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Parteilinker Hamon setzt sich gegen Valls durch

Benoît Hamon hat die Präsidentschaftsvorwahl von Frankreichs Sozialisten gewonnen. Er galt nach der ersten Runde als Favorit.

Benoìt Hamon siegte in der zweiten Runde klar gegen Ex-Regierungschef Manuel Valls.
Benoìt Hamon siegte in der zweiten Runde klar gegen Ex-Regierungschef Manuel Valls.
GEOFFROY VAN DER HASSELT, AFP
Sie mussten das Rennen unter sich ausmachen: Ex-Minister Hamon (l.) und Ex-Premierminister Valls (r.).
Sie mussten das Rennen unter sich ausmachen: Ex-Minister Hamon (l.) und Ex-Premierminister Valls (r.).
Joel Saget, AFP
Galt klar als Favorit: Ex-Premierminister Valls. (20. Januar 2017)
Galt klar als Favorit: Ex-Premierminister Valls. (20. Januar 2017)
Philippe Lopez, AFP
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Die französischen Sozialisten haben den 49-jährigen Ex-Minister Benoît Hamon offenbar zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gewählt. Hamon siegte in der zweiten Runde klar gegen Ex-Regierungschef Manuel Valls, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Parteikreise meldete.

Laut vorläufigen Ergebnissen kam der frühere Bildungsminister auf rund 59 Prozent der Stimmen. Hamon, der ein ausgesprochen linkes Wahlprogramm hat, war bereits in der ersten Runde der Vorwahl vor einer Woche vorne gelandet. In der Stichwahl galt er als klarer Favorit.

Valls räumte am Abend seine Wahlniederlage ein, gratulierte Hamon «herzlich» und wünschte ihm viel Glück. «Benoît Hamon ist jetzt der Kandidat unserer politischen Familie.» Hamon habe jetzt die «schöne Aufgabe», das linke Lager vor der Präsidentschaftswahl zusammenzuführen, sagte Valls als Vertreter des rechten reformorientierten Parteiflügels.

Hamon sagte, sein Sieg zeige, dass die Linke «lebendig und leidenschaftlich sei». Er wolle die Sozialisten nun zu einem Sieg bei der Präsidentschaftswahl im April und Mai führen. Frankreich brauche eine «moderne und innovative Linke».

Dämpfer für Fillon

Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April und Mai gelten die Sozialisten von Staatschef François Hollande allerdings als nahezu chancenlos. Laut Umfragen könnten sie in der ersten Runde sogar nur auf dem fünften Platz landen.

Als Favorit galt bislang der konservative Kandidat François Fillon. Dessen Kandidatur hat vergangene Woche einen Dämpfer bekommen. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Vorermittlung zu Vorwürfen darüber ein, ob Fillons Frau für ihre gut bezahlte Anstellung im Parlament auch tatsächlich gearbeitet hat. Bisher hatte eine Stichwahl zwischen ihm und Marine Le Pen von der rechtspopulistischen Front National als wahrscheinlichstes Szenario gegolten.

Hohe Wahlbeteiligung

Bei der entscheidenden Runde der Sozialisten-Vorwahl in Frankreich hatten deutlich mehr Bürger abgestimmt als noch vor einer Woche. In 75 Prozent der Wahlbüros wurden bis 17.00 Uhr gut 1,3 Millionen Menschen gezählt. Das sei im Vergleich zum vergangenen Sonntag ein Plus von 22,8 Prozent, teilte die Wahlleitung mit.

An der Vorwahl konnten alle Franzosen teilnehmen, die im Wählerverzeichnis stehen und sich zu den Werten der Linken bekennen.

Hamon war Favorit

Ex-Minister Benoît Hamon galt als Favorit, der sich in der ersten Runde vor einer Woche mit rund 36 Prozent der Stimmen an die Spitze setzte. Der 49-Jährige steht für einen radikalen Bruch mit der verpönten Bilanz von Staatschef François Hollande.

Die Vorwahl entschied somit über den künftigen Kurs der Sozialisten, die mit Hamon einen Linksruck vollführen. Er wirbt für mehr Investitionen, eine Senkung der Arbeitszeit und mehr Umweltschutz. Ausserdem will er langfristig ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 750 Euro für alle Erwachsenen einführen. An die EU-Defizitvorgaben will er sich nicht halten.

Sein Konkurrent Manuel Valls erzielte vor einer Woche rund 31,5 Prozent. Valls gab sich damals noch nicht geschlagen. «Alles ist möglich», sagte der 54-Jährige dem TV-Nachrichtensender BFMTV und anderen Sendern. «Ich hoffe, dass heute mehr Franzosen wählen als am vergangenen Sonntag.»

Zersplitterte Linke

An der ersten Vorwahlrunde hatten sich nur rund 1,6 Millionen Wähler beteiligt. Sie hatten die Wahl unter sechs Männern und einer Frau. Der drittplatzierte Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg, der knapp 18 Prozent erhielt, sprach eine Wahlempfehlung für Hamon aus.

Valls gehört dem rechten Parteiflügel an und verteidigte in Debatten die Politik Hollandes. Der scheidende Staatschef selbst tritt nicht mehr an.

Das linke Lager Frankreichs steht drei Monate vor der Präsidentenwahl zersplittert da. Der unabhängige Polit-Jungstar Emmanuel Macron profiliert sich ausserhalb der Vorwahl, ebenso wie der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon.

sda/afp/ij

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