Zum Hauptinhalt springen

«Bin nicht in Deutschland, aber unter Freunden»

Deniz Yücel ist nach seiner Freilassung in wärmere Gefilde gereist. Zwischenzeitlich hat die AfD schweres Geschütz gegen den Journalisten aufgefahren.

Bezichtigt deutsche Behörden der Terrorunterstützung: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Bezichtigt deutsche Behörden der Terrorunterstützung: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
AP
«Deutschland ist nicht der Chef der Türkei»: Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu spricht in Ankara zu den Medien. Sein Auftritt in Hamburg ist vorerst abgesagt – aus Branschutzgründen. (3. März 2017)
«Deutschland ist nicht der Chef der Türkei»: Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu spricht in Ankara zu den Medien. Sein Auftritt in Hamburg ist vorerst abgesagt – aus Branschutzgründen. (3. März 2017)
Burhan Ozbilici/AP, Keystone
Ein Autokorso-Teilnehmer hat sein Fahrzeug mit dem Aufruf «Free Deniz Yücel» beklebt.
Ein Autokorso-Teilnehmer hat sein Fahrzeug mit dem Aufruf «Free Deniz Yücel» beklebt.
Andreas Arnold, Keystone
1 / 5

Der am Freitag aus türkischer Haft entlassene «Welt»-Journalist Deniz Yücel hat Deutschland bereits wieder verlassen. Das teilte er am Samstag auf Twitter mit. «Ich bin nicht in Deutschland. Aber ich bin unter Freunden», schrieb Yücel dort.

Dazu veröffentlichte er ein Foto, das ihn neben seiner Frau Dilek Mayatürk Yücel und mit acht weiteren Menschen auf einer Wiese zeigt. Es scheint recht warm zu sein, denn die meisten tragen nur Hemden oder T-Shirts.

Yücel hatte ein Jahr ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis gesessen. Am Freitag ordnete ein Gericht seine Freilassung an. Bereits wenige Stunden später verliess er mit seiner Frau per Flugzeug die Türkei und landete am späten Abend in Berlin.

Yücel selbst hatte sich am Freitagabend per Videobotschaft zu Wort gemeldet. Darin dankte er allen, die während der Haft an seiner Seite standen. Er wisse bis heute nicht, warum er verhaftet und «als Geisel genommen» worden sei, sagte der deutsch-türkische Journalist. «Und ich weiss auch nicht, warum ich heute freigelassen wurde.» Die türkische Staatsanwaltschaft fordert für ihn 18 Jahre Haft wegen «Volksverhetzung» und «Terrorpropaganda».

Deniz Yücel nach seiner Freilassung: «Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack.» (Video: Tamedia/AFP)

«Antideutscher Hassprediger»

Während die deutsche Bundesregierung mit grosser Erleichterung auf die Freilassung Yücels reagierte, wetterte die AfD-Frontfrau Alice Weidel gegen den 44-Jährigen. Die Fraktionsvorsitzende im Bundestag nannte Yücel einen «antideutschen Hassprediger». Auf Facebook schrieb Weidel am Samstag, Yücel als «deutschen Journalisten» zu bezeichnen, seien «zwei Fake-News in einem Satz».

Weiter schrieb sie: «Ein unser Land regelrecht hassender 'Journalist', der nicht nur einmal die Grenzen des guten Geschmacks verliess, sollte eigentlich keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.» Weidel bezog sich dabei auf frühere Satire-Artikel Yücels, in denen er vom «Deutschensterben» geschrieben und dem umstrittenen Autor Thilo Sarrazin einen Schlaganfall gewünscht hatte.

Den Artikel hatte Yücel 2011 verfasst, damals war er noch Redaktor bei der Tageszeitung (taz).

Am Freitag hatte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen in einem TV-Interview mit dem ZDF erklärt, er hoffe, dass Yücel die Zeit im Gefängnis zur Besinnung genutzt habe, um solche «menschenfeindlichen, zynischen Sprüche, wie er sie in der Vergangenheit häufiger getätigt hat, nicht mehr zu bringen.»

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch