«Matteo Salvini, das kleine Geschenk ist auf dem Weg»

Der frühere italienische Linksterrorist Cesare Battisti ist in Bolivien gefasst worden. Rom hat bereits ein Flugzeug entsandt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach jahrzehntelanger Flucht ist der frühere italienische Linksterrorist Cesare Battisti Fahndern in Bolivien ins Netz gegangen. Das bestätigte ein Berater des neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, Filipe G. Martins, am Samstagabend auf Twitter.

Italienische Beamte befanden sich am Sonntag auf dem Weg nach Bolivien, um die Auslieferung des in Italien wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilten 64-Jährigen zu erreichen, wie das Innenministerium in Rom mitteilte.

Das italienische Aussenministerium erklärte, man arbeite daran, dass Battisti «schnellstmöglich» an Italien überstellt werde. Erwartet wird Battisti am Montag gegen Mittag in Rom.

In Italien war Battisti in Abwesenheit wegen Mordes verurteilt worden. Er soll als Mitglied der Gruppe «Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus» Ende der 1970er Jahre an vier Morden in seiner Heimat beteiligt gewesen sein. Er bestreitet dies.

«Brasilien ist kein Land mehr für Banditen», schrieb Eduardo Bolsonaro, der Sohn des ultrarechten brasilianischen Präsidenten, auf Twitter. «Man kann den Terrorismus nicht wie ein normales Verbrechen bekämpfen.»

Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand hatte Battisti in den 1990er Jahren in Frankreich Zuflucht vor der italienischen Justiz gefunden und sich eine Existenz als Schriftsteller aufgebaut.

Als der damalige französische Innenminister Nicolas Sarkozy ihn 2004 an Italien ausliefern wollte, floh Battisti nach Brasilien. Der linke Präsident Luiz Inacio Lula da Silva lehnte 2010 ein Auslieferungsgesuch aus Italien noch ab.

Mit der Wahl des Rechtspopulisten Bolsonaro hat sich der Wind jetzt allerdings gedreht. Bereits im Dezember stellte die brasilianische Justiz einen Haftbefehl gegen Battisti aus. Kurz darauf soll sich Battisti nach Bolivien abgesetzt haben. Die Mailänder Zeitung «Corriere della Sera» berichtete, ein Spezialteam von Interpol und italienische Agenten hätten ihn in der bolivianischen Stadt Santa Cruz aufgespürt.

«Geschenk für Innenminister Salvini»

«Matteo Salvini, das »kleine Geschenk« ist auf dem Weg», schrieb Eduardo Bolsonaro auf Twitter an den italienischen Innenminister. Salvini bedankte sich seinerseits auf Facebook: «Battisti ist ein Krimineller, der kein komfortables Leben am Strand verdient hat, sondern seine letzten Tage im Gefängnis verbringen sollte.»

Battisti gehörte eigentlich nicht zu den prominenten Persönlichkeiten der so genannten Bleiernen Jahre zwischen Ende der 1960er und Anfang der 1980er Jahre, als Links- und Rechtsterroristen in Italien eine ganze Reihe von Anschlägen verübten. Hunderte Menschen kamen ums Leben.

Sein Lebensstil, seine neue Karriere als Schriftsteller und seine Weigerung, sich der Justiz zu stellen, hatten in Italien zuletzt allerdings für Unmut gesorgt. «Unsere Gefängnisse hier warten auf ihn», schrieb Ministerpräsident Giuseppe Conte auf Facebook.

(nag/sda)

Erstellt: 13.01.2019, 11:15 Uhr

Artikel zum Thema

Er ist wieder entkommen

Seit Jahrzehnten ist der italienische Ex-Terrorist Cesare Battisti auf der Flucht. Der verurteilte Mörder kann noch immer auf mächtige Beschützer zählen. Mehr...

Mit höhnischen Grüssen aus São Paulo

Analyse Der italienische Ex-Terrorist Cesare Battisti, seit 34 Jahren auf der Flucht, entgeht erneut seiner Auslieferung. Mehr...

Italien brüskiert: Brasilien lässt Links-Terroristen frei

Vier Jahre lang sass Cesare Battisti in Brasilien in Haft. In Italien wurde der Linksextremist wegen vierfachen Mordes gesucht. Brasiliens Oberster Gerichtshof hat Italiens Klage auf Auslieferung nun abgewiesen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

«Bänkligespräch» mit James Gruntz

Seit 175 Jahren im Dienst der Mitmenschen: Diaconis feiert das Jubiläum mit Konzerten, Gesprächen und zahlreichen Aktivitäten.

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Trägt ein aufwändiges Kostüm: Ein maskierter Mann posiert bei einer Kundgebung des senegalesischen Präsidenten in Dakar für Fotografen. (21. Februar 2019)
(Bild: MICHELE CATTANI) Mehr...