Mehrere Festnahmen bei Anti-Terror-Einsatz

Die belgische Polizei hat zahlreiche Wohnungen durchsucht und mehrere Verdächtige verhaftet. Ministerpräsident Michel hat zu «extremer Wachsamkeit, Stunde für Stunde» aufgerufen.

Hausdurchsuchungen in 16 Städten: Ein belgischer Polizist während eines Einsatzes in Brüssel. (9. April 2016).

Hausdurchsuchungen in 16 Städten: Ein belgischer Polizist während eines Einsatzes in Brüssel. (9. April 2016).

(Bild: Keystone Stephanie Lecocq)

Bei einem grossen Anti-Terror-Einsatz haben belgische Sicherheitskräfte zunächst zwölf Menschen festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft in Brüssel mitteilte. Laut einem TV-Sender sollen sie einen Anschlag geplant haben.

Neun Personen wurden nach Verhören jedoch wieder freigelassen, drei wurden in Haft genommen. Den belgischen Staatsbürgern im Alter von 27, 29 und 40 Jahren werde versuchter «terroristischer» Mord sowie die Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft am Samstagabend in Brüssel mit.

Insgesamt wurden laut Staatsanwaltschaft 40 Personen vernommen. Dutzende Häuser und Garagen in 16 Gemeinden seien in der Nacht auf Samstag durchsucht worden – darunter auch in der als Islamisten-Hochburg bekannten Brüsseler Gemeinde Molenbeek, sowie in wallonischen und flämischen Städten.

Keine Zwischenfälle, keine Waffen

Die Hausdurchsuchungen seien «ohne Zwischenfälle» verlaufen. Es seien keine Waffen oder Sprengstoff gefunden worden, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Ermittlungsergebnisse hätten jedoch ein «unmittelbares Einschreiten» erfordert. Nähere Details wurden zunächst nicht genannt.

Ein Ermittlungsrichter sollte im Laufe des Tages entscheiden, ob die zwölf Festgenommenen in Haft bleiben. Dem TV-Sender VTM zufolge stehen sie im Verdacht, für dieses Wochenende einen Anschlag in Brüssel geplant zu haben, und zwar während eines Fussballspiels der belgischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Frankreich. Das Team traf am Samstagnachmittag in Bordeaux auf die Auswahl von Irland.

«Es ist noch was im Gang»

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel hat zu «extremer Wachsamkeit, Stunde für Stunde» aufgerufen. Michel sagte nach einer Sitzung des Sicherheitsrats des Landes, in den kommenden Stunden würden «zusätzliche und angepasste Massnahmen» ergriffen. Er lehnte es ab, Einzelheiten der Bedrohungslage zu nennen. Innenminister Jan Jambon erklärte:«Es ist nicht vorbei. Wir bleiben unter Terroralarm 3, das heisst, es ist noch was im Gang.»

Warnung im Vorfeld

Die belgische Polizei hatte vergangene Woche Sicherheitskreisen zufolge eine Warnung erhalten, dass sich Kämpfer der Extremistenmiliz IS auf den Weg nach Europa gemacht und Anschläge in Belgien und Frankreich geplant hätten.

Im März sprengten sich Selbstmordattentäter am Flughafen von Brüssel und in der U-Bahn der belgischen Hauptstadt in die Luft. 32 Menschen wurden getötet. Am 13. November vergangenen Jahres kamen in Paris bei Attentaten von Islamisten 130 Menschen ums Leben. Zwischen den Tätern bestanden nach Behördenangaben Verbindungen, manche von ihnen lebten in Belgien.

Erst am Freitagabend hatte die belgische Staatsanwaltschaft die Festnahme eines achten Verdächtigen im Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel bekanntgegeben. Gegen den 30-jährigen Belgier wurde Haftbefehl erlassen.

nag/sda

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