes, Bruno Kahl, hat angesichts der Bundestagswahl im kommenden Jahr vor aus Russland gesteuerten Hackerangriffen und Desinformationskampagnen gewarnt.

Es gebe «Erkenntnisse, dass Cyber-Attacken stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen», sagte Kahl der «Süddeutschen Zeitung» vom Dienstag. Kahl äusserte sich ausdrücklich in Bezug auf russische Internet-Aktivitäten und sprach von gezielten Störkampagnen. «Hier wird eine Art von Druck auf den öffentlichen Diskurs und auf die Demokratie ausgeübt, die nicht hinnehmbar ist», sagte er laut Vorabbericht.

In den USA haben unlängst Hacker Daten aus der Zentrale der Demokratischen Partei gestohlen und sogenannte Internet-Trolle falsche Schlagzeilen zugunsten des Republikaners Donald Trump verbreitet. Das FBI sprach vom Versuch eines Nationalstaates, den demokratischen Prozess von aussen zu untergraben.

Kahl sagte dazu, es gebe Anhaltspunkte für eine Spur nach Russland. «Die Zurechnung zu einem staatlichen Akteur ist technisch naturgemäss schwierig», sagte Kahl. Doch einiges spreche dafür, dass die Angriffe von staatlicher Seite zumindest geduldet würden. Auch in Deutschland, wo nächstes Jahr ein neuer Bundestag gewählt wird, wachse diese Bedrohung, sagte Kahl. «Europa ist im Fokus dieser Störversuche, und Deutschland ganz besonders.»

Symbol für die deutsche Demokratie: Die Kuppel auf dem Bundestagsgebäude in Berlin.
Symbol für die deutsche Demokratie: Die Kuppel auf dem Bundestagsgebäude in Berlin.

Einen möglichen Hackerangriff prüft derzeit auch die Deutsche Telekom nach dem massenhaften Ausfall von Routern. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre es der erste erfolgreiche Hackerangriff auf die Telekom in grossem Stil.

Die Probleme hatten am Sonntag begonnen. Am Montagmorgen erklärte das Unternehmen, betroffen seien rund 900'000 von etwa 20 Millionen Festnetzkunden. Hinter der Netzwerk-Störung steckt offenbar ein Hackerangriff. Der Vorfall sei «einem weltweiten Angriff» auf DSL-Router zuzuordnen, teilte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am Montag mit.

Der Präsident des deutschen Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fordert nun schärfere Sicherheitsstandards. «Je vernetzter die Welt ist und je allgemeiner Massenprodukte wie Router weltweit baugleich im Netz eingesetzt werden, desto verwundbarer sind unsere Netz-Infrastrukturen», sagte BSI-Chef Arne Schönbohm der «Welt» (Montagsausgabe). Die Attacke auf die Router von Telekomkunden sei vergleichsweise glimpflich verlaufen. «Dieses Mal haben wir noch Glück gehabt - der Angriff hat nicht richtig funktioniert», sagte Schönbohm. Die Angreifer hätten nach einer ersten BSI-Analyse schlampig gearbeitet: Die Speedport-Router der Kunden seien durch den Angriff zwar abgestürzt, eine Schadsoftware aber hätten die Täter nicht installieren können.

Schönbohm regte an, für Geräte wie DSL-Router, die von asiatischen Herstellern wie Arcadyan oder Huawei massenhaft hergestellt werden, verstärkt Sicherheits-Gütesiegel einzusetzen. «Wir wollen im Rahmen der Cyber-Sicherheitsstrategie der Bundesregierung Gütesiegel und Zertifikate für IT-Sicherheit ausbauen, die Mindeststandards im Internet der Dinge garantieren», sagte Schönbohm. «Dazu könnte auch gehören, die Hersteller zu regelmässigen und zeitnahen Sicherheitsupdates zu verpflichten, die automatisch aufgespielt werden.»

Eine solche Verpflichtung sei nur auf europäischer Ebene sinnvoll. Mit einem deutschen Alleingang lasse sich nicht viel erreichen, sagte Schönbohm. Der BSI-Präsident kritisierte, dass viele Hersteller diese Sicherheitsupdates insbesondere bei älteren Netzgeräten vernachlässigten: «Mir sind Beispiele bekannt, wo Lücken monatelang bestehen bleiben.»

SDA/chk

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