Schweizer ruft deutsche Neonazis zum Aufstand auf

Seit den Ausschreitungen in Chemnitz ist die Neonazi-Bewegung erneut im Fokus. Ganz vorne mit dabei: Der Schweizer Bernhard Schaub.

Ein auf Youtube veröffentlichtes Interview mit Bernhard Schaub soll seinen Hof in Mecklenburg-Vorpommern zeigen.

Ein auf Youtube veröffentlichtes Interview mit Bernhard Schaub soll seinen Hof in Mecklenburg-Vorpommern zeigen. Bild: Screenshot Youtube

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In den vergangenen Wochen war bei rechtsextremen Kundgebungen in Ostdeutschland ein altbekanntes Gesicht zu sehen: Bernhard Schaub trat gleich mehrmals als Redner auf, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Das letzte Mal am 1. September, als der als Holocaust-Leugner bekannte Schweizer an einem Anlass eines rechtsextremen Verlags in Thüringen sprach.

Der 64-Jährige geht in seinen Reden so weit, Neonazis zum Sturz des Systems aufzurufen: «Man muss nicht die Illusion haben, man könne mit demokratischen Mitteln das beseitigen, was Demokratie ist.» Seine auf Youtube veröffentlichten Reden werden von Tausenden bis Zehntausenden angeklickt.

Verfahren wegen Volksverhetzung

Schaub konnte sich über die Jahre nicht nur in der Rechtsextremen-Szene einen Namen machen, auch dem deutschen Nachrichtendienst ist er bekannt. So sagte ein Sprecher des Verfassungsschutzes Thüringen gegenüber der «NZZ am Sonntag»: «Bernhard Schaub ist als Rechtsextremist bekannt. Er fällt überwiegend mit holocaustleugnenden und geschichtsrevisionistischen Aussagen auf.» Gemäss weiteren Quellen sei Schaub in der Szene gut vernetzt und nehme als Redner gar eine führende Rolle ein.

Schaub gründete mehrere rechtsextreme Netzwerke, beispielsweise 2010 die «Europäische Aktion» (EA). Bei einer Hausdurchsuchung sollen die deutschen Ermittler auf zahlreiche Waffen gestossen sein. Gegen mehrere Mitglieder wurden Strafverfahren eingeleitet, nicht jedoch gegen Schaub. Dieser soll jedoch demnächst wegen eines Verfahrens wegen Volksverhetzung in Dresden vor Gericht erscheinen müssen.

«Staatlich bezahlter Rechtsextremer»

Schaub lebt in Mecklenburg-Vorpommern, soll seinen offiziellen Wohnsitz aber in der Ostschweiz haben. Er selbst beschreibt sich als «freischaffenden Redner, Buchautor und rechten Aktivisten». Gemäss einem Bericht der Kreuzlinger Zeitung bezeichnet sich Schaub zudem als Sozialhilfeempfänger: «Ich bin Sozialhilfeempfänger, ich bin staatlich bezahlter Rechtsextremer».

Schaub war ursprünglich Lehrer an der Rudolf-Steiner-Schule in Adliswil ZH. Nach der Publikation seines Buches «Adler und Rose» wurde er gemäss mehreren Zeitungsberichten jedoch fristlos entlassen. Eine ansschliessende Anstellung an der Klubschule Migros in Frauenfeld soll nach einem Vortrag mit rechtsradikalem Inhalt ein Ende gefunden haben. Für eine Stellungsnahme war Schaub gemäss der «NZZ am Sonntag» nicht erreichbar. (sep)

Erstellt: 09.09.2018, 11:26 Uhr

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