Erfolg für Geissler: Schlichtung um Stuttgart 21 kann beginnen

Im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist dem Vermittler Heiner Geissler ein Durchbruch gelungen. Gegner und Befürworter wollen nächste Woche mit den Schlichtungsgesprächen beginnen.

Im Fokus der Medien: Vermittler Heiner Geissler.

Im Fokus der Medien: Vermittler Heiner Geissler. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vom 22. Oktober an würden die Befürworter und Gegner in einer Fachschlichtung jeweils freitags alle Zahlen und Fakten erörtern, sagte Geissler am Freitag nach der konstituierenden Runde in Stuttgart. «Wir sind überzeugt, dass wir einen wichtigen Beitrag zur Befriedung der letzten Wochen und Monate leisten.» Als erstes Thema stehe die Bedeutung und die Leistungsfähigkeit des Bahnknotens Stuttgart und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm auf der Tagesordnung.

Seit Monaten kämpfen viele Stuttgarter mit friedlichen Demonstrationen gegen den mehr als vier Milliarden Euro teuren Umbau des denkmalgeschützten Kopfbahnhofs in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof.

Teilweise Bauunterbrechung

Geissler sagte, während der Sitzungen herrsche Friedenspflicht. Beim Streitpunkt Grundwassermanagement im Schlossgarten liefen zwar die Aushubarbeiten weiter, aber auf weitergehende Arbeiten - wie das Giessen einer Betondecke - werde verzichtet.

Diesem Kompromiss habe das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 zugestimmt, sagte deren Sprecher Hannes Rockenbauch. Die «Aktiven Parkschützer» wollen an den Gesprächen dagegen nicht teilnehmen. Sie akzeptieren die Arbeiten am Wassermanagement nicht und argumentieren, die Baustelle sei auf einem illegal gerodeten Bereich eingerichtet. Für sie gilt damit auch nicht die Friedenspflicht. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkung die Haltung der «Parkschützer» haben wird. Denkbar scheint, dass sich Demonstranten von ihnen ab- und dem dialogbereiten Aktionsbündnis zuwenden.

Zufriedene Befürworter

Die baden-württembergische Verkehrs- und Umweltministerin Tanja Gönner zeigte sich zufrieden. Die Landesregierung unterstütze diesen Dialog. Sie freue sich auf sachliche Diskussionen. Geissler sagte weiter, Ziel der Vermittlungsgespräche sei, die Argumente öffentlich auszutauschen. Im Internet und eventuell auch im Fernsehen sollen die Sitzungen aus dem Stuttgarter Rathaus übertragen werden.

Geissler sprach von einem guten Weg, um das technologisch anspruchsvolle Projekt der breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen. Die zusätzlich entstehenden Kosten werde das Land Baden- Württemberg übernehmen. Bis Ende November werde auch der Südflügel des Bahnhofs nicht weiter entkernt. Die Wasservorbereitungsarbeiten auf der Nordseite ruhten bis dahin. Es gebe keine weiteren Auftragsvergaben. (pbe/sda)

Erstellt: 15.10.2010, 20:58 Uhr

Artikel zum Thema

Verwirrung um angeblichen Baustopp bei Stuttgart 21

Während der Vermittlung über das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 soll es einen Baustopp geben, gab Schlichter Heiner Geissler bekannt. Kurz darauf folgte das Dementi des baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Mehr...

Keine Gespräche bei Baggerlärm

Der Vermittler beim umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21, Heiner Geissler, hat seinen Standpunkt bekräftigt: Baustopp während der Schlichtungsverhandlungen! Mehr...

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!

Blogs

KulturStattBern «Window Shopper» VII

Zum Runden Leder Fussi mit Frau Feuz

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Ein Oman-Kuhnasenrochen schwimmt am 21.09.2017 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) bei einer Pressevorbesichtigung im Aquazoo Löbbecke Museum in seinem Wasserbecken und schaut in Richtung Besucher. Das Museum öffnet morgen wieder nach vier Jahren Sanierungspause. (KEYSTONE/DPA/Ina Fassbender)
Mehr...