Der «Star Player» Camerons hat zwei Probleme

Boris Johnson, Bürgermeister Londons, will «den grossen» Job. Und dabei verhält er sich ziemlich speziell.

Der «Star Player» von David Camerons Team: Boris Johnson.

Der «Star Player» von David Camerons Team: Boris Johnson. Bild: Suzanne Plunkett/Reuters

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Seinen Anhängern gilt er als «Prince across the water» – als Kronanwärter, der seine Zeit jenseits der heimischen Küsten absitzen muss. Die Küsten sind dabei keine wirklichen, sondern nur die Themseufer. Denn Boris Johnson residiert als Bürgermeister Londons an der Südseite des Flusses, in der City Hall, während sein alter Eton-Mitschüler, Oxford-Kommilitone, konservativer Spezi und ewiger Rivale David Cameron im Regierungsviertel Whitehall, an der Nordseite, als Premierminister die grosse Politik bestimmt.

Cameron zu beerben: Darauf hat es Johnson schon lange abgesehen. In der Hoffnung, dass «Dave» die diesjährigen Unterhauswahlen verlieren würde, hatte sich «Boris» über den Londoner Wahlkreis Uxbridge erneut eine Basis im Unterhaus verschafft – um zur Stelle zu sein, wenn die Partei ihn zur Nachfolge riefe.

Dazu ist es nun freilich nicht gekommen. Stattdessen hat sich Cameron überraschend eine knappe, doch eigene Mehrheit verschafft. Boris Johnson aber hat nun mehrere Ämter gleichzeitig zu versehen. Ein Jahr lang, bis zum Mai nächsten Jahres, bleibt er noch Bürgermeister in der grössten Stadt Westeuropas. Zugleich ist er MP (Mitglied des Parlaments) für Uxbridge. Und ausserdem sitzt er in No. 10 mit am Kabinettstisch. Jedenfalls einmal im Monat, jeweils zwei Stunden lang.

Denn der Regierungschef hat den «Star Player» seines Teams, wie er Johnson respektvoll nennt, zum Mitglied seines «politischen Kabinetts» gemacht, welches die grossen Linien für die Regierungsarbeit vorzeichnet. Ein Ministerposten ist dieses neue Amt nicht, genau genommen. Gefragt, was für ein Job es denn nun eigentlich sei, den man ihm gegeben habe, erwiderte Johnson, es sei «kein Job, eher eine Rolle». Immerhin hat er nun erstmals den Fuss in der Downing-Street-Tür, bevor er noch seinen Kommandostand in City Hall geräumt hat. Und im Parlament hat er seinen festen Platz.

Inzwischen ziert sich Johnson auch nicht mehr, zuzugeben, dass er weiter auf «den grossen» Job wartet. Natürlich, räumt er ein, wäre es «eine wunderbare Sache, für eine solche Ehre in Betracht gezogen zu werden». Kürzlich noch hatte er einmal gesagt, die Wahrscheinlichkeit, dass er jemals Premierminister würde, sei nicht grösser als die Wahrscheinlichkeit, «von einem Frisbee enthauptet zu werden».

Zwei Probleme hat Boris Johnson mit seiner neuen Doppelrolle. Das eine besteht darin, dass er den Gegnern eines wohl kommenden Flughafenausbaus in Heathrow versprochen hat, sich mit ihnen «vor die Bulldozer zu legen», um die Bauarbeiten zu verhindern. Das wird er sich nun, bei aller Courage, nicht mehr erlauben können. Mit seinem Platz am Kabinettstisch ist er in die Exekutive aufgerückt.

Zum Zweiten wird ihm vorgeworfen, dass er bereits alles Interesse an seinem Bürgermeisterposten verloren habe. Zahlreiche Auftritte ausserhalb Londons liessen die Klage laut werden, Johnson habe «mental längst aus City Hall ausgecheckt». Der Kronprinz sieht freilich nicht ein, warum er ständig im Rathaus sitzen soll. Lieber lässt er sich in Washington beim Treff mit Abgeordneten ablichten. Oder in Kurdistan beim Anlegen einer AK-47 auf imaginäre IS-Trupps. «Da draussen» wartet schliesslich eine ganze Welt auf Boris Johnson, die erobert werden muss.Boris Johnson Der Londoner Bürgermeister mag nicht mehr in seinem Ratshaus herumsitzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2015, 06:22 Uhr

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