Eine Notärztin für die SPÖ

Die Quereinsteigerin Pamela Rendi-Wagner wird in Wien neue Chefin der Sozialdemokraten – ein tückisches Amt.

Rendi-Wagner ist die erste Frau an der Parteispitze. Foto: Reuters

Rendi-Wagner ist die erste Frau an der Parteispitze. Foto: Reuters

Peter Münch@SZ

Lächelnd und gelassen hat sie sich gezeigt, so wie meistens. Doch viel mehr, als dass es eine «grosse Ehre» sei, hat sie sich nicht entlocken lassen. Pamela Rendi-Wagner blieb erst einmal in Deckung, nachdem das Präsidium der SPÖ sie zur neuen Parteichefin erkoren hatte. In der 130-jährigen Geschichte der österreichischen Sozialdemokraten wird Rendi-Wagner die erste Frau an der Spitze sein. Doch neben der Ehre, das weiss sie ­genau, ist das Amt auch Bürde. Denn die SPÖ hat gehöriges Potenzial zu Intrige und Selbstdemontage.

Die rasche Einigung auf die 47-Jährige ist vor allem dem Bemühen geschuldet, schnellstmöglich einen Schlussstrich zu ziehen unter die parteiinternen Chaostage. Ausgelöst worden waren sie durch den Rückzug des bisherigen Parteichefs und Ex-Kanzlers Christian Kern, der seine Genossen mit der Ankündigung überrumpelte, in die Europapolitik wechseln zu wollen. Danach hatten fast alle die Flucht ergriffen, die als mögliche Nachfolger genannt worden waren – ausser Rendi-Wagner. Manche sehen in der gelernten Medizinerin nun die Notärztin der Partei, was man zum einen auf die siechen Sozialisten, zum anderen aber auf ihre eigene Rolle als Notnagel beziehen kann.

Wissenschaftskarriere gegen Politkarriere getauscht

Nochparteichef Kern hat seine Nachfolgerin trotzdem tapfer als «tatsächlich erste Wahl» bezeichnet. Das stimmt zumindest für ihn selbst, sie ist seine Wunschnachfolgerin. Kern hatte Rendi-Wagner im März 2017 als Gesundheitsministerin in sein Kabinett geholt. Spätberufen trat sie dann zeitgleich in die SPÖ ein, deren Führung ihr nun anderthalb Jahre später anvertraut wird. Karriere hat sie zuvor in der Wissenschaft gemacht, mit einer Promotion in Tropenmedizin und einer Habilitation zum Thema Impfschutz. Danach ging sie ins Wiener Gesundheitsministerium, wo ihr politisches Talent entdeckt wurde.

Telegen ist sie und rhetorisch gewandt, gelobt werden Kompetenz und Freundlichkeit. Bei der Parlamentswahl letzten Herbst trat sie hinter Kern als Listenzweite an. Was ihr jedoch fehlt, ist Erfahrung als politische Allrounderin jenseits der Gesundheitspolitik. Und sie verfügt kaum über eine eigene Hausmacht in der SPÖ ausser dem Kreis um Kern. Ihr Vorgänger ist als früherer Manager allerdings selbst ein Quereinsteiger und war vielleicht auch deshalb nie richtig in der SPÖ-Parteizen­trale in der Wiener Löwelstrasse angekommen.

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