Berichte: Mutmasslicher Täter sollte abgeschoben werden

Einer der Verdächtigen der tödlichen Messerstecherei in Chemnitz hatte in Bulgarien bereits einen Asylantrag gestellt.

Chemnitzer trauern um das Opfer der tödlichen Messerstecherei.

Chemnitzer trauern um das Opfer der tödlichen Messerstecherei.

(Bild: Reuters Matthias Rietschel)

Einer der beiden Tatverdächtigen der tödlichen Messerstecherei in Chemnitz sollte Berichten zufolge aus Deutschland abgeschoben werden. Offenbar liess das Bamf jedoch die Frist verstreichen.

Während ganz Deutschland auf die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz schaut, häufen sich Vorfälle in den neuen Bundesländern: Bei zwei brutalen Angriffen sind ein Syrer in Mecklenburg-Vorpommern und ein Eritreer in Thüringen schwer verletzt worden.

Einer der beiden Tatverdächtigen der tödlichen Messerstecherei in Chemnitz sollte Berichten zufolge im Jahr 2016 aus Deutschland abgeschoben werden. Wie Spiegel und Welt berichten, war der mutmassliche Täter Yousif A. über Bulgarien nach Deutschland eingereist. Da er dort schon einen Asylantrag gestellt haben soll, hätten das Verwaltungsgericht Chemnitz und bulgarische Behörden seiner Überstellung dorthin zugestimmt.

Amt liess Frist verstreichen

Ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Chemnitz teilte demnach mit, dass eine Abschiebung nach Bulgarien am 13. Mai 2016 als zulässig betrachtet wurde: «Vollzogen wurde die Abschiebung in der Folgezeit jedoch nicht, weshalb die Überstellungsfrist von sechs Monaten ablief und das Bundesamt verpflichtet war, erneut über den Asylantrag zu entscheiden.» Gemeint ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Weil das Bamf nicht reagierte, war seit Ablauf der Frist Deutschland für A. zuständig, der aus dem Irak stammt.


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Die genauen Umstände der Messerstecherei am Sonntag, bei der ein 35-jähriger Deutscher getötet wurde, sind noch unklar. Neben Yousif A. wird auch Alaa S. verdächtigt, der aus Syrien stammt. Beide sitzen in Untersuchungshaft.

Der Haftbefehl gegen die beiden war veröffentlicht und auf rechten Webseiten und sozialen Netzwerken verbreitet worden. Am Donnerstagabend hat ein Dresdner Justizbeamter die Veröffentlichung gestanden.

Vorfälle in anderen Bundesländern

In der Folge der Messerstecherei kam es in Chemnitz zu mehrtägigen Ausschreitungen, bei denen ausländisch aussehende Menschen bedroht und der verbotene Hitler-Gruss gezeigt wurden.

Bei zwei weiteren brutalen Angriffen sind ein Syrer in Mecklenburg-Vorpommern und ein Eritreer in Thüringen schwer verletzt worden. In Sondershausen ermittelt die Polizei, nachdem ein 33-jähriger Mann aus Eritrea mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf traktiert worden war.

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In Wismar nahm die Polizei einen 26-jährigen Deutschen fest, der einen Syrer krankenhausreif geprügelt haben soll. Das Opfer war nach Polizeiangaben am Mittwochabend auf dem Heimweg von drei Unbekannten ausländerfeindlich beschimpft, mit einer Eisenkette geschlagen und am Boden liegend getreten worden. Der 20-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch und Prellungen, konnte aber nach ambulanter Behandlung die Klinik wieder verlassen. Der Tatverdächtige bestreitet den Vorwurf.

jsa/swl

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