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40'000 Portugiesen fordern Neuwahlen

Zum dritten Mal innert eines Monats zogen in Portugal Tausende durch die Strassen, um einen Politikwechsel zu fordern. Die Turbulenzen im Land belasten die Börsen in New York.

«Immer müssen dieselben die Rechnung zahlen»: Ein Demonstrant vor dem Parlamentsgebäude in Lissabon. (10. Juli 2014)
«Immer müssen dieselben die Rechnung zahlen»: Ein Demonstrant vor dem Parlamentsgebäude in Lissabon. (10. Juli 2014)
Reuters

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon haben am Donnerstag erneut tausende Regierungskritiker gegen die Sparpolitik der vergangenen Jahre demonstriert. Die Gewerkschaftszentrale CGTP sprach von 40'000 Teilnehmern der Kundgebung.

Die Demonstranten bewegten sich in zwei Zügen zum Parlamentsgebäude, wo sie Neuwahlen und einen «Politikwechsel» verlangten. «Wir arbeiten immer mehr, bekommen niedrigere Gehälter und müssen mehr Steuern zahlen», sagte der 50-jährige Kommunalbeamte Joaquim Lucas aus Avis. «Immer müssen dieselben die Rechnung zahlen, während andere Millionen verdienen», erregte sich der Buskontrolleur Silverio Fernandes.

Ähnliche Kundgebungen hatte es bereits am 14. Juni in Porto und am 21. Juni in Lissabon gegeben. Für den 25. Juli ist eine weitere Demonstration angekündigt.

Das krisengeschüttelte Land hatte im Mai 2011 Notkredite in Höhe von 78 Milliarden Euro von seinen Europartnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zugesagt bekommen. Im Gegenzug musste sich die portugiesische Regierung verpflichten, Sparauflagen zu erfüllen und rigorose Kürzungen vorzunehmen. Im Mai verliess Lissabon den Euro-Rettungsschirm.

Anleger werfen Aktien aus ihren Depots

Gleichzeitig schreckten Turbulenzen im portugiesischen Bankensektor die Anleger weltweit auf. Sie warfen am Donnerstag Aktien aus ihren Depots und deckten sich mit sicheren Anlagen wie Gold ein.

«Die Angst vor einem neuen Ausbruch der Schuldenkrise in Europa geht um», sagte ein Börsianer. An der Wall Street schloss der Dow-Jones-Index 0,4 Prozent tiefer auf 16'915 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 1964 Zählern 0,4 Prozent im Minus. Die Technologiebörse Nasdaq fiel 0,5 Prozent auf 4396 Punkte.

Auslöser der Nervosität waren Spekulationen um Zahlungsprobleme der einflussreichen portugiesischen Bankiersfamilie Espirito Santo. Am Vormittag wurden Aktien und Anleihen der Espirito Santo Financial Group (ESFG) wegen «wesentlicher Schwierigkeiten» der Muttergesellschaft Espirito Santo International (ESI) vom Handel ausgesetzt.

Gegen letztere ermitteln die Behörden wegen «erheblicher Unregelmässigkeiten». «Ein unschönes, aber beherrschbares Thema», sagte Frank Wieser, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Packenius, Mademann & Partner. «Dass Anleger jetzt erst mal Kasse machen, ist nicht verwunderlich.»

(SDA)

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