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«Allein der Verdacht genügte für Edathys gesellschaftlichen Tod»

TA-Redaktor Dominique Eigenmann hat den Fall Edathy rekonstruiert. Die Kinderporno-Affäre um den früheren SPD-Spitzenpolitiker Sebastian Edathy wühlt seit einem Jahr Deutschland auf.

«Die Vorwürfe treffen zu»: Sebastian Edathy legt vor dem Gericht in Verden ein Geständnis ab und muss 5000 Euro bezahlen.
«Die Vorwürfe treffen zu»: Sebastian Edathy legt vor dem Gericht in Verden ein Geständnis ab und muss 5000 Euro bezahlen.
Reuters
«Wenn Sie der Wahrheit eine Gasse bahnen würden, wäre ich Ihnen sehr dankbar»: Sebastian Edathy (links) und sein Anwalt Christian Noll treffen beim Gericht in Verden ein. (23. Februar 2015)
«Wenn Sie der Wahrheit eine Gasse bahnen würden, wäre ich Ihnen sehr dankbar»: Sebastian Edathy (links) und sein Anwalt Christian Noll treffen beim Gericht in Verden ein. (23. Februar 2015)
AFP
Als hochrangiger Mitwisser in der Edathy-Affäre gilt auch Thomas Oppermann. Der heutige Fraktionschef der SPD bekleidete im Herbst 2013 das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers der Sozialdemokraten im Bundestag. Auch Oppermann bestreitet jede Verwicklung in den Fall Edathy.
Als hochrangiger Mitwisser in der Edathy-Affäre gilt auch Thomas Oppermann. Der heutige Fraktionschef der SPD bekleidete im Herbst 2013 das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers der Sozialdemokraten im Bundestag. Auch Oppermann bestreitet jede Verwicklung in den Fall Edathy.
Keystone
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Der Fall Edathy handelt von einem gestürzten begabten SPD-Abgeordneten mit pädophilen Neigungen. Er ist aber auch ein Polit-Krimi, in dem es um Opportunismus und Geheimnisverrat geht. Welche Erkenntnisse liefert der Fall Edathy? Er ist ein Lehrstück über den Umgang mit Kinderpornografie und Pädophilie. Angesichts der Empörung der Öffentlichkeit ist es zwar erklärbar, dass ein Politiker allein aufgrund eines Verdachts zurücktreten musste. Im Grunde ist es aber ein Skandal. Bei den Ermittlungen ging es zunächst um Bilder und Videos von nackten Jungen, die Edathy bei einem kanadischen Internetanbieter bestellt hatte – dieses Material schätzte selbst die Staatsanwaltschaft als legal ein. Trotzdem wurde Edathy von seiner Partei fallen gelassen und von der empörten Öffentlichkeit geächtet. Eine differenzierte Debatte über Pädophilie war nicht möglich. Man machte keinen Unterschied zwischen Menschen mit pädophilen Neigungen und tatsächlichen Kinderschändern, die überdies häufig keine Pädophilen sind. Im Fall Edathy genügte allein der Verdacht für seinen gesellschaftlichen Tod. In Deutschland ist sein Leben verwirkt. Und im Ausland hat er als deutscher Berufspolitiker kaum eine berufliche Zukunft.

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