Polizeibericht aus Chemnitz: «100 Vermummte suchen Ausländer»

Nun ist bekannt mit welcher Bedrohungslage es die Polizei zu tun hatte. Einer der Angreifer im «Hetzjagd»-Video war offenbar Sicherheitsangestellter in einem Flüchtlingsheim.

Laut dem ZDF war ein Mann aus dem viel diskutierten Chemnitz-Video Sicherheitsmann. Video: Youtube/Antifa Zeckenbiss

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach dem sogenannten Trauermarsch in Köthen hat die Polizei zwölf Strafverfahren eingeleitet. Der polizeiliche Staatsschutz ermittle unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung, hiess es am Dienstag.

Nach der von der AfD angemeldeten Demonstration am Montagabend seien zudem vier Strafanzeigen gestellt worden. In Köthen war in der Nacht zum Sonntag ein 22-jähriger Deutscher nach einem Streit mit zwei Afghanen an Herzversagen gestorben.

Am Sonntagabend hatten sich rund 2500 Menschen an einem «Trauermarsch» beteiligt, unter ihnen nach Angaben der Sicherheitsbehörden etwa 500 Rechtsextreme aus Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen. Am Montagabend hatten sich an einem weiteren «Trauermarsch» bis zu 550 Menschen beteiligt.

Die rechte Szene hatte ihre Anhänger nach den Vorfällen in Chemnitz und Köthen auch für eine Demonstration in Halle mobilisiert. Dort wurde am Montagabend aus dem Protestzug heraus mehrfach der Hitlergruss gezeigt und von einigen der rund 450 Teilnehmer «Sieg Heil» gerufen, wie die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd mitteilte. Manche Demonstranten seien stark alkoholisiert gewesen und hätten Polizisten bespuckt.

Sicherheitsangestellter attackiert Ausländer

Derweil berichtete das ZDF-Magazin «Frontal 21», dass ein Mann, der in Chemnitz aus einer spontanen Demonstration heraus ausländisch aussehende Menschen attackiert haben soll, angeblich Mitarbeiter der deutschen Sicherheitsfirma Securitas gewesen sei.

Demnach bestätigte ein Sprecher des Unternehmens, welches nicht mit der gleichnamigen Firma in der Schweiz verbunden ist, dass der Vorfall und der Mitarbeiter dort bekannt seien. Schon Ende August habe man sich «mit sofortiger Wirkung vom Mitarbeiter getrennt, weniger als zwölf Stunden, nachdem uns das Video bekannt wurde», wird der Sprecher zitiert.

Mehrere Asylsuchende, darunter einer der Angegriffenen, sagten dem ZDF, der Sicherheitsmann habe in einem Chemnitzer Flüchtlingsheim gearbeitet.

Auf dem Video vom 26. August, dessen Echtheit Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maassen zunächst angezweifelt hatte, ist zu sehen, wie Männer hinter anderen Menschen herrennen. Dabei sind Rufe zu hören wie «Haut ab! Was ist denn, ihr Kanaken?» und «Ihr seid nicht willkommen!».

Mehrere Versuche von Attacken

Aus einem internen Lagefilm der Polizei geht laut «Frontal 21» weiter hervor, dass es die Polizei Chemnitz am 27. August mit einer intensiven Bedrohungslage zu tun hatte. Weiter gehe aus dem Polizeibericht hervor, dass es zwischen 21 und 22 Uhr mehrfach Versuche rechtsgerichteter Gewalttäter gab, linke Demonstranten oder Ausländer zu attackieren.

Um 21.42 Uhr heisst es in dem Bericht: «100 vermummte Personen (rechts) suchen Ausländer.»

Für 21.47 Uhr vermeldet laut «Frontal 21» der Bericht: «20 bis 30 vermummte Personen mit Steinen bewaffnet in Richtung Brühl, Gaststätte Schalom». Die angezeigte Attacke auf das jüdische Restaurant in Chemnitz hatte deutschlandweit für Entsetzen gesorgt.

(oli/sda)

Erstellt: 11.09.2018, 21:06 Uhr

Artikel zum Thema

Maassen zweifelt «Hetzjagden» in Chemnitz an

Video Der Chef des deutschen Inlandsgeheimdienstes hat unterstellt, dass das Video, das einen Übergriff auf einen Migranten in Chemnitz zeigt, nicht authentisch ist. Mehr...

Furcht vor dem nächsten Chemnitz

Trauermarsch im deutschen Köthen für einen gestorbenen 22-Jährigen. Dann fabuliert ein bekannter Neonazi von einem «Rassenkrieg» gegen das «deutsche Volk». Mehr...

Im Widerstand gegen Merkel

Der Chef des deutschen Inlandgeheimdienstes stellt sich gegen die Kanzlerin. Seine Einschätzung zu Chemnitz musste er aber korrigieren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Die Welt in Bildern

Mit geschwellter Brust: Ein Mann aus Indien zeigt bei einem Wettbewerb für die beeindruckendste Gesichtsbehaarung stolz seinen Schnurrbart. Der Wettbewerb fand am Rande des jährlichen Kamel Festivals in der nordindischen Wüstenstadt Pushkar statt. (20. November 2018)
(Bild: Himanshu SHARMA ) Mehr...