Acht Jahre Haft wegen Mordes für Messerstecher von Kandel

Der Täter hatte kurz nach Weihnachten 2017 seine 15-jährige Ex-Freundin in einem Supermarkt getötet.

Der Verteidiger nennt das Urteil im Kandel-Mordprozess angemessen. Video: Reuters

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Nach dem tödlichen Messerangriff auf die 15-jährige Mia in Kandel hat das deutsche Landgericht Landau ihren Ex-Freund zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Richter verurteilten den mutmasslich aus Afghanistan stammenden Abdul D. wegen Mordes und Körperverletzung, wie das Gericht am Montag mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger hatten zuvor eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert, die Verteidigung sieben Jahre und sechs Monate wegen Totschlags.

Die Tat kurz nach Weihnachten 2017 mitten in einem Supermarkt der kleinen Stadt in der Pfalz hatte in Deutschland für grosses Entsetzen gesorgt. Der Fall fachte ausserdem die Diskussion um die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen neu an.

Rechtspopulistische Gruppen hatten den Fall zum Anlass genommen, um in Kandel immer wieder gegen die Asylpolitik der Regierung zu protestieren.

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist.

Aus Rache und Eifersucht

Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate alt war, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war. Verurteilt wurde er nun nach Jugendstrafrecht, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Das Landgericht Landau entschied sich dafür, im Zweifel für den Angeklagten den gesamten Prozess nach Jugendstrafrecht zu führen. Die Öffentlichkeit war daher von der Urteilsverkündung wie auch von den Verhandlungstagen zuvor ausgeschlossen. Als Motiv für die Tat hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen.

Sie ging davon aus, dass Abdul D. Mia bestrafen wollte, weil sie sich wenige Wochen vor der Tat von ihm getrennt hatte. Zwölf Tage vor der Tat hatte Mia zudem Anzeige gegen ihren Ex-Freund erstattet, es ging um Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgte eine Anzeige ihres Vaters gegen den jungen Flüchtling.

Urteil akzeptiert

Die Verteidigung hat am Montag das Urteil von achteinhalb Jahren Haft akzeptiert. «Mein Mandant verzichtet auf Rechtsmittel und ist mit dem Strafmass einverstanden», sagte Anwalt Maximilian Endler. Das Urteil sei «angemessen». Ob auch andere Prozessbeteiligte den Richterspruch akzeptieren, wisse er nicht.

Er rechne damit, dass der Verurteilte nach der Verbüssung eines Teils der Strafe abgeschoben werde, sagte Endler. In seinem letzten Wort habe sein Mandant noch einmal Reue bekundet. Das Urteil habe der Angeklagte gefasst aufgenommen. (sep/sda)

Erstellt: 03.09.2018, 15:01 Uhr

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