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40 Prozent oder 60 Prozent? Das Ringen der Unterhändler

Wie könnte ein Schuldenschnitt für Griechenland aussehen? Bevor sich die Finanzminister und Premiers der Euroländer treffen, sind hochrangige Delegierte am Zug. Ein Bericht stellt wichtige Unterhändler vor.

Unter Druck von Brüssel: Wie weit Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi der EU beim Schuldenabbau entgegenkommen soll, ....
Unter Druck von Brüssel: Wie weit Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi der EU beim Schuldenabbau entgegenkommen soll, ....
Keystone
...ist auch bei den Fachleuten ein Thema, die in der zweiten Reihe hinter den Regierungschefs und Finanzministern tätig sind.
...ist auch bei den Fachleuten ein Thema, die in der zweiten Reihe hinter den Regierungschefs und Finanzministern tätig sind.
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Auch in Brüssel exzellent vernetzt: Der italienische Unterhändler Vittorio Grilli leitet den Wirtschafts- und Finanzausschuss WFA der Europäischen Union.
Auch in Brüssel exzellent vernetzt: Der italienische Unterhändler Vittorio Grilli leitet den Wirtschafts- und Finanzausschuss WFA der Europäischen Union.
Keystone
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Wie hoch die Beteiligung der Banken und Versicherungen an der Rettung der griechischen Staatsfinanzen ausfallen wird, ist noch umstritten. Die Eurogruppe verlangt Abschreibungen von 60 Prozent, während der Bankenverband Institute of International Finance (IIF) am Wochenende einen Verzicht auf 40 Prozent der Forderungen angeboten hatte. Im Sommer hatten die Zusagen des IIF noch 21 Prozent der Verbindlichkeiten umfasst.

Um so unterschiedliche Vorstellungen zu vereinen, haben die Regierungen und Finanzinstitute hochkarätige Experten in die Verhandlungen geschickt – um so eine Lösung zu finden. Die Zeitung «Financial Times Deutschland» hat sechs Vertreter, ihren Hintergrund und ihre Interessen in kurzen Porträts vorgestellt:

Charles Dallara:

Schon seit Juli 1993 arbeitet der amerikanische Staatsbürger für den IIF, dem weltweit mehr als 400 Institute angehören – von Grossbanken über Investmentbüros bis zu Versicherungen. Dallaras Vorgesetzter ist Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank – doch laut der «Financial Times Deutschland» hat der IIF-Direktor die Gesprächsrunde am vergangenen Sonntag allein bestritten.

Die Kompetenz des Unterhändlers gründet sich auf langjährige Erfahrung in der Finanzwirtschaft und Geldpolitik. Anfang der Neunzigerjahre arbeitete Dallara als Managing Director beim Bankkonzern J. P. Morgan, wo er unter anderem für das Investmentgeschäft in Osteuropa und im Mittleren Osten zuständig war. In den Jahren zuvor hatte er verschiedene Kaderpositionen im Finanzressort der amerikanischen Regierung inne und befasste sich intensiv mit der internationalen Geldpolitik.

Jean Lemierre:

Der Franzose vertritt ebenfalls die Interessen der Banken – als Vertreter und Berater der französischen BNP Paribas, die schon im vergangenen Sommer an den Gesprächen über ein Rettungspaket für die maroden griechischen Staatsfinanzen beteiligt war. Der Bankkonzern ist der grösste ausländische Gläubiger Athens und wäre mit Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe von einem Schuldenschnitt massiv betroffen.

Als Absolvent der Eliteakademie ENA und des Institut d'Etudes Politique in Paris hat Lemierre eine Laufbahn als Spitzendiplomat hinter sich: Bis 1995 war er Chef der französischen Steuerbehörde, gefolgt vom Direktorenposten beim französischen Schatzamt. Daneben wirkte er beim Europäischen Währungsausschuss als Chef des Wirtschafts- und Finanzausschusses der EU. Seit September 2008 arbeitet er als Berater des Präsidenten der Bank BNP Paribas.

Jörg Asmussen:

Der deutsche Staatsekretär im Finanzministerium ist Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied der SPD. Das hinderte Bundeskanzlerin Angela Merkel laut der «Financial Times Deutschland» nicht daran, ihn als Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank zu nominieren – ein Arbeitgeber, der einen Schuldenerlass für Griechenland skeptisch sieht, weil das Vertrauen auch in die Anleihen anderer Länder erschüttert werden könnte. Schwierige Verhandlungen hat der Staatssekretär bereits im eigenen Land geführt, als er mit der deutschen Finanzwirtschaft Rettungsmassnahmen für die Pleitebank Hypo Real Estate aushandelte.

Der Finanzfachmann aus Norddeutschland hat eine steile Karriere hinter sich: Im März 2003 übernahm Asmussen die Leitung der Abteilung für Nationale und Internationale Finanzmarkt- und Währungspolitik und wurde damit mit 37 Jahren der jüngste Ministerialdirektor in der Bundesregierung. Im Juli 2008 wurde er Staatssekretär der Bundesregierung, und der nächste Finanzminister Wolfgang Schäuble hielt Asmussen ab Oktober 2009 im Amt. Er überliess ihm auch die Verantwortung für die Politik gegenüber Griechenland.

Vittorio Grilli:

Ein Finanzexperte aus Italien mit besten Drähten in der EU: Vittorio Grilli ist nicht nur Staatssekretär in Rom, sondern leitet auch den Wirtschafts- und Finanzausschuss (WFA) in Brüssel. Als Vermittler für sein Heimatland, das ebenfalls wegen Haushaltsproblemen in der Kritik steht, dürfte er in einer schwierigen Position stecken.

Grilli hat in seiner Laufbahn bereits vielfältige Aufgaben übernommen. Ab Mitte der Achtzigerjahre war er Professor für Ökonomie an der Yale-Universität in den USA und an der University of London. Ab 1994 war er für den italienischen Staat tätig, unterbrochen von einer kurzzeitigen Tätigkeit als Managing Director bei der Credit Suisse First Boston in London in den Jahren 2001 und 2002.

Ramon Fernandez:

Der Finanzexperte, der seit März 2009 Direktor des französischen Schatzamtes ist, gilt als enger Vertrauter von Staatspräsident Nicolas Sarkozy, dem er auch als persönlicher Berater diente. Bei den Differenzen mit der Regierung in Berlin dürften ihm seine diplomatischen Fähigkeiten für die Verhandlungen sehr nützlich gewesen sein.

Fernandez hat im Staatsdienst eine klassische Karriere gemacht, nachdem er das Institut d'Etudes Politiques in Paris und andere Eliteschulen absolviert hatte. Bekanntheit in der Öffentlichkeit hat ein Teil seiner Familiengeschichte: Sein Vater Dominique ist ein bekannter Schriftsteller – und wiederum Verfasser eines Buches über seinen eigenen Vater Roman, der sich zu Kriegszeiten in Frankreich unmöglich gemacht hatte. Er unterstützte die Kollaborateure des Nazi-Regimes und traf Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels in Deutschland.

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