Freigespülte Mine in Bosnien explodiert

Wie befürchtet ist in Bosnien eine von den Fluten weggeschwemmte Landmine detoniert. Die Gefahr ist noch lange nicht gebannt.

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Als hätten die Menschen in den Hochwassergebieten auf dem Balkan nicht schon genug zu leiden, hat sich nun auch noch die Warnung vor den im Boden lauernden Gefahren aus Kriegszeiten bewahrheitet: Im nordbosnischen Bezirk Brcko explodierte nach Behördenangaben in der Nacht eine von den Fluten frei gespülte Landmine. Verletzt wurde jedoch niemand.

Neben der Landmine in Brcko entdeckten bosnische Freiwillige bei Aufräumarbeiten in der nordwestlichen Region Prijedor einen Kühlschrank mit neun Sprengsätzen sowie einen Granatwerfer und einen Plastikbehälter mit Bomben und Munition, wie das Minenaktionszentrum (MAC) mitteilte. Schon vorher hatte die Behörde vor den Gefahren der rund 120'000 Landminen gewarnt, die seit den Jugoslawien-Kriegen in den 1990er Jahren in den Böden der ehemaligen Teilrepubliken stecken und nun durch die Fluten der Save und ihrer Nebenflüsse frei gespült werden könnten. «Einige dieser Minen sind aus Plastik und damit sehr leicht, doch auch die schwereren aus Eisen können leicht weggeschwemmt werden», warnte der MAC-Experte Fikret Smajis.

Fluss ist weiter gefährlich

In Teilen des Balkans regnete es in den letzten Tagen so viel wie normalerweise in drei Monaten. Hier geht es zum eindrücklichen Vergleich mit der Niederschlagsmenge vor einem Jahr. Bei den schweren Überschwemmungen wurden bisher 49 Menschen getötet. Fast 150'000 Menschen in Bosnien, Serbien und Kroatien mussten ihre Häuser verlassen.

Der Nordosten Bosniens und die serbische Hauptstadt Belgrad bereiteten sich am Mittwoch auf weitere Fluten vor. «Die Save bedroht uns weiter», sagte der Gemeindevertreter des bosnischen Ortes Orasje, Blaz Zupatic, während er mithalf, einen inzwischen auf sechs Kilometern Länge angewachsenen Wall aus Sandsäcken zu verstärken. Viele Dörfer in der Umgebung waren nach wie vor komplett überflutet, von Kopanica zum Beispiel waren nur noch die Dächer zu sehen.

Jahrelange Folgeschäden

Zupatic zuckte mit den Schultern: «Von den Schäden werden wir uns die nächsten zehn Jahre nicht erholen». Er rechne mit einem «neuen Massenexodus wie vor 22 Jahren», als der Bosnienkrieg tausende Menschen aus ihren Dörfern vertrieb. Auch in Belgrad arbeiteten die Menschen rund um die Uhr an einem zwölf Kilometer langen Sandsack-Wall. «Wir rechnen mit neuen Flutwellen. Erst wenn diese vorüber sind, können wir sagen, wir haben Belgrad gerettet», sagte Bürgermeister Sinisa Mali.

Mehr als 1,6 Millionen Menschen auf dem Balkan sind von den Überschwemmungen betroffen, allein in Bosnien muss ein Viertel der Bevölkerung ohne sauberes Trinkwasser auskommen. In den Gebieten, in denen das Wasser inzwischen zurückging, verwesen die Kadaver unzähliger Kühe, Schweine, Schafe und anderer Tiere. Seuchen drohen. In manchen Orten war der Gestank so überwältigend, dass die Freiwilligen beim Aufräumen Masken tragen mussten.

thu/AFP

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