«Dann wurden mir verschiedene Gegenstände zugeworfen»

Uwe Dziuballa führt das koschere Restaurant «Schalom» in Chemnitz. Nun erzählt er, wie ihn Neonazis bei den Protesten beschimpft haben.

«Wir werden weiter arbeiten. Damit versuche ich, die Gesellschaft positiv zu prägen»: Uwe Dziuballa vor seinem Restaurant «Schalom» in Chemnitz. (27. August 2018)

«Wir werden weiter arbeiten. Damit versuche ich, die Gesellschaft positiv zu prägen»: Uwe Dziuballa vor seinem Restaurant «Schalom» in Chemnitz. (27. August 2018) Bild: John MacDougall /AFP

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Im Zuge der fremdenfeindlichen Demonstrationen und Ausschreitungen in Chemnitz ist in der sächsischen Stadt auch ein jüdisches Restaurant angegriffen worden. Wie Restaurantbesitzer Uwe Dziuballa am Samstag der Nachrichtenagentur AFP sagte, wurden am Abend des 27. August aus einer Gruppe heraus Gegenstände auf die Gaststätte geworfen – dabei sei auch gerufen worden: «Judensau, verschwinde aus Deutschland». Zuvor hatte die «Welt am Sonntag» berichtet, Dziuballas koscheres Restaurant «Schalom» sei von etwa einem Dutzend Neonazis angegriffen worden.

Dziuballa sagte, er habe an dem Montagabend, dem zweiten Tag von Protesten nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz, zunächst Geräusche gehört und sei nach draussen gegangen. Dort hätten sich dann zehn bis zwölf teils vermummte Menschen befunden. Dann habe er entweder laut gedacht oder auch tatsächlich gesagt: «Haut ab!»

«Dann wurden mir verschiedene Gegenstände zugeworfen und jemand rief zu mir: ‹Judensau, verschwinde aus Deutschland›». Er selbst sei an der Schulter getroffen worden, habe sich aber nicht in einem Krankenhaus behandeln lassen. Die Polizei sei dann «eine Minute später» gekommen und habe seine Aussage aufgenommen. Am vergangenen Donnerstag sei die Kriminalpolizei gekommen, um Spuren zu sichern.

«Schlimmste Erinnerungen an die Dreissigerjahre»

Der «Welt am Sonntag» zufolge ermittelt inzwischen das Landeskriminalamt. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte demnach, dass in dem Fall «derzeit eine politisch motivierte Tat mit einem antisemitischen Hintergrund naheliege». Die Ermittlungen dazu seien allerdings noch nicht abgeschlossen.

Im vorliegenden Fall bearbeite das LKA Sachsen gemeinsam mit der Polizeidirektion Chemnitz den Sachverhalt, berichtete die Zeitung weiter. Demnach ist inzwischen auch der sächsische Staatsschutz und das polizeiliche Terrorismus- und Extremismus- Abwehrzentrum mit dem Fall befasst.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich alarmiert. «Sollten die Berichte zutreffen, haben wir es mit dem Überfall auf das jüdische Restaurant in Chemnitz mit einer neuen Qualität antisemitischer Straftaten zu tun», sagte er der «WamS». «Hier werden die schlimmsten Erinnerungen an die dreissiger Jahre wachgerufen.»

Klein forderte die sächsische Polizei und Staatsanwaltschaft auf, «nun unverzüglich und umfassend zu ermitteln und mit aller Härte» gegen die Täter vorzugehen. Der Staat müsse mit aller Deutlichkeit zeigen, «dass antisemitische Straftaten unverzüglich geahndet werden».

«Wir werden weiter arbeiten»

Dziuballa will indes nicht aufgeben. «Das ist nicht typisch für Chemnitz», sagt er. «Seit das Restaurant im Jahr 2000 eröffnet wurde, ist es das erste Mal, dass ich so etwas erlebe.» «Scheitern» sei deshalb «keine Option». «Wir werden weiter arbeiten», sagt er. «Damit versuche ich, die Gesellschaft positiv zu prägen.»

In Chemnitz war vor zwei Wochen ein 35-Jähriger getötet worden. Zwei aus Syrien und dem Irak stammende Männer wurden wegen des Tötungsdelikts in Untersuchungshaft genommen. Nach einem dritten Tatverdächtigen wird gefahndet.

Seit der Gewalttat hat es in Chemnitz mehrfach Kundgebungen auch rechter Gruppen gegeben, die teilweise in Ausschreitungen mündeten. Dabei wurden auch Ausländer und Journalisten angegriffen. Die Vorfälle lösten eine bundesweite Debatte über Rechtsextremismus in Sachsen aus.

(mch/afp)

Erstellt: 08.09.2018, 17:27 Uhr

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