«25 Millionen Dollar für nichts»

Der Mueller-Bericht sei ein Fiasko für die USA, sagen russische Medien. Doch nicht alle sehen das Ergebnis so negativ.

Er suchte zwei Jahre lang – und fand keine Verschwörung zwischen Donald Trump und Russland: Sonderermittler Robert Mueller. Foto: Cliff Owen (Keystone)

Er suchte zwei Jahre lang – und fand keine Verschwörung zwischen Donald Trump und Russland: Sonderermittler Robert Mueller. Foto: Cliff Owen (Keystone)

Zita Affentranger@tagesanzeiger

«Viel Lärm um nichts», fasst es die Washington-Korrespondentin des russischen Staatssenders ORT, Julia Olchowskaja, zusammen. Für den Bericht von US-Sonderermittler Robert Mueller seien «500 Zeugen befragt, Hunderte Telefongespräche gehört, Zehntausende Dokumente durchgearbeitet worden – aber der Berg hat eine Maus geboren.» Mit der Untersuchung hätten die USA nur Millionen Dollar an Steuergeldern verschleudert – für nichts. Die Zahl «25'000'000 $» blinkt auf dem Bildschirm.

Laut Sonderermittler Mueller hat Russland zwar versucht, die US-Präsidentschaftswahl 2016 zu beeinflussen, Hinweise auf eine tatsächliche Zusammenarbeit fand Mueller aber nicht: «Die Ermittlungen ergaben nicht, dass Mitglieder des Trump-Wahlkampfteams sich mit der russischen Regierung bei deren Wahleinmischungs-Aktivitäten verschworen oder koordiniert haben», heisst es dazu in seinem Bericht.

«Kein russischer Agent»

Das Ergebnis der Untersuchung sei ein Fiasko für die USA, erklärten russische Kommentatoren. Doch das halte die antirussischen Kräfte in den USA nicht davon ab, unverdrossen weiter vor einer russischen Gefahr zu warnen. Dabei sei ja nun belegt, dass «Trump kein russischer Agent» sei. «Dass Mueller kein Komplott gefunden hat, das ist natürlich gut – für Trump», sagt die Chefredaktorin des vom Kreml gesteuerten RT-Fernsehens, Margarita Simonjan. «Aber für uns spielt es überhaupt keine Rolle. Denn jetzt sagen sie: Es gab zwar kein Komplott, aber Russland hat sich trotzdem eingemischt. Aus eigener, treuloser Initiative.»

Nicht alle wollten das Ergebnis so negativ sehen. Der Bericht belege zwar, was man schon immer gewusst habe, erklärte Konstantin Kossatschow, im russischen Oberhaus für Aussenpolitik zuständig. Aber «jetzt haben wir die Chance, unsere Beziehungen neu aufzubauen. Die Frage ist, ob Trump das Risiko auf sich nimmt.» Russland sei auf jeden Fall bereit dazu. Er schlage vor, mit den drängendsten Problemen zu beginnen: mit den Verhandlungen über die Rüstungsabkommen Start und INF.

Putin bald im Weissen Haus?

Vielleicht werde Trump sich nun dafür starkmachen, die Beziehungen zu Putin wieder auszubauen, sagte der Politologe Fjodor Lukjanow, der den Kreml in aussenpolitischen Fragen berät. «Aber all das wird zu nichts führen», denn in den USA beginne nun bereits der Wahlkampf, die politischen Attacken auf Trump gingen deshalb weiter. «Niemand hat etwas davon, wenn er sich für bessere Beziehungen zu Russland einsetzt.» Als Nagelprobe gilt für Lukjanow die Frage, ob Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Weisse Haus einlädt. Ein vereinbartes Treffen war verschoben worden, um die Ergebnisse des Russland-Berichts abzuwarten.

Der Kreml demonstrierte derweil grösstmögliches Desinteresse. Am Morgen hiess es lapidar, man habe sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt. Später erklärte Putins Sprecher Dmitri Peskow, in dem Papier stehe «nichts Neues». «Es ist schwierig, eine schwarze Katze in einem dunklen Raum zu finden – besonders, wenn sie gar nicht da ist.»

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