Oligarch von Orbans Gnaden

Lörinc Meszaros, ehemaliger Gasinstallateur, ist auf dem Weg zum reichsten Ungar – dank «dem lieben Gott, Glück und Viktor Orban».

Lörinc Meszaros kennt Viktor Orban seit seiner Jugend in der Provinz. Foto: PD

Lörinc Meszaros kennt Viktor Orban seit seiner Jugend in der Provinz. Foto: PD

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Es läuft nicht schlecht für Aktionäre: Der Dow Jones ist auf dem Höhenflug. Besonders gut läuft es für einen Investor in Ungarn. Dort stieg die Aktie des Handelshauses Konzum Nyrt in den vergangenen Monaten um 5400 Prozent, wie der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg berichtet. Dabei verzeichnete Konzum im vergangenen Jahr lediglich einen Umsatz von knapp 100'000 Franken und musste über drei Viertel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Mit dem Markt dürfte die phänomenale Wertsteigerung also wenig zu tun haben. Mit dem Firmenbesitzer und seinem Freundeskreis umso mehr.

Konzum gehört Lörinc Meszaros, einem der besten Kumpel von Regierungschef Viktor Orban. Möglicherweise ist Meszaros auch Orbans «Kassier», wie die Opposition meint. Aber das dementieren beide energisch. Dennoch: Die Karriere des bulligen 51-Jährigen ist wohl weltweit einzigartig. Er begann als Gasinstallateur im kleinen Dorf Felcsut, heute ist er Oligarch und laut einem ungarischen Internetportal der fünftreichste Ungar mit einem Vermögen von rund 460 Millionen Franken.

Der Weg zum reichsten Ungar ist vorgezeichnet: Meszaros kontrolliert riesige Ländereien, Landwirtschaftsbetriebe, Baufirmen, Hotels, Campingplätze, Handelsketten, eine Bank, eine Investmentfirma, einen Immobilienfonds, einen Medienkonzern. Meszaros selbst erklärte seinen ökonomischen Erfolg einmal so: «Da haben sicherlich der liebe Gott, das Glück und die Person von Viktor Orban eine Rolle gespielt.» Das war vor ein paar Jahren – seither spricht der Medienmogul nicht mehr mit den Medien.

Der Staat gibt, Meszaros nimmt

Wie sehr Gott bei der Meszaros’schen Geldvermehrung die Hand im Spiel hatte, wird wohl erst das Jüngste Gericht klären können. Die Rolle von Gottes Stellvertreter in Ungarn ist hingegen recht einfach zu durchschauen.

Meszaros und Viktor Orban kennen sich seit der gemeinsamen Jugend in der Provinz. Als Orban mit seiner Partei Fidesz 2010 die Regierung übernahm, ging es auch mit der kleinen Firma Meszaros & Meszaros steil bergauf. Wo immer der Staat Aufträge vergab, kam sie zum Zug. Erst war es eine Fussballakademie und ein viel zu grosses Stadion für den kleinen Ort Felcsut. Dann eine touristische Eisenbahnlinie (die niemand benutzt) sowie Felder, Wiesen und Wälder der Umgebung.

Der Staat gibt, Meszaros nimmt. Die Ausschreibungen sind auf seine Firmen zugeschnitten. Mittlerweile blickt er über Ungarn hinaus, kauft auch Hotelanlagen in Österreich. Die Vermutung, dass Meszaros dem Regierungschef nur als Strohmann diene, taucht immer wieder auf. Beweise gibt es nicht. Der ehemalige Gasinstallateur erklärt den Reichtum mit seiner unglaublichen Intelligenz. Möglicherweise, sagte er einmal, sei er einfach «noch schlauer» als Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.08.2017, 22:38 Uhr

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