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Bordeaux, Stadt der Sklavenhändler

Wenig hier erinnert an die Zeit des Sklavenhandels. Autor Diallo spricht von einer «Amnesie» – und führt Einheimische auf die Spuren der Vergangenheit.

«Als ich hier ankam war ich schockiert von der Amnesie der Stadt»: Aktivist und Autor Karfa Diallo bei seiner Stadtführung. Foto: Baptiste Fenouil (REA, laif)

«Als ich hier ankam war ich schockiert von der Amnesie der Stadt»: Aktivist und Autor Karfa Diallo bei seiner Stadtführung. Foto: Baptiste Fenouil (REA, laif)

Kaum eine Postkarte aus Bordeaux verzichtet auf die Place de la Bourse. Klassizismus in Symmetrie, am Ufer der Garonne. Karfa Diallo steht auf diesem Platz und winkt eine Gruppe Rentner zu sich heran. «Kommen Sie ein paar Schritte näher, dann kann ich Ihnen erzählen, was das Tourismusbüro nicht gerne hört.» Diallo zeigt auf eine der Steinfratzen, die seit mehr als 200 Jahren auf den Platz blicken. Eine flache breite Nase, volle Lippen. Auch wenn der Sandstein grau ist, sieht man, dass dieses Gesicht schwarz sein soll. «Vor ein paar Jahren wurde eine Nachbildung dieser Fratze als Souvenir an Touristen verkauft», erzählt Diallo. Hinten auf der Tonskulptur ist ein kleiner Hinweis: «Diese Plastik bezeugt die Durchreise von Afrikanern in Bordeaux.» Die Rentner lachen. «Haha, Durchreise.» Die Rentner haben bei Diallo die Stadtführung «Bordeaux, Stadt der Sklavenhändler» gebucht. In den nächsten zwei Stunden werden sie oft verlegen lachen.

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