Geleaktes Positionpapier verrät Mays künftige Migrationspolitik

Grossbritannien will den Familiennachzug erschweren und die Zahl der Migranten mit geringer Berufsqualifikation minimieren. Das zeigt ein geheimes Positionspapier.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die britischen Regierung will nach dem Brexit die Zahl der EU-Migranten mit geringer Berufsqualifikation verringern. Grossbritannien plant die schrittweise Einführung eines neuen Einwanderungssystems, das unter anderem das Niederlassungs- und Zuzugsrecht für die meisten europäischen Migranten und ihre Familien aufhebt. Das zeigt eine geleaktes Dokument, das der Zeitung «The Guardian» vorliegt. Den Plänen zufolge müssen sich EU-Bürger, die nach dem Brexit nach Grossbritannien einwandern wollen, um eine zweijährige Aufenthaltsgenehmigung bewerben. Als hochqualifiziert eingestufte Zuwanderer können sich dagegen um eine bis zu fünfjährige Genehmigung bewerben.

Londons Bürgermeister zeigt sich empört

Auch beim Familiennachzug plant das Innenministerium demnach strengere Kriterien: Dieser soll auf Lebenspartner, Kinder unter 18 Jahren und erwachsene Unterhaltsberechtigte beschränkt werden.

«Es muss eine Balance geben, wir wollen das Land attraktiv machen für gut ausgebildete Menschen, die hierher kommen wollen und ihren Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten wollen – wir wollen ihnen nicht die Tür zuschlagen», sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon.

Weniger gut kommt das Vorschlagspapier bei Londons Bürgermeister Sadiq Khan an: «Das Vorschlagspapier liest sich wie eine Skiz­zie­rung um die Wirtschaft zu erwürgen», sagte Khan.

Führende Minister müssen den Entwurf noch billigen

Ein Regierungssprecher sagte, an die Öffentlichkeit durchgesickerte Dokumente würden nicht kommentiert. «Wir werden unsere ersten Vorschläge für ein neues Einwanderungssystem, mit dem das Vereinigte Königreich die Kontrolle über seine Grenzen zurückbekommt, später im Herbst darlegen.»

Dem Zeitungsbericht zufolge müssen führende Minister im Kabinett von Premierministerin Theresa May den 82 Seiten starken Entwurf noch billigen. Darin heisst es: Einwanderung könne nur dann als wertvoll für das Land als Ganzes betrachtet werden, wenn sie nicht nur den Migranten selbst nutze, sondern auch den schon im Land lebenden Bürgern zu einem besseren Leben verhelfe.

Derzeit verhandeln Grossbritannien und die EU über den Brexit, der Ende März 2019 vollzogen sein soll. Grösste Streitpunkte sind neben den Rechten der EU-Bürger in Grossbritannien die britischen Finanzverpflichtungen gegenüber der EU und die Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland. (fur/sda)

Erstellt: 06.09.2017, 16:09 Uhr

Artikel zum Thema

Die Briten zocken um Milliarden

London will auf keinen Fall für den Brexit zahlen. In Brüssel spielt Grossbritannien deshalb auf Zeit. Mehr...

Bei den Brexit-Verhandlungen geht es nun ans Eingemachte

Die EU und die Briten machen sich daran, die wichtigsten Knackpunkte zu lösen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...